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„Summerwinds“-Quintett Carion in Klosterkirche

Musik voller Leben und Bewegung

Warendorf

Carion“ geben keine Konzerte. „Kammermusik-Performer“ werden sie auch genannt. Sie zelebrieren ihre Auftritte fernab der üblichen Kammermusikkonzerte mit Notenständern und Stühlen.

Von Beate Trautner

Agil und anders: das Quintett Carion mit Dóra Serres (Flöte), Foto: Beate Trautner

„Musik ist Leben: sobald eine einzelne Note in der Luft oder im Raum erklingt, ist sie das Resultat von Leben und Bewegung“, philosophierte der dänischer Komponist und Dirigent Carl Nielsen einst. Wie recht er hatte. Dabei gab es das dänisch-lettische Quintett Carion doch damals noch gar nicht. „Eine Musik voller Leben und Bewegung“, würde Nielsen heute über die Ausnahmemusiker sagen.

Carion gastierte innerhalb des Internationalen Holzbläser Festivals „Summerwinds Münsterland“ am Freitag Abend in der, bis auf den letzten Platz besetzten Klosterkirche in Warendorf. Es ist nicht das erste Mal, dass „Summerwinds Münsterland“ in der Klosterkirche zu Gast ist“ freut sich Kai Horstmann. „Der Ort ist ein wunderbares Privileg”, greift Intendantin Dr. Susanne Schulte den Faden auf.

Summerwinds Münsterland ist das einzige Festival, das die Holzbläser in den Fokus stellt. Das Quintett Carion ist zum wiederholten Male mit dabei. Ungewöhnlich genug ist schon der Titel ihres Programms: „CPH22 – Kopenhagen 2022“.

Intendantin Dr. Susanne Schulte

CPH22, das ist der Code des Kopenhagener Flughafens und von dort aus geht es für das Quintett in die Ganze Welt. Und als Dóra Serres mit der Flöte, Egils Upatnieks an der Oboe, Egīls Šēfers mit der Klarinette, David M.A.P. Palmquist am Horn und Niels Anders Vedsten Larsen mit dem Fagott zu spielen beginnen, ist auch sofort klar, warum. Bei den fünf Musikern ist absolut alles ungewöhnlich. Was sie spielen und ebenso wie sie spielen und auf welche Weise sie sich dem Publikum präsentieren, erzeugt bei ihm ein ganz neues Hören und Erleben.

„Kammermusik-Performer“ werden sie zu recht genannt, denn sie zelebrieren ihre Auftritte fernab der üblichen Kammermusikkonzerte mit Notenständern und Stühlen.

Zu Beginn performen sie „Sechs Bagatellen für Bläserquintett von György Ligeti“ und beginnen auch sogleich mit ihren ausgeklügelten Choreografien, die sie der Musik als raumgreifendes, theatralisches Element zur Seite stellen.

Mucksmäuschenstill und mit staunenden Augen sitzen die Besucher da, als könnten sie nicht glauben, was dort auf der Bühne passiert. Unglaublich aber wahr und bombastisch Minimalistisch, geht es mit „In C“ des US-amerikanischen Komponisten und Pianisten Terry Riley weiter. Riley gilt als Erfinder der Minimal Music, also Kompositionen, die nur aus wenigen Tönen bestehen. „Bei „In C“ gibt es 53 Module über dem C“, versucht Niels Anders Vedsten Larsen dem Publikum zu erklären. Was Carion dann aber daraus machte, erfüllte die gesamte Klosterkapelle mit einem „Sirren“, dass einem der Atem wegblieb. Ein frenetischer Applaus war die Belohnung.

frenetischer Applaus zur Belohnung

Auch aus Stravinskys „Suite für kleines Orchester Nr. 2“, David M.A.P Palmquist‘s „Ich träumte einen Traum“ - eine farbige Fantasie auf alte dänische Volksweisen und Carl Nielsen*s „Quintett op. 43“, zauberten Carion etwas ganz eigenes und spektakulär minmlaistisch bombastisches auf die Bühne.

Carion sorgen nicht nur für „frischen Wind“. Sie gehen ganz neue Wege und überschreiten dabei gewollt die Grenzen ihres Genres.

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