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Digitales Training beim Tanzsportclub

„Man fühlt sich wie eine Solotänzerin“

warendorf

Für den Tanzsport geht mit der Coronapandemie äußerst wenig: Die WN sprachen mit Vertreterinnen der Tanzgruppe „Reset“ des TSC Warendorf. Immer wieder neue Motivation zu finden ist weder für die Trainerinnen noch für die Tänzerinnen der Gruppe einfach.

Rebecca Lek

Gemeinsam tanzen die Mädels als Transgruppe „Reset“ beim TSC Warendorf. Foto: Christian Winterfieldt

Thomas Niederreuter sagte einst „Der Tanz ist das stärkste Ausdrucksmittel der menschlichen Seele“. Wie sähe hier dann eine Choreographie nach einem Jahr Pandemie aus, die den Zustand der menschlichen Seele beschreibt?

Zumindest die Tanzgruppe „Reset“ vom Tanzsportclub Warendorf (TSC) steckt den Kopf nicht in den Sand und fiebert dem Training entgegen. Derzeit besteht die Gruppe aus 14 Tänzerinnen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren. Dabei haben sie ein großes Einzugsgebiet: die Mädchen kommen nicht nur aus Warendorf sondern teilweise auch aus Münster und Oelde. Rebecca Franz trainiert „Reset“ jetzt seit 2018 in der Tanzrichtung Jazz, Modern Contemporary. „ Generell ist der Tanzstil ziemlich frei, klassische Elemente aus dem Ballet werden mit neueren ausdrucksstarken Bewegungen verbunden. Es wird viel unten am Boden getanzt oder durch die Luft gesprungen“, beschreibt die gelernte Modedesignerin die Choreographien. Aber auch gymnastische Übungen und Hebefiguren bilden einen festen Bestandteil. „Die Technik ist sehr wichtig und meiner Meinung auch das schwierigste daran, weshalb es gar nicht so leicht ist eine starke Mannschaft zu werden die ganz oben mitspielen kann“, beschreibt die 26-Jährige weiter.

Jede Gruppe findet den eigenen Stil.

Für sie findet jede Gruppe und jeder Verein den ganz eigenen Stil, mit dem sie an Turnieren, die dem Ligaprinzip unterliegen, teilnehmen. Zwischen sechs und zwölf Tänzerinnen dürfen sich gleichzeitig auf der Fläche bewegen und die Choreographie präsentieren – diese muss zwischen drei und viereinhalb Minuten lang sein darf. Ein solcher Auftritt bedarf auch Vorbereitungszeit. Wer denkt, ein bisschen im Takt hüpfen reicht aus, irrt sich. Begonnen wird jedes Training mit Aufwärmen, Krafttraining und Technikübungen. „Erst nach etwa einer Stunde beginnen wir mit unserer Choreographie, lernen neue Schritte, bessern sie aus und üben Hebefiguren“, beschreibt Tänzerin Viktoria Kurlovich eine typische Trainingseinheit. Mit dem ersten Lockdown fielen diese weg. Am Anfang dachte Rebecca Franz noch, dass es sich nur um ein kurzes Intervall handeln wird, wo kein Training stattfinden darf. Eine Online-Strategie hielt sie zu diesem Zeitpunkt als übertrieben.

Kleine Einzelchoreographien

„Mittlerweile wurde ich eines besseren belehrt“, gesteht die Tanzlehrerin lachend. Kleine Aufgaben standen nun für die Mädchen bereit. So entwickelten die Mädels gemeinsam auch eine eigene Choreographie. „Jeder Tänzerin wurde ein bestimmter Teil eines Liedes zugewiesen zu dem diejenige sich eigene Schritte erarbeiten sollte“, beschreibt Franz.

Wirklich ersetzt hat das das richtige Training allerdings nicht. „Wir haben lange gar nicht trainieren dürfen und dann ab Anfang Juni langsam wieder mit Abstand gestartet“, beschreibt An-Christin Heßling, betont aber auch, dass die Umsetzung beim Tanzen eigentlich fast unmöglich ist. Das Training durfte nur unter strengen Hygieneauflagen wieder aufgenommen werden. Vor und nach dem Training mussten die Hände desinfiziert werden und die Halle durfte nur mit einer Maske betreten werden. „In der Halle hatte jeder einen abgetrennten Bereich in dem er sich ohne Maske bewegen konnte “, erinnert sich Marlena Westhoff. Auch wenn damit das Training komplett anders ablief, waren alle froh, überhaupt wieder gemeinsam als Gruppe tanzen zu können. „Unsere Tanzkästchen waren eine wirklich gute Lösung. Es war komisch für alle, sich nicht „frei“ wie sonst bewegen zu dürfen und die Maske jedes Mal aufzusetzen sobald man das Kästchen verlassen hat“, meint Franz.

Sie musste das Training unter begrenzten Platz konzipieren. „Als klar war, dass die Turniere nicht mehr stattfinden werden, haben wir uns auf andere Sachen wie Verbesserung von Drehungen oder Technik konzentriert“, beschreibt Heßling das Training unter Pandemiebestimmungen.

Ob Turniere noch in diesem Jahr wirklich stattfinden können ist fraglich. „Ohne Training mit allen zusammen in der Halle können wir uns schlecht auf Turniere vorbereiten“, zeigt sich Linda Grawe skeptisch.

Seit dem zweiten Lockdown findet nämlich alles wieder via Zoom statt. Schwerpunkt kann jedoch nur die Fitness der Mädchen sein, da der Platz für die Choreographien in den meisten Fällen nicht ausreichend ist „Das ist vor allem für unsere Tanzrichtung schwierig, weil diese normalerweise viel Platz in Anspruch nehmen“, beschreibt Marlena Westhoff. Ein weiteres Problem ist schlichtweg das Internet. Oft läuft es nicht rund, weil die Tänzerinnen zeitversetzt tanzen oder die Verbindung ganz abbricht. „Online ist es einfach nicht das gleiche, wie persönlich in der Halle“, betont Heßling. Ihr fehlt die Motivation durch die Freunde. „Man fühlt sich eher wie eine Solo Tänzerin und nicht wie ein Team“. Das gegenseitige Lernen und Helfen kann Online kaum realisiert werden. „Für mich ist es unglaublich schwer kreativ und motiviert zu bleiben“, gesteht Trainerin Rebecca Franz. Ihr fehlen die Eindrücke und Erlebnisse, um etwas Neues entwickeln zu können. „Uns allen fehlt das richtige gemeinsame Training. Mir ist ganz egal wie, ich will dass alle dranbleiben und nicht aufgeben, Teil der Gruppe bleiben und ihren Spaß nicht verlieren“, zeigt sich die Trainerin optimistisch und hofft darauf, dass Lockerungen bald Realität werden.

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