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Renovierung fast vollendet

Orgel von St. Laurentius erklingt wieder

Warendorf

Der klangliche Gewinn wird enorm sein. Das versprach Orgelbaumeister Stefan Linke schon im April, als er mit dr Renovierung der Orgel in St. Laurentius begann. Nun steht diese kurz vor der Vollendung und Organist Gregor Loers ist bereits jetzt begeistert.

Von Joe Rieder

Dechant Peter Lenfers und Regionalkantor Gregor Loers (v.l.) sind gespannt auf den ersten akustischen Eindruck der renovierten Orgel. Foto: Joe Rieder

„Sie wird fertig“, verspricht Stefan Linke, Orgelbaumeister und Mitinhaber der Münsteraner Orgelbaufirma Fleiter. Seit April hat er mit seinem Team an der Renovierung der ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammenden Orgel in St. Laurentius gearbeitet.

Rund 80 Prozent der über 3500 Pfeifen wurden ausgebaut, gereinigt und ausgebeult. Alle wurden neu intoniert. Doch nicht nur die klangerzeugenden Elemente wurden renoviert oder erneuert. Der Spieltisch wurde mit neuester Elektronik von einer manuellen auf eine elektrische Bedienung der Register umgerüstet. Zudem wurde er auf der Empore so versetzt, dass er nun seitlich im rechten Winkel zur Brüstung steht und somit zwischen Organist und Altarraum ein Blickkontakt möglich ist.

Das sogenannte Rückpositiv mit seinen zahlreichen Orgelpfeifen erklingt nun von der Seite, so dass sich der Weg für den Klang der Pfeifen aus dem Hauptwerk freier entfalten kann. Damit ist auch der Weg für die Stimmen des Chores frei, die sich zuvor über diese Barriere kämpfen mussten. Der klangliche Gewinn werde enorm sein, versicherte Stefan Linke bereits zu Beginn der Arbeiten.

„Gerade noch rechtzeitig“

Die stehen jetzt kurz vor der Vollendung. Nicht zuletzt allgemeine Lieferschwierigkeiten hatten dazu geführt, dass die neue Elektronik im Spieltisch erst in der letzten Woche vor dem Einführungskonzert erfolgen konnte, das am 14. August stattfindet. Die Wirtschaft nennt so etwas „just in time“, die Beteiligten eher „gerade noch rechtzeitig“.

Am Spieltisch fehlt noch die gesamte Elektronik. Mit vielen der Töne ist Orgelbaumeister Stefan Linke aber bereits jetzt zufrieden Foto: Joe Rieder

Organist Gregor Loers, vor wenigen Tagen aus seinem Sommerurlaub zurückgekehrt, erfreut sich bereits am neuen Klang der Orgel, den er bis zum Einbau der Elektronik noch auf abstruse Weise austesten musste. Da die mechanischen Registerzüge am Spieltisch bereits entfernt waren, musste er zum Öffnen und Schließen der Register jeweils in die Orgel hineinklettern. Trotzdem ist er begeistert. Vor allem von der neuen Wärme des Instruments, das früher dazu neigte, die Geschichten der Musik „vorzuschreien“. „Jetzt erzählt sie diese Geschichten“, freut er sich.

Zarter Flötenton wird Kirche füllen

Selbst bei hohen Tönen wird die Orgel nun anders klingen – durch die Flûte Harmonique, das neue Register, das Loers als „ein Stück weit mein Lieblingsregister“ bezeichnet. Er schwärmt geradezu vom zarten Flötenton, der die Kirche füllen wird.

Dechant Peter Lenfers, ebenfalls gerade aus dem Urlaub zurück, ist ob dieser Worte ganz gespannt auf den ersten akustischen Eindruck. Er vertraut auf die Fachleute und ist sicher, dass die Gesamtinvestition von 230.000 Euro, die ohne Widerstände aus der Gemeinde bewilligt werden konnte, eine sinnvolle Bewahrung des bedeutsamen Kulturguts darstellt. Er ist dankbar, dass die Fertigstellung zu Mitte August trotz aller (Liefer-)Schwierigkeiten passend gelingen konnte.

Eine Einführungsveranstaltung zur Orgel soll es im Oktober geben. Es solle zuerst die Musik selber sprechen, sagt Lenfers. Das kann sie beim Einweihungskonzert.

Einführungskonzerte am 14. August

„Gregor, wenn die fertig ist, kommen wir vorbei und singen die Vierne-Messe!“ – Dieses Versprechen habe er aus Köln erhalten und es werde eingelöst, freut sich Gregor Loers. Die Messe solennelle (Missa solemnis) in cis-Moll des französischen Komponisten Louis Vierne wurde ursprünglich für gemischten Chor und zwei Orgeln geschrieben. Bei der morgendlichen Eucharistiefeier am 14. August wird sie – in einer Fassung für eine Orgel – gespielt von Prof. Winfried Bönig, Domorganist des Kölner Doms. Dazu singt der Kölner Domchor unter Leitung des Kölner Domkapellmeisters Prof. Eberhard Metternich.

Es werde auf der Empore ziemlich voll werden, sagt Gregor Loers, denn der Chor sei mit 60 Jungen und 30 bis 40 Herren sehr groß. Gregor Loers und Peter Lenfers hoffen, dass auch die Kirche gut besetzt sein wird. Der Kantor jedenfalls wird unten im Kirchenschiff sitzen, hören wie die neu gearbeitete Orgel klingt und, so wörtlich, „jeden Moment genießen“.

Am späten Sonntagnachmittag bleibt ihm diese Zeit nicht, denn dann wird er selbst das Festkonzert mit der Kapella Ludgeriana (Dommusik Münster) unter Leitung von Domkapellmeister Alexander Lauer an der Orgel begleiten. Auch hierzu lädt die St.-Laurentius-Gemeinde alle interessierten Besucher bei freiem Eintritt ein.

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