Baugebiet Grüner Markenweg

Landwirte sorgen sich um Existenz

Einen-Müssingen

Der zweite Bauabschnitt des geplanten Neubaugebietes am Grünen Markenweg macht den Landwirten Rudolf und Jan Merten Sorge. Würden sie ihren Betrieb so erweitern, wie sie es nötig wäre, um ihn zukunftsfähig zu erhalten, würde das mit erhöhten Immissionen einher gehen. Anders als sogenannte Schnüffler, auf deren subjektiven Eindrücken ein Gutachten fußt, werde die Geruchsbelästigung mit dem Bau von Offenställen deutlich höher, prognostizieren die Landwirte und fürchten Ärger mit den potenziellen Häuslebauern.

Jan (l.) und Rudolf Merten befürchten, dass der zweite Bauabschnitt des geplanten Neubaugebietes am Grünen Markenweg, der hinter dem Zaun beginnen und von der am Horizont zu sehenden Baumreihe begrenzt würde, der weiteren Entwicklung ihres Hofes im Wege stehen könnte. Foto: Joke Brocker

Um die Zukunft ihres Hofes – und damit ihre Existenzgrundlage – aber auch um ihren guten Ruf im Dorf machen sich Rudolf und Jan Merten ernsthafte Sorgen. Dass in Einen dringend Bauplätze geschaffen werden müssen, stehe außer Frage, räumt Rudolf Merten ein: „Ich habe noch zwei jüngere Kinder, die wollen irgendwann auch bauen.“ Dass dieses Baugebiet allerdings ausgerechnet im Dunstkreis seines Hofes, westlich des Grünen Markenweges, entstehen soll, wurmt den staatlich geprüften Landwirt ungeheuer.

Auf der nachweislich um 1400 erstmalig urkundlich erwähnten Hofstelle in der Einener Dorfbauerschaft betreiben Vater und Sohn einen Veredelungsbetrieb, haben sich auf Schweinehaltung und -mast spezialisiert. Zum Betrieb gehören 160 Hektar Ackerflächen und zehn Hektar Wald, teilweise Eigentum, teilweise gepachtet. Jan Merten gehört heute bereits ein Drittel des Hofes. Langfristig möchte der 26-jährige Landwirt und staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt den Betrieb ganz übernehmen. Um von der Landwirtschaft weiterhin leben zu können, müsse man sich allerdings breiter aufstellen. Das, erzählen die Mertens, sei übrigens auch die Empfehlung der Landwirtschaftskammer, die vor einigen Jahren noch zur Spezialisierung geraten hatte. Neben rund 3000 Mastschweinen möchten Vater und Sohn daher künftig etwa 190 Mastbullen halten.

Noch arbeitet der Betrieb konventionell. Das heißt: Die Schweine stehen nicht auf Stroh, sondern auf Vollspaltenböden. Doch angesichts der Pläne der sogenannten Borchert-Kommission, die den grundlegenden und langfristigen Umbau der deutschen Nutztierhaltung hin zu mehr Tierwohl und Umweltschutz fordert, stellen auch Rudolf und Jan Merten Überlegungen an, wie sie ihren Tieren künftig mehr Platz und Kontakt zum Außenklima bieten können.

Mit den sogenannten Offenställen werde es natürlich höhere Immissionen geben, stellt Rudolf Merten klar. Während zwei Gutachten, die die Bauverwaltung in Auftrag gegeben hatte, die Realisierung eines Neubaugebietes am Grünen Markenweg im ersten Bauabschnitt unproblematisch und im zweiten Bauabschnitt trotz erwartbarer höherer Geruchsbelästigung für machbar halten, hat der 55-Jährige erhebliche Bedenken. „Wenn es nur das berechnete Gutachten gäbe, hätte das Baugebiet keine Chance“, glaubt er und macht keinen Hehl daraus, dass er vom zweiten Gutachten, das auf der subjektiven Wahrnehmung sogenannter „Schnüffler“ beruht, nicht überzeugt ist. „Wir haben meistens Westwind“, gibt er zu bedenken. Daher

sich die jungen Familien, die „für einen Haufen Geld“ ein Grundstück im zweiten Bauabschnitt kauften und bebauten, auf Geruchsbelästigungen einstellen: „Es wird riechen und nicht nur ein bisschen. Das ist ein unangenehmer Geruch. Ich möchte da nicht drinsitzen.“ Merten ist es wichtig, schon heute deutlich darauf hinzuweisen, auch, weil er Sorge davor hat, „dass wir am Ende der Buhmann sind.“

Seine Familie sei im Dorf verwurzelt, in zahlreichen Vereinen und bei der Feuerwehr aktiv. Angesichts von Berichten über Kindermobbing, dem Kinder von Landwirten immer öfter ausgesetzt seien, möchte er Stress mit den Dorfbewohnern unbedingt vermeiden. Kürzlich, im Bezirksausschuss, hat Rudolf Merten deshalb vorgeschlagen, eine fünf Hektar große Fläche am Feuerwehrgerätehaus im Tausch als Bauland zur Verfügung zu stellen. Ob dort mit Geruchsbelästigung durch einen benachbarten landwirtschaftlichen Betrieb zu rechnen sei, könne er nicht sagen. Da müsse man zum Beispiel mal die Windrichtung überprüfen. Sicher sei allerdings, dass die Archäologen auf der Fläche vis-à-vis der Moritz-Meissen-Straße nicht mehr tätig werden müssten.

Seit 25 Jahren Mitglied der Ortsunion und neuerdings Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss, steckt Merten in einer echten Zwickmühle. Wenn das Thema Baugebiet Grüner Markenweg demnächst im Ausschuss diskutiert werde, werde er sich natürlich vertreten lassen: „Da bin ich befangen.“

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