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Meilenstein im Bestattungswesen

Huerkamp baut das erste klimaneutrale Abschieds- und Bestattungshaus in NRW

Warendorf

Das erste klimaneutrale Abschieds- und Bestattungshaus in NRW entsteht derzeit in Beckum und wird von Martin Huerkamp aus Warendorf in Kooperation mit dem Beckumer Bestattungshaus Stutenbäumer gebaut.

Von Joe Rieder

Foto: Joe Rieder

Was zurzeit in Beckum entsteht wird, da ist sich Martin Huerkamp sicher, das erste klimaneutrale Abschieds- und Bestattungshaus in NRW sein – und möglicherweise in ganz Deutschland. „Wir wissen von keinem anderen“, sagt der Bestattermeister, der dieses Haus in Kooperation mit dem Beckumer Bestattungshaus Stutenbäumer baut.

Komplett aus nachhaltigem Holz aus der Region gefertigt, bietet bereits das Grundgerüst mit seinen lichtdurchfluteten Gängen, den hohen Decken, den warmen naturnahen Tönen und Gerüchen eine gewisse Wärme. Sowohl im Hinblick auf die Temperatur – wie auch atmosphärisch. Der mineralische Putz ist ebenfalls natürlichen Ursprungs.

Für Kenner: Es ist ein Effizienzhaus „40EE“. „Mehr geht nicht, was die Innen- und Außendämmung, die Fenster, die Türen, das Dach und vieles mehr angeht“, erläutert Huerkamp. Ein 77 Quadratmeter großes Gründach, Erdwärme, eine Photovoltaikanlage und entsprechende Speichermöglichkeiten ergänzen das Baukonzept. „Wir haben bestimmte Ansprüche an Kälte und Klimatisierung“, unterstreicht der Bestatter, der das Haus als Teil einer immer stärker um sich greifenden Herangehensweise zum Thema Nachhaltigkeit sieht. „Was für uns wichtig ist, ist dass wir hier nicht aufhören“, betont er. „Mit unserem neuen, nachhaltigen Konzept gehen wir noch weiter: Wir lassen unsere Särge und Urnen selber bauen. Aus nachhaltig gewachsenem Baumbestand aus dem Münsterland.“

„Ich fahre selber in den Wald und wähle Bäume aus“, erzählt Huerkamp, der mit Stolz darauf verweist, dass weder die Rohwaren, noch die fertigen Produkte aus Übersee oder Osteuropa stammen. Das Ergebnis sind beispielsweise Särge ohne Metallbeschläge, die komplett vergehen oder ohne weitere Behandlung kremiert werden können. Während früher die Verstorbenen auf synthetischen Decken und Kissen ruhten, besteht heute die Innenausstattung ebenfalls aus komplett vergänglichen Materialien. Auch Urnen werden, sofern auf bestimmten Bestattungsfeldern nicht schon vorgeschrieben, immer öfter aus langfristig zerfallenden Materialien gefertigt. Urnen aus Bio-Lehm sind eine weitere Variante.

Der Gedanke der Nachhaltigkeit – gerade wenn es um das eigentliche Thema der Vergänglichkeit geht – stehe schon seit langem auf der Agenda. Auch das Gebäude in Warendorf ist mit Erdwärme ausgerüstet und verfügt über eine PV-Anlage, die zwei E-Ladesäulen speist. Das Stammhaus in Hoetmar speist sieben solcher Ladesäulen per Photovoltaik, und der Fuhrpark wurde ebenfalls angepasst.

Nach der für Anfang 2022 geplanten Fertigstellung des rund 400 000 Euro teuren Projekts wird das klimaneutrale Haus in Beckum über drei Abschiedsräume, einen Hygieneraum für die Versorgung der Verstorbenen, einen Kühlraum, ein Büro, einen Raum für Geistliche und Redner, sowie notwendige Lager- und Nebenräume verfügen. In der sogenannten Deele wird es die Möglichkeit für kleinere Abschieds- beziehungsweise Trauerfeiern und Wortgottesdienste geben. Die für die Besucher zugänglichen Bereiche sind ausnahmslos barrierefrei gestaltet.

„Was hier entsteht“, bekräftigen Zimmermann Stutenbäumer und Bestatter Huerkamp, „ist nicht gewöhnlich. Es ist ein Meilenstein!“

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