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Maren Vechtel möchte Ende August starten

Lust auf soziale Arbeit in den USA

Sassenberg

Am 23. August wird Maren Vechtel an der Camphill School in Philadelphia, USA, erwartet, um ihre freiwillige Arbeit aufzunehmen: Ein Jahr lang leben und lernen an einem Internat für Kinder und Jugendliche mit Behinderung.

Von Ulrike von Brevern

„Amerika, ich komme!“: Marion Vechtel denkt darüber nach, die signierte Amerika-Fahne, die sie von Mitarbeitern und Gästen des Jugendzentrums zum Abschied bekommen hat, mitzunehmen zu ihrem Auslandsjahr in Philadelphia an der US-Ostküste – wenn es wirklich losgeht... Foto: Ulrike von Brevern

So richtig abenteuerlustig ist Maren Vechtel eigentlich nicht, eher im Gegenteil. Sie hat die Dinge gerne etwas planbar und ja: „Ich bin ein bisschen ängstlich“, gibt sie unumwunden zu. Trotzdem startet die fertig ausgebildete Erzieherin jetzt ins große Abenteuer: Am 23. August wird sie an der Camphill School in Philadelphia, USA, erwartet, um ihre freiwillige Arbeit aufzunehmen: Ein Jahr lang leben und lernen an einem Internat für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. Dazu ein begleitendes Studium an der örtlichen Akademie, die verschiedene Abschlüsse im sozialen Bereich anbietet.

Maren Vechtel

Organisiert ist das Jahr über einen deutschen Verein, der dem Gedanken der Waldorf-Pädagogik nahe steht. Das hat Maren fasziniert: „Dieser Bereich ist in meiner Ausbildung theoretisch geblieben“, erzählt sie, „da kann ich noch Praxis brauchen.“

Die 24-Jährige hat soeben ihre praxisintegrierte Ausbildung (PIA) zur Erzieherin abgeschlossen. Nach Abitur und Freiwilligem Sozialen Jahr im Johanneskindergarten wollte sie eigentlich Soziale Arbeit studieren. Als das an formalen Hürden scheiterte, nahm sie das Angebot an, drei Jahre lang als PIA im Sassenberger Jugendzentrum und einer Fachschule in Rheda-Wiedenbrück zu lernen. „Vorher war ich nur in Kitas und konnte mir die Arbeit im Jugendzentrum gar nicht für mich vorstellen“, erinnert sie sich. „Das ist eine ganz andere Beziehungsarbeit als in der Kita. Kinder kommen ganz schnell auf dich zu. Auf Jugendliche musst du eher zugehen. Das passte nicht so zu mir.“ Doch Stadtjugendpfleger Dirk Ackermann belehrte sie etwas Besseren und dafür ist sie ihm dankbar: „Ich bin jetzt selbstbewusster und lockerer geworden.“ Und so hat sie auch den Mut in Philadelphia eine weitere Ebenen ihres angestrebten Berufsfelds ausloten, ehe sie endgültig in den Job startet oder vielleicht doch noch studiert.

Dass sie einmal längere Zeit ins Ausland gehen wollte, stand für Maren Vechtel schon lange fest. „Ich reise gerne, aber im Urlaub kommst du nie so richtig in das Leben dort rein“. Andererseits: „Work and Travel wäre auch nichts für mich“, sagt sie lachend, da fehle ihr Sicherheit. Als die Entscheidung für die Waldorf-Pädagogik gefallen war, vertrauten sie den Vermittlern der „Freunde der Erziehung Rudolf Steiners“, auch wenn das unter anderem das Aus für einen Job in Afrika bedeutete: „Die Dame sagte mir: ‚Ihnen muss bewusst sein, in Afrika sind sie kein freier Mensch‘“, erzählt sie und so wurde es also Philadelphia. Ihr gefiel die familiäre Atmosphäre, die sie in zwei Zoom-Konferenzen mit den Verantwortlichen dort kennenlernte, und das breite Spektrum der Möglichkeiten die ihre künftigen Schützlinge in ihrer Schule haben.

Sorgen muss sie sich allerdings noch um den Start machen: Durch Corona hat sich die Ausstellung des Visums stark verzögert. Obwohl sie schon im Frühjahr um einen Termin bat, kann sie erst in zwei Wochen bei der US-Botschaft vorsprechen. Wann und ob sie fliegt, ist damit derzeit noch offen.

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