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Nadine Jansen hat ihren ersten Thriller geschrieben

Kriminelle Energie nur am Computer

Warendorf

Unter dem Pseudonym Nora Benrath hat die aus Einen stammende Journalistin Nadine Jansen jetzt ihren ersten Thriller veröffentlicht. Dieser spielt nicht in der italienischen Wahlheimat der Autorin, sondern in Deutschland. Die A 1 spielt dabei eine ganz besondere Rolle.

Von Joke Brocker

Nadine Jansen hat unter dem Pseudonym Nora Benrath gerade ihr Thriller-Debüt vorgelegt. Foto: Verena Gaupp

„Eskalation“ heißt ein am Dienstag erschienener Thriller von Nadine Jansen. Die Journalistin stammt aus Einen, ist in Warendorf zur Schule gegangen, hat in Ibbenbüren volontiert und danach als Redakteurin in der Online-Redaktion der Westfälischen Nachrichten in Münster gearbeitet. Seit einigen Jahren lebt die zweifache Mutter mit ihrer Familie in Osimo in Italien. WN-Redakteurin Joke Brocker hat mit der Autorin über ihr neues Werk gesprochen.

Mancher ist in der Corona-Zeit auf den Hund gekommen. Wer Dich nicht kennt, könnte mutmaßen, dass Du in der Zeit des Lockdowns Dein schriftstellerisches Talent entdeckt hast. Tatsächlich schreibst Du neben Deiner journalistischen Tätigkeit schon viel länger. Ich persönlich weiß von mindestens einem Liebesroman. Aber „Eskalation“ ist Dein erster Thriller, richtig?

Nadine Jansen: Genau. „Eskalation“ ist mein erster Thriller. Den Vertrag dazu habe ich sogar schon 2019 unterschrieben. Also noch weit vor Corona. Corona hatte aber insofern Einfluss, als dass das Buch eigentlich bereits im Herbstprogramm 2020 erscheinen sollte und dann verschoben worden ist. Auch auf den Buchhandel hat Corona großen Einfluss gehabt. Selbst die Frankfurter Buchmesse hat im vergangenen Herbst ja nur digital stattgefunden.

Was reizt oder fasziniert Dich am Krimi- bzw. Thriller-Genre?

Nadine Jansen: Die Abgründe der menschlichen Seele (lacht). Sehr faszinierend finde ich aber auch die Vielschichtigkeit der Charaktere gerade in Thrillern. Und es macht mir Spaß, den Leser auf die ein oder andere falsche Fährte zu führen.

Wie lange hast Du an dem Buch geschrieben und wo war Dein bevorzugter Arbeitsplatz?

Nadine Jansen: Gar nicht so einfach zu beantworten. Angefangen habe ich im Jahr 2018. Das Grundkonzept stand schnell, aber es gab verschiedene Überarbeitungsschritte, das Umstellen von Szenen. Wirklich fertig war das Manuskript erst, als das Lektorat durch war. Das war rund zweieinhalb Jahre später, im Herbst 2020. Und ich habe tatsächlich fast ausschließlich vom herkömmlichen Schreibtisch aus gearbeitet. Mit Vorliebe nachts oder am frühen Morgen.

Woher nimmst Du die Ideen zu Deinen Büchern?

Nadine Jansen: Die zu „Eskalation“ kam mir konkret auf der Autobahn. Auf dem Heimweg zwischen Köln und Münster. Ansonsten können das Alltagssituationen ebenso wie Überlegungen sein. Gerade bei Thrillern spielt das Kopfkino eine sehr große Rolle. Und zwar konkret die Frage nach dem „Was wäre wenn  . . .“

Wie und wo hast Du für Deinen Thriller recherchiert?

Nadine Jansen: Recherchiert habe ich jahrelang für den „Stern“ in Düsseldorf und habe dort zu einem Team mit ganz großartigen Kollegen gehört. Wir sind auch mehrfach bei Kriminalfällen eingesetzt worden. Das hat mir das Beschreiben der polizeilichen Ermittlungsarbeit erleichtert. Ansonsten spielt aber auch eine Zeitungsredaktion eine Rolle – und davon kenne ich ja einige. Die in Warendorf, aber vor allem auch die „Westfälischen Nachrichten“ in Münster. Für die habe ich jahrelang in der Online-Redaktion gearbeitet und auch verschiedene Strafprozesse vor dem Landgericht besucht.

Muss man über eine gehörige Portion krimineller Energie verfügen oder ist es inspirierend, an der Recherche zu Fällen des organisierten Verbrechens beteiligt gewesen zu sein?

Nadine Jansen: Inspirierend einerseits, schockierend andererseits. Aber gerade dadurch, dass wir teils so nah dran waren, ist mir auch richtig klar geworden, wie wenig man andere Menschen häufig kennt. Und wie sehr eine Fassade täuschen kann. Meine eigene „kriminelle Energie“ lebe ich aber vor allem am Computer aus. Wenn der dann aus ist, bin ich auch ganz umgänglich (lacht).

Es wäre doch naheliegend gewesen, für das Setting Deine Wahlheimat Italien zu wählen. Schauplatz der spannenden Handlung ist aber Deutschland – und die Autobahn 1 spielt eine besondere Rolle. Warum?

Nadine Jansen: Stimmt, Italien wäre naheliegend gewesen. Aber die Idee zu „Eskalation“ kam mir auf der A1 und da habe ich die Idee dann auch weiterentwickelt. In Italien wäre die Handlung von „Eskalation“ ganz schnell vorbei gewesen. Der Täter wäre nach wenigen Minuten an der Schranke einer der Mautstellen gestoppt worden.

Die Opfer in Deinem Roman werden auf geradezu bestialische Weise gefoltert. Wie kommt man auf so eine Idee?

Nadine Jansen: Interessant ist ja, dass vieles nur angedeutet wird. Dass das dann so bestialisch wirkt, hat viel mit der Fantasie der Leser zu tun. Das hat bei Dir auch funktioniert, oder?

Gibt es Autoren, die Dich inspirieren?

Nadine Jansen: Sie motivieren mich vor allem. Immer dann, wenn es bei einem Kapitel hakt, reicht ein Blick ins bunt gemischte Bücherregal oder aber in Buchhandlungen. Da das eigene Buch zu sehen und es gedruckt in den Händen zu halten, ist ein großartiges Gefühl.

Liest Du selber gerne Thriller? Welche stehen in Deinem Bücherregal?

Nadine Jansen: Ich lese sowohl Thriller sehr gerne als auch Liebesromane. Je nach Stimmungslage. Thriller habe ich mehrere von Sebastian Fitzek und Marc Elsberg. Aktuell lese ich „Die Karte“ von Andreas Winkelmann. Aber im eigenen Bücherregal habe ich tatsächlich sehr viel mehr Liebesromane: Danielle Steel, Nicholas Sparks und Nora Roberts.

Du schreibst Deine Romane unter Pseudonymen. „Eskalation“ unter dem Namen Nora Benrath. Warum?

Nadine Jansen: Unter meinem Klarnamen schreibe ich bereits journalistisch. Da ich Thriller unter Pseudonym schreibe, verbindet dann hoffentlich auch nicht jeder so viel kriminelle Energie mit mir als Privatperson.

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