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Miniaturmodell der Stiftskirche

Originalgetreu nachgebildete Details

Freckenhorst

Beim Nachbau ist der Architektur-Modellbauer Wilhelm Meier schon bei der Planung auf Probleme gestoßen: „Es scheint keine aktuellen Pläne der Kirche zu geben“, verweist er auf die großen Ausdrucke alter Pläne, die das Bistumsarchiv zur Verfügung gestellt hat. Jetzt aber sind zwei Miniaturmodelle fertiggestellt – die Stiftskirche und auch der Freckenhorster Ortskern um 1800.

Von Andreas Engbert

Die alten Pläne werden studiert: Die großen Ausdrucke der alten Pläne hatte das Bistumsarchiv zur Verfügung gestellt – Pfarrdechant Manfred Krampe, Andreas Engbert, Achim Hensdiek und Wilhelm Meier verraten Wissenswertes rund um die Stiftskirche. Foto: privat

Er hat jeden Winkel genaustens studiert: „Das Querhaus fällt um sieben Grad ab“, zeigt Wilhelm Meier auf einen alten Grundriss der Freckenhorster Stiftskirche. Der Freckenhorster Architektur-Modellbauer hat kürzlich in akribischer Arbeit die Stiftskirche im Maßstab 1:100 nachgebaut. Pünktlich zum Bürgerfest im Juli der Projektgruppe „Freckenhorst entdecken“, getragen von Heimatverein und Werbegemeinschaft, wurde die Miniaturstiftkirche in einer Glasvitrine im südlichen Seitenschiff der echten Stiftskirche ausgestellt. Sie bietet dabei nicht nur einen Blick auf das Äußere des Gebäudes, sondern – durch Löcher an mehreren Stellen in Dach und Wänden – Einblicke in das Innere des Gotteshauses. Mit beeindruckend originalgetreu nachgebildeten Details. Dabei können die Besucher auch Orte sehen, die sonst nicht oder nur bei speziellen Führungen zu sehen sind, etwa die Oberseite des Gewölbes oder den Hölzernen Glockenstuhl.

Spezielle Führungen für spezielle Orte

Beim Nachbau ist er dabei schon bei der Planung auf Probleme gestoßen: „Es scheint keine aktuellen Pläne der Kirche zu geben“, verweist er auf die großen Ausdrucke alter Pläne, die das Bistumsarchiv zur Verfügung gestellt hat. Die Ausdrucke, die er nach Fertigstellung nun nicht mehr benötigt, überreichte er in dieser Woche an Andreas Engbert. Dieser führt auch schon mal Gruppen durch den Kirchturm, kennt sich in vielen Ecken des fast 900 Jahre alten Gebäudes aus und hatte dem Modellbauer alle Stellen in Turm und über dem Gewölbe gezeigt, die sich aus den Plänen nicht erschlossen.

Ein zweites, deutlich kleineres Modell wurde in dieser Woche neben der Stiftskirche aufgestellt. Es zeigt nicht nur die Kirche, sondern den Freckenhorster Ortskern. Und zwar so, wie er um das Jahr 1800 ausgesehen haben muss: „In diesem Bereich hat sich ein Normalsterblicher gar nicht bewegen können“, zeigt Meier um einen ummauerten Bereich auf dem Modell. Es ist der Bereich des hochadligen Damenstiftes, das 1811 aufgelöst wurde und auf dem heute unter anderem den Kirchplatz, Pfarrhaus und das zukünftige Vereinsheim stehen.

Ein Modell v on Freckenhorst um 1899 Foto: Andreas Engbert

Das Modell schlummerte seit rund 20 Jahren bei Wilhelm Meier im Lager. Gebaut hatte er die Platte mit vielen kleinen Gebäuden aus Holz zum 1150-jährigen Jubiläum der Stiftsstadt 2001. „Der damalige Pfarrer Walter Schüller und der Lehrer Hermann Laubrock sind regelmäßig zu mir in die Werkstatt gekommen und wir haben dann über jedes Haus diskutiert“, erinnert er sich an die Entstehung des Modells, das nun, nach gründlicher Reinigung, zu neuen Würden kommt. „Wir werden noch einen Flyer mit Erklärungen zu dem Modell auflegen“, kündigte Christian Murrenhoff, Mitinitiator von „Freckenhorst entdecken“ bei der Modellaufstellung an. Er zeigte sich, gemeinsam mit Mitstreiter Achim Hensdiek und Pfarrer Manfred Krampe, begeistert von den Modellen, die den Besuchern der Stiftskirche nun einen ganz besonderen Blickwinkel ermöglichen. Und die nicht rechtwinkligen Wände der Kirche? Scheinen nicht unüblich: „Das ist bei Kirchen oft der Fall“, weiß Pfarrdechant Manfred Krampe, „die Kirchen sollen den gekreuzigten Christus darstellen.“ Dieser sei bei Kreuzdarstellungen oft zu einer Seite geneigt.

Wilhelm Meier, Andreas Engbert, Manfred Krampe, Christian Murrenhoff und Achim Hensdiek vor den beiden Modellen, die die Stiftskirche im aktuellen Zustand und den Bereich des Ortskerns um 1800 zeigen (v.l.). Foto: privat
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