1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. Ökologischer Fußabdruck zu groß

  8. >

Interview mit Thomas Lins

Ökologischer Fußabdruck zu groß

Warendorf

Wie jeder Einzelne zur Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks beitragen kann, verrät Thomas Lins, Vorsitzender des Regionalverbandes des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) im Gespräch mit WN-Redakteurin Joke Brocker.

wn

Möglichst viel und weit zu reisen – das bedeutet für viele Menschen Mobilität. Flugreisen sorgen aber für einen großen ökologischen Fußabdruck, wie Thomas Lins (kleines Foto) zu bedenken gibt. Foto: dpa (1) / WN-Archiv (1)

Der heutige Verkehr ist laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zu circa 95 Prozent von fossilen Brennstoffen abhängig. Folge seien unter anderem Beeinträchtigungen der Umwelt sowie der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen durch Luftverschmutzung und Klimaveränderung.

So gingen in Deutschland rund 20 Prozent der direkten CO-Emissionen auf das Konto des Verkehrs, circa 95 Prozent davon würden im Straßenverkehr erzeugt. Mehr als die Hälfte aller Bürgerinnen und Bürger fühlten sich durch Verkehrslärm belästigt.

Der Infrastrukturausbau führe zu Zerschneidungen der Landschaft und Flächenversiegelung. Und der Verkehr benötige viel Platz, der gerade in Städten ein knappes Gut sei. Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe sind nach Ansicht des Bundesumweltamtes „sehr klimaschädliche Verkehrsmittel für die Urlaubsreise“. Zum einen verursachten sie im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln hohe Treibhausgasemissionen pro Personenkilometer.

Zum anderen würden mit ihnen meist auch sehr große Entfernungen zurückgelegt. Ein Flug von Deutschland auf die Kanarischen Inseln und zurück zum Beispiel verursache pro Person rund 1,9 Tonnen CO-Äquivalente. Damit verursache man mit einer Flugreise schon mehr Treibhausgasemissionen als ein durchschnittlicher Deutscher pro Jahr für Auto, Bus und Bahn (rund 1,5 Tonnen CO-Äquivalente).

Auch Kreuzfahrten verursachten besonders hohe Kohlendioxidemissionen. Bei einer siebentägigen Mittelmeerkreuzfahrt fielen beispielsweise pro Person ebenfalls rund 1,9 Tonnen CO-Äquivalente an, wobei meistens noch die Flüge zur An- und Abreise hinzugerechnet werden müssten.

Zahlen, die die Suche nach klimafreundlichen und gesunden Alternativen dringender denn je erscheinen lassen. Wie der Einzelne zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks beitragen kann, verrät Thomas Lins, Vorsitzender des Regionalverbandes des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), im Gespräch mit WN-Redakteurin Joke Brocker.

Thomas Lins

Ökologie und Mobilität – ein Widerspruch?

Thomas Lins: Sicher kein Widerspruch, aber ein deutliches Spannungsfeld, denn für viele bedeutet Mobilität, möglichst weit und oft fahren zu können. Und da wir dies heute mehrheitlich mit dem Pkw erledigen, verhagelt das gewaltig unsere Klimabilanz. Dabei bedeutet Mobilität, in einer bestimmten Zeit möglichst viele Zwecke zu erledigen. Ich bin also mobiler, wenn ich in meinem Wohnumfeld arbeiten, einkaufen, Freunde besuchen und Sport treiben kann, als wenn ich für die gleichen Zwecke weite Wege und damit mehr Zeit in Kauf nehme. Dass wir heute für viele Zwecke so weite Wege zurücklegen, macht uns immobil und unseren ökologischen Fußabdruck zu groß.

Wie kann ich Energie sparen, aber trotzdem mobil sein? Wo sehen Sie Einsparpotenziale? Haben Sie konkrete Energiespartipps?

Thomas Lins: Die Antworten hierauf sind simpel: Zu-Fuß-Gehen und Radfahren da, wo es geht; ansonsten Bahn und Bus nutzen oder zumindest ein möglichst wenig umweltschädliches Auto. Der VCD gibt jedes Jahr eine Auto-Umwelt-Liste heraus. Daran kann man sich beim Kauf eines Pkw orientieren.

Wie könnte der Beitrag eines jeden Einzelnen zu einer Verkehrswende aussehen?

Thomas Lins: Umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen, Fahrten insgesamt reduzieren und sich politisch einsetzen für bessere Radwege, ein gutes Angebot des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs, für eine Umverteilung der Verkehrsfläche zugunsten des Umweltverbunds und gegen den Bau neuer Straßen, die die Auto-Vorrang-Politik auf viele Jahre zementieren.

Wohin und wie kann ich klimafreundlich verreisen?

Thomas Lins: Fernreisen mit dem Flieger und Kreuzfahrten sind sicher die umweltschädlichsten Formen des Urlaubs, in der Mitte liegen Urlaube mit dem Pkw. Wer mit der Bahn und dem Reisebus Ziele in Deutschland und Europa ansteuert, ist bei den dabei möglichen Distanzen viel klimafreundlicher unterwegs. Am Urlaubsort dann möglichst zu Fuß gehen, ein Fahrrad mitnehmen oder leihen. Das Ganze hat aus meiner Sicht nichts mit Verzicht zu tun. Wer die Bahn an die See, in die Berge oder zu Städtetouren nutzt, kann in aller Regel schon unterwegs entschleunigen und sich auch in Deutschland oder den Nachbarstaaten bestens erholen.

Startseite
ANZEIGE