1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. „Man schätzt unsere Arbeit wert“

  8. >

Pflegeberuf ist abwechslungsreich und erfüllend

„Man schätzt unsere Arbeit wert“

Freckenhorst

Der Pflegeberuf ist sehr wichtig und wird in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. Am „Tag der Pflege“ am 12. Mai sprachen vier Fachpflegekräfte, die im Seniorenheim „Kloster zum Heiligen Kreuz“ arbeiten, über diesen Beruf, der viel verlangt, aber auch viel zurückgibt.

Von Ulrich Lieber

Sie alle üben den Beruf der Pflegefachkraft aus und lieben ihre Arbeit (v.l.): Merve Dimdik, Theresa Rawert, Anja Amsbeck und Jürgen Neusel. Am „Tag der Pflege“ am 12. Mai sprachen sie über ihren wichtigen Beruf, der in Zukunft immer gefragter werden wird. Foto: Ulrich Lieber

Theresa Rawert zeigt auf den großen Monitor und startet das Spiel Tic, Tac, Toe. Michael Wilken, Bewohner im Seniorenheim „Kloster zum Heiligen Kreuz“, freut sich über die willkommene Abwechslung und setzt das erste Kreuz. Es geht hin und her, und am Ende gewinnt Theresa Rawert. Sie absolviert derzeit ein duales Studium und lernt im Seniorenheim, welche Aufgaben eine Krankenpflegerin hat.

Theresa Rawert, duale Studentin

„Ich war mir unsicher, was ich beruflich machen soll. Aber es sollte etwas mit Menschen sein“, sagt Theresa Rawert. Aber sie wollte auch studieren. Da ihre Mutter im Freckenhorster Seniorenheim arbeitet, kam sie auf die Idee, zunächst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) hier zu absolvieren. Im August 2019 startete sie im Wohnbereich Klara. „Ich war morgens bis 10 Uhr in der Pflege tätig, und dann bis mittags in der Betreuung“, berichtet sie.

Das FSJ gefiel Theresa so gut, dass sie ein weiteres Jahr als Pflegeassistenz anhängte und nun ausschließlich in der Pflege arbeitete. „Ich habe in diesem Jahr viele Erfahrungen gesammelt, viel gelernt und Hilfe bekommen“, ist sie sehr dankbar. Und dann stieß sie auf das duale Studium und die Möglichkeit, beides parallel zu meistern. „Ich bin durch eine Freundin auf die Internationale Hochschule in Münster aufmerksam geworden“, sagt Theresa Rawert. Doch zunächst war dies im „Kloster zum Heiligen Kreuz“ nicht möglich, so dass sie ihr erstes Semester in der Seniorenresidenz in Ennigerloh verbrachte. „Aber dann wurde hier was frei“, freut sie sich, denn sie fühlt sich wohl im Team. „Ich bleibe sieben Semester, also 3,5 Jahre, bis März 2025“, erklärt die Studentin, die dann ihren Abschluss „Bachelor of Art“ schaffen möchte. Nach dem Examen wäre sie staatlich anerkannte Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin.

Merve Dimdik, Pflegefachkraft

„Die größte Herausforderung ist es, Theorie und Praxis miteinander zu verknüpfen. Das ist nicht immer einfach“, gesteht sie. Fachmännische Hilfe erhält sie dabei von ihrer Praxisanleiterin Jutta Dohmeier und von Jutta Farwick, Leiterin des sozialen Dienstes. „Ich bringe auch eigene Ideen mit ein und freue mich über die positive Resonanz von den Bewohnern.“

Einen anderen Ausbildungsweg ist Merve Dimdik gegangen, die seit eineinhalb Jahre als feste Pflegefachkraft im Kloster arbeitet. Zuvor hat sie eine dreijährige Ausbildung durchlaufen. „Ich habe zuvor ein dreiwöchiges Praktikum im Kloster absolviert und mich dann schnell entschieden“, erinnert sie sich. „Ich wollte schon immer mit Menschen arbeiten, ihnen helfen und im Team arbeiten.“ Das alles findet sie in idealer Kombination im Beruf der Pflegefachkraft

Die Ausbildung läuft über drei Jahre und ist in verschiedene Blöcke unterteilt. Im Wechsel war sie zwei bis drei Monate in der Schule in Münster und dann wieder zwei bis drei Monate im Seniorenheim. „Ich hatte verschiedene Einsätze, auch mal in der Tagespflege. So konnte ich sehr viel lernen, aber es war auch anstrengend“, berichtet Merve Dimdik. Die größte Herausforderung sei die körperliche Belastung. Nach der Abschlussprüfung ist sie nun seit eineinhalb Jahren staatlich anerkannte Fachpflegerin und wurde direkt übernommen. „Ich bin hier sehr zufrieden.“

Jürgen Neusel, Fachpflegekraft

Der Pflegeberuf ist eine Frauendomäne, das ist auch im Seniorenheim „Kloster zum Heiligen Kreuz“ so. Bei 105 Angestellten gibt es nur drei Männer und zwei männliche Azubis. Einer, der schon seit April 1999 hier ist, ist Jürgen Neusel. Der 54-Jährige bestätigt, dass die Arbeit auch körperlich herausfordernd ist und würde sich freuen, wenn mehr Männer diesen Beruf ergreifen. „In jedem Team ein Mann, das wäre gut und das gefällt auch den Bewohnern“, sagt er. Gerade die Männer würden es sehr genießen, sich auch mal mit einer männlichen Pflegekraft auszutauschen.

Dabei war Jürgen Neusel ursprünglich im kaufmännischen Bereich aktiv. Durch den Zivildienst Anfang der 90er Jahre hatte er erstmals Kontakt zum Pflegebereich. „Das hat mir gut gefallen, aber ich wollte damals noch kein Altenpfleger werden.“ Er arbeitete also wieder im Büro und merkte irgendwann, dass es das nicht ist. „Damals waren im Marienheim in Warendorf Nonnen, und die wollten, dass ich Altenpfleger werden. Sie haben mich unterstützt“, sagt Jürgen Neusel. Damals habe es eine zweijährige Ausbildung und anschließend ein Anerkennungsjahr gegeben. „Ich habe anfangs in der häuslichen Pflege gearbeitet. Das war schön, aber man musste zeitlich sehr flexibel sein.“ Nun ist er schon seit 23 Jahren im Seniorenheim „Kloster zum Heiligen Kreuz“.

Anja Amsbeck ist Praxisanleiterin und Wohnbereichsleiterin. Ihre Anfänge liegen auch im Warendorfer Malteser Marienheim, in dem sie als 16-Jährige Sonntagsdienste übernahm. „Ich bin dann in der Altenpflege hängengeblieben, denn ich fand es spannend, verschiedene Menschen kennenzulernen.“ In Freckenhorst nutzte sie die Chance, sich fortzubilden und schließlich als Praxisanleiterin die Ausbildung neuer Pflegefachkräfte zu übernehmen. „Der Beruf bietet Aufstiegschancen in verschiedenen Bereichen“, versichert Anja Amsbeck. „Man schätzt unsere Arbeit wert“, freut sich Anja Amsbeck, die – wie alle im Kloster – auf Teamarbeit setzt. „Lob im Team ist dabei auch sehr wichtig“, weiß sie. Die Stimmung, das versichern alle Pflegekräfte mit einem Lächeln im Gesicht, sei ohnehin sehr gut. „Das merken auch die Bewohnerinnen und Bewohner.“

Der Beruf der Pflegefachkraft wird in Zukunft immer wichtiger und immer gefragter werden. „Ich kann den Beruf auch Männern empfehlen“, sagt Jürgen Neusel. Und alle versichern, dass die Arbeit sehr viel Spaß bereitet und jede Anstrengung wert ist, denn die Bewohner seien sehr dankbar.

Startseite
ANZEIGE