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„Die Bunte Kuh“ im Lockdown

Kultur hat derzeit wenig Stellenwert

warendorf

Künstler und Kulturschaffende haben es derzeit sehr schwer. Seit über einem Jahr liegt das Veranstaltungsgeschehen auf Eis. Darum hofft die Künstlergemeinschaft „Die Butne Kuh“ darauf, dass der Lockdown bald beendet ist.

Rebecca Lek

Anna Storck bei der Arbeit in der Werkstatt. Foto: Bunte Kuh

Kunst und Kultur kommen sehr kurz in der Pandemie. Die Menschen dürsten nach Konzerten, Theaterstücken und Galerieausstellungen. Ein identisches Bild zeichnet sich auf der anderen Seite auch bei den Kunstschaffenden ab. Auch die Künstlergemeinschaft „Die Bunte Kuh“ aus Warendorf hofft auf ein baldiges Ende des Lockdowns. Die sechs Frauen, Katja Bremkamp-Leenen, Anna Storck, Manuela Pelster, Stefanie Brinkhaus, Andrea Baumgarten und Daniela Schulte arbeiten im Hintergrund noch in der Werkstatt.

Workshops und Verkauf sind durch die Corona-Schutzverordnung wie überall sehr eingeschränkt bis ausgeschlossen. „Mit Kursen machen wir normalerweise unseren meisten Umsatz. Wir sind sonst fast jedes Wochenende ausgebucht“, bedauert Katja Bremkamp-Leenen, die „Die Bunte Kuh“ ins Leben gerufen hat. Firmenfeiern, Junggesellenabschiede oder einfach ein Mädelsabend, der kreativ und individuell gestaltet werden kann, zeichnet die Bunte Kuh aus. „Wir gehen auf jede Gruppe anders ein und überlegen uns etwas Besonderes“, beschreibt die gelernte Goldschmiedin. In ihrem Bereich verzichtet sie derzeit komplett auf jegliches Kursangebot. „Die Schmuckherstellung ist berufsbedingt körperbetont. Werkzeuge werden ausgetauscht und Hilfestellungen gewährleistet. Man kommt sich doch manchmal sehr nah und das ist nicht durchführbar momentan“, erklärt sie die Entscheidung.

Die gesamte Branche liegt mittlerweile über ein Jahr brach, der Kunst- und Kulturbereich fällt überwiegend aus. „Kunst und Kultur haben wenig Stellenwert in der Pandemie“, stellt Bremkamp-Leenen fest. Sie würde sich wünschen, mehr aufgefangen zu werden, indem Perspektiven gefördert werden. Dass mehr Förderungen und finanzielle Möglichkeiten bereitstehen, um die Umsetzung neuer, Corona-konformer Konzepte zu gewährleisten. Ein Problem, das insbesondere Anna Storck kennt. Die 27-Jährige machte mitten im ersten Lockdown ihren Abschluss als „Master of Fine Arts“ mit dem Schwerpunkt „Gemstones and Jewellery“ an der Hochschule Trier in Idar-Oberstein. Ausstellungen, die sie gemeinsam mit Kommilitoninnen gehabt hätte, fielen ersatzlos aus. Einen richtigen Berufsstart wie üblich all die Jahre zuvor, war kaum möglich, stellt Storck klar.

Ebenso wie Katja Bremkamp-Leenen arbeitet sie zwar neben ihren eigenen künstlerischen Tätigkeiten noch für das Landesprogramm „Kultur und Schule“. – allerdings nicht in einem Angestelltenverhältnis, sondern auch nur auf freiberuflicher Basis möglich. Das Gehalt wird je

nach Ausfall hinsichtlich der Corona Bestimmungen und Lockdown-Regeln entsprechend angepasst und ist damit auch nicht fest kalkulierbar. Die gesamte Situation schafft finanziellen Stress.

Ob Künstler wie Anna Storck den richtigen Sprung ins angedachte Berufsleben schaffen werden, ist noch unklar, denn der Nachwuchs steht in den Startlöchern. „Wir sind der verlorene Jahrgang. Quasi der Corona-Jahrgang“, ist Storck enttäuscht.

In der „Kuh“ unterzukommen war für sie daher besonders wichtig, um Geld verdienen zu können, aber auch um Kontakte zu knüpfen. Dadurch dass den Künstlern „die Bühne entzogen wurde“, gibt es kaum die Möglichkeit zu Netzwerken oder Input zu erhalten. „Das Publikum und der Kontakt mit den Menschen fehlt. Produktdesign lebt durch ausprobieren, verwenden und den Austausch miteinander“, be-schreibt Bremkamp-Leenen.

Als Zusammenschluss mehrerer Künstler teilen sie die Miete gleichmäßig durch sechs. Gleichzeitig erwirtschaftet jeder mit dem Verkauf der eigenen Waren sowie der Durchführung der Workshops eigenen Umsatz – eine gemeinsame Kasse gibt es nicht – aber die Kosten müssen trotzdem aufgefangen und Miete weiterhin gezahlt werden. Ohne Unterstützung und mit schwindenden Perspektiven wird es immer schwieriger, Arbeitsstätten wie die Bunte Kuh noch erhalten und sich leisten zu können, bemerkt Daniela Schulte, die erst vor knapp einem Jahr in die „Kuh“ eingestiegen ist. Das verlorene Jahr – und noch ist ja kein Ende der Pandemie in Sicht – muss auch finanziell erst wieder überwunden werden.

Inwieweit „Die Bunte Kuh“ mit eventuellen weiteren Öffnungsschritten umgehen wird, ist noch unklar. „Man muss viele Aspekte beachten. Auch wenn es wirklich erlaubt wäre, möchte man die Kurse mit 20 Leuten durchführen, um Geld einzufahren, wenn der reine Menschenverstand dem widerspricht?‘

Auch Ausstellungen seien ein schwieriges Thema. „Normalerweise haben wir etwa ein halbes Jahr Vorlaufzeit, um alles zu planen“, beschreibt Katja-Bremkamp-Leenen den Zeitrahmen. Während für den „normalen“ Bürger also die Entscheidungen der Politik als träge wahrgenommen werden, ist für diese Branche die Bekämpfung der Corona-Pandemie zu schnelllebig, um Planungen durchzuführen und es finanziell umsetzen zu können, „da am Ende doch wieder alles anders ist, als es angekündigt wurde“.

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