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Tischlerei Friehe benötigt mehr Strom

Leitung ist individueller Hausanschluss

Freckenhorst/Warendorf

Damit die Tischlerei Friehe zwei neue Maschinen ans Stromnetz anschließen kann, muss ein neues Erdkabel verlegt werden. Die Stadtwerke fordern dafür 15.000 Euro. Der Grund: Es handele sich um einen individuellen Hausanschluss , der nicht der Allgemeinheit dient.

Von Ulrich Lieber

Tischlermeister Stefan Friehe hat seinen Betrieb erweitert und möchte nun zwei neue Maschinen ans Stromnetz anschließen, doch die Leitung ist nicht stark genug. Für den Anschluss hat er ein Angebot für 15 000 Euro von den Stadtwerken erhalten. Foto: Ulrich Lieber

Stefan Friehe hat seine Tischlerei in Freckenhorst erweitert. Nun sollen zwei neue Maschinen angeschafft werden, die aber deutlich mehr Strom benötigen. „Der Elektroanschluss ist zu klein, weil die Leitung in der Schlosserstraße nicht für so viel Strom ausgelegt ist“, erklärte der Tischlermeister bereits im Bezirksausschuss. Die Stadtwerke Warendorf hätten ihm angeboten, für 15.000 Euro ein Erdkabel zu verlegen, an das er seine Firma anschließen kann. „Die Infrastruktur in unserem Industriegebiet lässt zu wünschen übrig“, meint Friehe und erwartet eine bessere Grundversorgung.

Urs Reitis, Geschäftsführer der Stadtwerke

Das sehen die Stadtwerke ganz anders. „Die Leitungen, die dort verlegt sind, sind ganz normal ausgelegt. Es gibt Regelwerke mit Vorgaben, wenn ein solches Gebiet geplant wird. Würde man es heute neu planen, würde es ganz genauso gemacht“, erklärt Geschäftsführer Urs Reitis. Jeder Kunde erhalte die Anschlüsse, die er beantrage. Dass Stefan Friehe nun einen stärkeren Anschluss benötige, sei seine Entscheidung. „Er bekommt die Leistung, muss aber dafür bezahlen. Es handelt sich um einen individuellen Hausanschluss. Die Leistung, die er fordert, können wir aber mit der vorhandenen Leitung nicht zur Verfügung stellen.“ Im Vergleich zum normalen Netz und der bisherigen Versorgung sei die gewünschte Leistung rund vier Mal so hoch.

Stefan Friehe ist gerne bereit, für den Strom zu zahlen, aber er bemängelt, dass er auch für das Erdkabel, das rund 300 bis 400 Meter zum Trafohäuschen gezogen werden muss, bezahlen soll. „Ich finde das ungerecht. Ich bin der Meinung, dass die Stromversorgung für das Industriegebiet nicht ausreichend ist“, bemängelt der Tischlermeister. Er wünscht sich eine Förderung seitens der Stadt, des Kreises oder der Stadtwerke, um nicht alleine auf den Kosten sitzen zu bleiben.

„Der Anschluss ist ein Neuanschluss, den nur Herr Friehe nutzen kann“, verweist Urs Reitis darauf, dass es sich um Betriebsmittel für die Firma handele. Darum führe kein Weg daran vorbei, dass er diesen Anschluss auch bezahlen müsse. „Wir müssen uns an die geltenden Verordnungen halten. Wir können die Kosten nicht solidarisieren, denn letztlich will Herr Friehe ja damit Geld verdienen“, sagt Björn Güldenarm, Technischer Leiter der Stadtwerke, und verweist auf die Niederspannungsanschlussverordnung.

Stefan Friehe bemerkt, dass zukünftig auch andere Betriebe erhöhten Strombedarf haben könnten. So sei es doch denkbar, dass zum Beispiel die Raiffeisen-Tankstelle auch Ladestationen für E-Autos installieren werde. Ein Szenario, das auch die Stadtwerke im Blick haben. „Ladestationen bis elf KW sind kein Problem, darüber muss geprüft werden, ob das Netz es hergibt. Dann gibt es eventuell eine Netzverstärkung“, sagt Güldenarm.

Eine kleine Hoffnung bleibt am Ende aber doch noch für Stefan Friehe. „Für den Fall, dass sich ein weiterer Betrieb an die stärkere Leitung anschließt, bekommt Herr Friehe eine Rückzahlung“, erklärt Geschäftsführer Urs Reitis.

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