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August Finkenbrink verabschiedet sich

Langeweile ist für ihn ein Fremdwort

Freckenhorst

August Finkenbrink, CDU-Urgestein, wird sich mit Ablauf dieser Legislaturperiode aus der aktiven Politik verabschieden. Im Gespräch mit unserer Zeitung ließ der Landwirt aus Flintrup 40 Jahre politischer Tätigkeit Revue passieren.

Joke Brocker

August Finkenbrink wird nach dem Rückzug aus dem politischen Geschäft gewiss nicht tatenlos auf dem Hof seiner Familie in Flintrup herumsitzen. Dort gibt es immer reichlich zu tun. Foto: Joke Brocker

„Den Schalter einfach umlegen, das kann ich nicht. In Gedanken werde ich immer noch dabei sein“, kommentiert CDU-Urgestein August Finkenbrink seine Entscheidung, sich nach 40 Jahren aus der politischen Arbeit zurückzuziehen.

Doch obwohl er bei Kaffee und Marmorkuchen mehrfach beteuert, dass ihm die politische Arbeit immer sehr viel Spaß gemacht habe, gewinnt man doch den Eindruck, dass er angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse im Rat nicht ganz unglücklich darüber ist, dem nächsten Kommunalparlament nicht mehr angehören zu müssen. Wenngleich der 74-Jährige findet, dass „die jungen Leute mal ran sollen“, scheint ihm der politische Kurs, der sich nach der Kommunalwahl abzeichnet, ganz und gar nicht zu behagen. Dass es sogar die Linkspartei in den Rat geschafft hat, lässt den vierfachen Vater und zwölffachen Großvater den Kopf schütteln.

Das Herz des Landwirtes, der im Dezember 1967 als „Neubürger“ nach Freckenhorst zog, schlägt seit 40 Jahren für die CDU. Vorher, erzählt Finkenbrink, habe er für Politik keine Zeit gehabt. Hof und Kinder forderten die Finkenbrinks, für die „Langeweile“ bis heute ein Fremdwort ist. 1975 habe er seine Meisterprüfung abgelegt und seither viele junge Menschen auf seinem Hof ausbilden dürfen, blickt der Landwirt zurück.

Dass er und seine Frau 1980 der Ortsunion beitraten, sei Hildegard Deiter zu verdanken: „Sie war ein Aktivposten in der CDU, kam zu uns und fragte, ob wir nicht in die Partei eintreten wollten. Ich saß dann auch direkt für die CDU als sachkundiger Bürger im Bezirksausschuss, der 1969 unter Heinrich Wiechmann gegründet worden war.“ „Nach Feierabend“, sagt Finkenbrink, „war Zeit für die Politik, und nach dem Ausschuss bin ich sofort nach Hause gefahren, um liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen.“ Sein Credo sei immer „Erst die Familie, dann der Hof, dann das Ehrenamt“ gewesen.

Trotzdem war im Hause Finkenbrink in den vergangenen 40 Jahren häufig folgender Dialog zu vernehmen: „Na, Papa, wo wollt’ste hin?“ – „Politik!“ Er sei dankbar dafür, dass Ehefrau Anne und die Kinder Verständnis für sein politisches Engagement gehabt und ihm den Rücken immer frei gehalten hätten, sagt Finkenbrink.

1984 saß der Familienmensch erstmalig als sachkundiger Bürger im Bezirksausschuss Freckenhorst­Hoet­mar, dem er seitdem ohne Unterbrechung angehörte, in den vergangenen 16 Jahren als Vorsitzender.

Sein besonderes Steckenpferd seien stets die Wirtschaftswege gewesen: „Ich kenne alle Wirtschaftswege in Hoetmar und Freckenhorst und weiß sofort, wo die Glocken hängen.“

Ein wenig trauert Finkenbrink, der auch dem Bau- beziehungsweise UPV-Ausschuss angehört(e), der alten Wegebaukommission nach, die mit dem damaligen Baudirektor Heinrich Meyer einen ganzen Tag lang, Kaffeepause inklusive, Wirtschaftswege in Hoetmar und Freckenhorst in Augenschein zu nehmen pflegte.

Dass er dazu beigetragen hat, dass auf dem einstigen Brinkhausgelände an der Industriestraße heute keine schäbige Aldi-Scheune, sondern ein ins Umfeld passendes Gebäude steht, freut Finkenbrink ebenso wie der Radweg entlang der Westkirchener Straße, für den 16 Jahre lang gekämpft worden sei. Noch heute ist er dem damaligen Warendorfer Bürgermeister Theo Dickgreber und dem ehemaligen Landrat Dr. Wolfgang Kirsch dankbar für deren Bereitschaft, den Radweg vorzufinanzieren.

Stolz ist er auch auf den Poggenradweg, an dessen Verwirklichung er maßgeblich – auch mit Muskelkraft – , beteiligt war. Dass die Verkehrsberuhigung im Bereich Dreesstraße, Industriestraße an den Finanzen scheiterte und dass das Marktplatz-Pflaster immer noch nicht ausgetauscht ist, wurmt den langjährigen Vorsitzenden der Ortsunion Freckenhorst (1990 bis 1999) fast so sehr, wie es ihn immer noch freut, dass er den „schwierigen Wahlkreis 18“ (Kreuzkloster) stets direkt gewonnen hat.

Die Sorge, dass er, nachdem er sich bereits nach über 42 Jahren aus dem Kirchenvorstand zurückgezogen hat, mit dem Ausstieg aus der aktiven Politik in ein tiefes Loch fallen könnte, hat August Finkenbrink nicht. Sohn Matthias, der den elterlichen Hof übernommen hat, kann immer eine helfende Hand brauchen, und außerdem gibt es noch den einen oder anderen „Nebenjob“.

So ist August Finkenbrink unter anderem Mitglied im Orgelbauverein und im Kuratorium der Landvolkshochschule und zudem seit zwei Jahren Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Seniorengemeinschaft im Kreis Warendorf.

Und dann ist da noch die Flintruper Kapellengemeinschaft, die ihm sehr am Herzen liegt. „Da“, bemerkt er augenzwinkernd, „bin ich auch der Chef.“

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