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Chagall-Ausstellung in der Christuskirche

Mit Traumbildern eigene Realität geschaffen

Warendorf

Als Geschenk bezeichnete Kunstvermittler Christian Heeck die umfangreiche Chagall-Ausstellung in der Christuskirche. Sein Vortrag bot dem Publikum einen Einblick in das Werk des bekannten Malers.

Zu den Bildern, die Referent Christian Heeck (r.) in der von Pfarrer Herwig Behring (l.) initiierten Ausstellung besonders beeindruckten, gehörte „Mose – Das Volk tanzt vor dem Goldenen Kalb“, das 1956 in Paris entstand. Foto: Ulrike von Brevern

Während draußen das Heimatfest rund um Mariä Himmelfahrt Menschen zu Bögen und Kirmes lockte, wartete die evangelische Gemeinde in der Christuskirche mit einem Kontrastprogramm auf. Nach dem gut besuchten Konzert des schwedischen Orgelsolisten Gustav Jannert füllte am Sonntagnachmittag der Maler und Kunstvermittler Christian Heeck die Kirche mit einer Einführung in das Werk Chagalls. Noch bis zum 23. September zeigt die Gemeinde in der Christuskirche und der Friedenskapelle in Ostenfelde knapp 70 Werke des Expressionisten aus dem Besitz der Sammlerin Christa Kraemer.

Bereits zum dritten Mal sind Radierungen und Lithographien aus der Sammlung in der Gemeinde zu sehen, zum zweiten Mal sind es ausschließlich Bilder zur Bibel. „Ein Geschenk!“, so Christian Heeck, als er die umfangreiche Ausstellung zum ersten Mal in Augenschein nimmt.

Faszinierende Farbgebung

Jedes Werk erzählt eine biblische Geschichte. Heeck begeistert sich für die lebendige und faszinierende Farbgebung Chagalls, die etwa eine Mose-Darstellung schier ins Auge springen lässt. Mit wenigen Strichen scheint die Geschichte schnell erzählt, doch Heeck weiß, wie viel Mühe und Vorarbeiten des Künstlers in dieser Leichtigkeit stecken.

Der im russischen Kaiserreich geborene und 1985 im Alter von 97 Jahren in Paris gestorbene Maler habe bis ins hohe Alter „pausenlos“ gearbeitet. Als Kind chassidischer Juden kannte er die Bibelgeschichten von Kindesbeinen an, doch aufgrund des dort herrschenden Bilderverbots habe er für die Darstellungen kein Vorbild gehabt. „Das ist aus dem Nichts entstanden“, sagt Heeck, „aus dem Erinnern und einem Credo: der Liebe.“ Chagall habe mit Traumbildern seine eigene Realität geschaffen. Dabei sei er nicht nur poetischer Maler, sondern auch Botschafter und Vermittler in Sachen Religion.

Vortrag mit Anekdoten gespickt

Heeck ist ein kurzweiliger Chagall-Erklärer. Sein breites Wissen zu Werk, Zeit und Motivation bringt er locker an sein Publikum, gelegentlich gespickt mit Anekdoten. Und dennoch ist er überzeugt: „Chagalls Bilder muss man nicht erklären, man darf sie empfinden.“

Am kommenden Sonntag (28. August) erklingt im Rahmen der Ausstellung alte und neue Musik für Violine und Flöte sowie Texte von und über Chagall (Beginn 17 Uhr). Am 1. September (Donnerstag) sind dann neue Bilder in der Christuskirche zu sehen, denn zwischen den beiden Ausstellungsorten werden die Werke einmal getauscht. Öffnungszeit der Ausstellung ist jeweils donnerstags von 17 bis 20 Uhr, samstags von 10 bis 12.30 Uhr sowie sonntags von 15 von 17 Uhr und unmittelbar im Anschluss an die Gottesdienste. Führungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich.

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