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Wanderserie des Heimatvereins

Lyrischer Abendspaziergang

Warendorf

Im heutigen Teil der Wanderserie des Heimatvereins geht es um einen lyrischen Abendspaziergang.

Norbert Funken

Ein lyrischer Abendspaziergang macht gerade im Sommer besonderen Spaß. Es ist noch warm und hell, so dass der Wanderer eine Menge erleben und erfahren kann. Foto: Norbert Funken

Die Temperaturen steigen, die Abende werden heller: Es kommen die schönen Stunden für ruhige Abendspaziergänge „in der Dämm‘rung Hülle“ (M. Claudius). Und den Wanderer begleiten die alten Verse, in denen die Dichter ihre abendlichen Empfindungen in Worte gefasst haben, die unvergänglich sind.

Die kleine gut einstündige Wanderung beginnt am Wegkreuz auf dem Alten Münsterweg in der Nähe des Hofes Austermann (Eingabe fürs Navi: Neuwarendorf 24) und führt zunächst hinter einer Schranke nach Norden Richtung Ems, am Ende dann nach links zum Hof Afhüppe. Vor der Hofstelle geht es rechts ab über einen Sandweg an Hochsitzen vorbei zum Waldrand, hinter dem sich ein alter Emsarm versteckt. Ein Schild weist auf das Naturschutzgebiet hin, das sich um die Baggerseen erstreckt. Für den Wanderer geht der Weg nach links an einem brachliegenden Feld vorbei bis zur Ems weiter.

Hier beginnt nach links ein Pfad, der ganz besondere Eindrücke verschafft: sehr schmal, dass er gerade einer Person Platz bietet, lässt er zur einen Seite freie Sicht über die jungen Maispflanzen bis zu den mächtigen Eichen am Horizont und auf der anderen wird der Wanderer „von des Krautes Aroma umhaucht“ (Droste Hülshoff), das von einer Hecke aus Holunder und Liguster ausströmt. Einen letzten Frühlingsgruß senden aus dem dichten Grün des Uferbewuchses die rosafarbenen Blüten der Wildrosen.

Zwischen den Büschen findet sich immer ein Platz, an dem man in der „dunkelblauen Schwüle“ der Dämmerung, „ sinnend nach des Tags Gewühle“ (Eichendorff), den Tag überdenken und die Ruhe genießen kann.

Am Ende des Pfades stößt man auf einen breiten Feldweg, dem man nach Süden auf einen Funkturm zu folgt. Zur Linken liegt ein großes Feld mit jungen Pflanzen, wie man sie häufig in Vorgärten findet: vornehmlich Kirschlorbeer, Liguster und Eiben, „sanft wiegen die Ähren“ (Eichendorff) eines Roggenfeldes zur Rechten. Nach einer Links-, Rechtswendung geht es weiter auf den Hof Afhüppe zu. Vier Generationen, der Großvater ist 96 Jahre alt, wohnen hier. Von der Ackerfläche, insgesamt 120 ha, wird die Hälfte für den Maisanbau bewirtschaftet. Der Körnermais ist für die Schweine bestimmt, die andere Sorte ist als Grünpflanze wichtig und dient zur Silage für die Bullenmast, so die Auskunft des freundlichen Jungbauern. Vor dem Hof geht es nach rechts und nach den Strohballen nach links zum Alten Münsterweg. Leider muss man jetzt ein Stück Asphalt bis zum Kreuz am Baggersee in Kauf nehmen, auch wenn die ein oder andere Karte (oder die Wander-App) andere Möglichkeiten anbieten: Ein Feldweg lässt sich schnell umpflügen, ein Waldpfad ist schnell zugewachsen.

Die Dämmerung, der „leise Bote der Nacht“ (Droste Hülshoff), bietet ein besonderes Wandererlebnis. Dichter haben es so empfunden, warum sollen wir uns das entgehen lassen?

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