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Warendorf

Mahnung und Erinnerung

Wibke Niemeyer

Warendorf - Der 9. November ist ein gängiges Datum in den Geschichtsbüchern und Lexika: Am 9. November 1918 ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Reichstagsgebäude aus die deutsche Republik aus. Am 9. November 1938 wird in der so genannten „Reichskristallnacht“ erstmals mit offener Gewalt gegen Juden vorgegangen. Am 9. November 1989 fällt in Berlin die Mauer.

Juden wurden überall verfolgt: Auch in Warendorf. Auch hier sind Menschen jüdischen Glaubens aufgewachsen, gingen zur Schule, wohnten hier, hatten eine Familie. Der verstorbene Ehrenbürger der Stadt Warendorf und Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, ist wohl das beste Beispiel.

Anlässlich des Jahrestages der „Reichskristallnacht“ fand jetzt in der Eingangshalle des Mariengymnasiums eine Gedenkstunde statt. Bei einer ähnlichen Veranstaltung der Schule am 9. November 2008 kam der Gedanke auf, die Namen der acht ehemaligen jüdischen Schülerinnen der Marienschule und ihrer Vorgängerinnen zu gedenken, indem ihre Namen als Mahnung und Erinnerung auf einer Gedenktafel in der Schule festgehalten werden.

Zwischenzeitlich brachten Nachforschungen weitere Einzelheiten über die ehemaligen jüdischen Schülerinnen und ihre Familien ans Tageslicht. So bildete sich in der Fachschaft Geschichte ein Arbeitskreis, dem sich auch einige Schüler sowie weitere Mitglieder des Lehrerkollegiums anschlossen.

In einer Feierstunde wurde nun die Tafel der Öffentlichkeit übergeben. „Was hat das mit unserer Schule zu tun?“ könnte man fragen. Und ein Lehrer gibt auch gleich die Antwort: „Eine ganze Menge.“ Bertha Dessauer, Emmy Elsberg, Selma Elsberg, Jenny Hertz, Emma Leffmann, Elly Lehmann, Henriette Raphael und Ella Spiegel, eine enge Verwandte des im Jahre 2006 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, besuchten in Warendorf die Schule. Sie wurden nach Theresienstadt, Auschwitz, Riga und Lodz deportiert und dort ermordet.

„Die Ereignisse von damals werden Geschichte. Doch wir wollen bewusst an das Leben und das Schicksal der Menschen erinnern“, so die Initiatoren der Gedenktafel.

Vier Schülerinnen berichteten über das ehemalige jüdische Leben in Warendorf. Sie stellten zudem alle acht ermordeten Schülerinnen und ihre Familien kurz vor. Für jede der acht ermordeten Schülerinnen wurde eine Kerze angezündet und vor die Gedenktafel gestellt.

Abschließend trug eine Schülerin eigene Gedanken zum Thema vor: „Zittern. Erschüttern. Schrecken. Abscheu. Wer spürt das nicht, wenn er von den abscheulichen Gräueltaten der Nationalsozialisten hört? Dies ist Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die wie ein dunkler schwarzer Fleck auf Deutschland liegt. Es darf kein zweites Mal zu so einem Terror kommen. Dies zu verhindern, gilt für jeden von uns.“

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