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Vorstellung des Entwurfs zur Sanierung der Kläranlage

„Kratzen an der 30-Millionen-Grenze“

Warendorf

Die Warendorfer Kläranlage muss grundlegend saniert werden. Im Betriebsausschuss wurde der aktuelle Entwurf vorgestellt, und die Gesamtkosten belaufen sich nach derzeitigem Stand auf rund 28,5 Millionen Euro – Tendenz steigend.

Von Ulrich Lieber

Die Warendorfer Kläranlage wurde vor 40 Jahren saniert und ist nun in die Jahre gekommen. Es sind umfangreiche Maßnahmen zur erneuten Sanierung erforderlich. Foto: Jörg Pastoor

Die Warendorfer Kläranlage ist in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden. Der Großteil der Anlage wurde in den 80er Jahren gebaut. „Das ist unser Problem. Es ist alles vor 40 Jahren saniert worden. Vielleicht gab es da Fördergelder. Jetzt drubbelt es sich“, sagte Betriebsleiter Thomas Meier am Montag im Betriebsausschuss.

Ingenieur Tim Baudewind

Tim Baudewind von der Ingenieurgesellschaft Tuttahs&Meyer stellte die aktualisierte Entwurfsplanung detailliert vor, die gemeinsam mit dem Büro Frilling&Rolfs erarbeitet worden ist. Im Vergleich zur ersten Vorplanung haben sich die Kosten noch einmal um rund 3,5 Millionen Euro auf nun insgesamt rund 28,5 Millionen Euro erhöht. „Die Preise steigen und werden voraussichtlich auch in Zukunft nicht geringer“, bedauerte Baudewind. Thomas Meier ergänzte: „Die Steigerung hat mit Materialien, aber auch mit Verfeinerungen im System zu tun. Wir kratzen deutlich an der 30-Millionen-Grenze.“

Der Entwurf umfasst fünf Planungsbereiche. Der teuerste ist der Planungsbereich A mit rund 18,7 Millionen Euro und er umfasst die Regenwasserbehandlung und mechanische Vorreinigung. Es haben sich gegenüber der Vorplanung beim Zulaufpumpwerk, Grob- und Feinrechen und Vorklärung keine grundsätzlichen Änderungen ergeben. „Beim Regenüberlaufbecken hat sich im Rahmen einer Simulation gezeigt, dass die Abscheidegrade im Becken nicht eingehalten werden. Hier muss eine Lösung gefunden werden und mit der Bezirksregierung abgestimmt werden“, erklärte Baudewind. „Das Regenrückhaltebecken war damals Stand der Technik. Es wurde dann 20 Jahre irgendwie durchgewunken und hat uns jetzt böse getroffen“, berichtete Thomas Meier.

Betriebsleiter Thomas Meier

Im Planungsbereich B – Rohschlammvorlagebehälter inklusive Co-Substanzen und Abluftbehandlung – wurden zwei verschiedene Varianten ausgiebig beleuchtet. Die erste Variante wäre der komplette Rückbau der Altanlage verbunden mit dem Abbaggern des künstlich angehäuften Bergs auf ein neues Geländeniveau. Die zweite Variante ist die Weiterverwendung der Altanlagen (Belebungsbecken und Nachklärbecken) durch eine teilweise Umnutzung.

„Wir haben seit November sehr intensiv geplant, um hier eine richtige Kostensicherheit zu erzielen“, sagte Tim Baudewind. Im Ergebnis werde die erste Variante bevorzugt, bei der neue Behälter auf dem alten Standort errichtet werden. „Wir haben uns sehr mit diesen Varianten beschäftigt und festgestellt, dass der Neubau deutlich einfacher ist als der Umbau“, sagte der Betriebsleiter.

Keine grundsätzlichen Veränderungen zur Vorplanung gab es im Planungsbereich C. Hier geht es um das Schlammlager- und -verladesilo inklusive der Fahrzeugwaage. Die Kosten belaufen sich hier auf rund 2,25 Millionen Euro. Im Planungsbereich D geht es um das Zwischenpumpwerk und die Brandwasseraufbereitung. „Die Sanierung kann bei laufendem Betrieb erfolgen“, sagte Tim Baudewind. „Das gesamte Pumpwerk ist viel zu klein. Wir brauchen vier Leitungen“, machte Tomas Meier die Notwendigkeit der Sanierung deutlich. Im Planungsbereich E geht es um die neue Energiezentrale und dabei auch um einen Neuaufbau der Energieübergabe von den Stadtwerken. Hier ist ein neues Bauwerk geplant, das auch eine redundante Versorgung gewährleistet und Notfälle meistert.

Ausschussvorsitzender Manfred Lensing-Holtkamp

Für die Ausschussmitglieder war das eine Menge Input und schwer verdauliche Kost, wie der Ausschussvorsitzende Manfred Lensing-Holtkamp zugab: „Wir sind ja keine Abwassertechniker und müssen Ihnen da vertrauen. Aber wir müssen diese Riesensummen auch in den Fraktionen vertreten. Es ist manchmal schwer, das alles zu verstehen.“ Paul Alois Schwienhorst stimmte dem zu: „Das waren sehr umfangreiche Informationen.“

Die Sanierung bringt natürlich auch viele Vorteile, die Diplom-Ingenieur Michael Schütte vom Büro Frilling&Rolfs mitteilte. „Wir werden im Bereich der mechanischen Vorreinigung deutlich besser. Wir haben eine höhere Verfügbarkeit des Pumpwerkes, sind energetisch günstiger.“ Von großem Vorteil sei zudem, dass das Pumpwerk einen Rechen mit acht Millimeter bekommt, der derzeitige habe 60 Millimeter und da gingen alle Hygieneartikel durch.

Die Entwurfsbearbeitung soll am 31. Mai abgeschlossen sein. Wenn die Einreichung der Genehmigungsplanung am 28. Juni klappt, soll im November/Dezember mit der Sanierung begonnen werden. Am 22. Juni plant der Betriebsausschuss nach seiner Sitzung einen Ortstermin an der Kläranlage, um sich ein genaues Bild machen zu können.

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