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Konzert des Kammerorchesters der Schule für Musik

Prächtiger Barock zum Frühling

Warendorf

Im Januar mussten die Gäste noch auf das Konzert des Kammerorchesters der Schule für Musik im Kreis Warendorf verzichten. Dafür wurden sie nun mit einer eindrucksvollen musikalischen Darbietung zum Frühlingsbeginn entschädigt.

Von Axel Engels

Das Kammerorchester der Schule für Musik im Kreis Warendorf unter der Leitung von Holger Blüder begeisterte das Publikum bei Konzert „Pracht des Barock“ Foto: Axel Engels

Das Neujahrskonzert des Kammerorchesters der Schule für Musik im Kreis Warendorf musste im Januar verschoben werden. Umso erfreulicher war es für die vielen Musikliebhaber, dass am späten Sonntagnachmittag das Kammerorchester unter Mitwirkung von einzelnen Solisten ein „Konzert zum Frühlingsanfang“ geben konnte, bei dem der Paul-Schallück-Saal musikalisch von der „Pracht des Barock“ erfüllt war.

Unter der Gesamtleitung von Holger Blüder war ein Programm zusammengestellt worden, das dem Titel überaus entsprach, so dass man sich vom Glanz und der Schönheit der Musik des Barock einfangen lassen konnte. Schon bei dem schnellen Satz der „Intrade C-Dur“ von Georg Philipp Telemann zeigte sich die bis ins kleinste Detail stimmige Spielweise des Orchesters.

Spieltechnisch hohe Anforderungen

Barocke Werke sind auf Grund ihrer diffizilen Manierismen und Verzierungen nicht so leicht zu interpretieren, aber wie bei der bekannten Tanzsuite „The Fairy Queen“ von Henry Purcell waren die spieltechnisch durchaus hohen Anforderungen für dieses exquisite Kammerorchester keine Schwierigkeit und die Musikerinnen und Musiker konnten sich ganz auf den Inhalt jenseits des reinen Notentextes konzentrieren.

Mediterranes Flair verbreitete sich im Saal beim „Concerto D-Dur“ für zwei Trompeten, Streicher und Basso continuo des bedeutenden italienischen Komponisten Guiseppe Torelli. Ralf Schmuck und Jörg Weber ließen ihre Instrumente wunderbar über dem farbenreichen Orchesterklang erklingen. Die Zuhörer genossen den bis ins kleinste Detail stimmigen Dialog zwischen den beiden Solisten und dem Ensemble. Besonders in den langsamen Sätzen gefielen die inspirierende Melodienvielfalt des Werkes bei solch einfühlsamen Musizieren.

Wer sich der barocken Pracht thematisch nähert, kommt natürlich an Antonio Vivaldi nicht vorbei. Sein „Concerto d-Moll“ schien wie für das Kammerorchester der Musikschule geschrieben, erklang in einer überaus lebendigen und mitreißenden Weise. Wenn dann noch Maja Bartuli aus seinem „Violinkonzert a-Moll“ den sehr schnellen Presto-Satz mit Energie und Leidenschaft präsentierte und die „Aria“ aus „La Bergamasca“ von Marco Uccelini zum Träumen anregte, war dies wirklich eine prachtvolle Reise zu der im Barock so einflussreichen italienischen Musikwelt. Dazu passten die vier „Klaviersonaten“ von Domenico Scarlatti bestens.

Sensibler Pianist

Holger Blüder gilt nicht umsonst als ganz sensibler Pianist, der seine ganze Virtuosität und technische Brillanz immer in den Dienst des musikalischen Ausdrucks stellt. Aber der Wechsel vom Dirigentenpult an den Flügel gelingt wohl nur solch einem engagierten Musiker so harmonisch wie bei diesem Konzert. Aus seinem großen Repertoire hatte er vier Sonaten ausgewählt, die begeistert aufgenommen wurden. Mit Akribie und Feinsinn spielte Holger Blüder, ließ diese Sonaten mit der jeweils der Stimmung adäquat angepassten Spielweise in all ihrer Schönheit erklingen.

Selten kann man die „Wassermusik/Hamburger Ebb’ und Fluth“ von Georg Philipp Telemann im Konzert hören. Sie wurde 1723 für ein Festmahl der Hamburger Admiralität geschrieben. Da dieses Mahl in einem festlichen Saal und nicht im „zugigen Hafen“ stattfand, hatte Telemann den Einfall, das „Wasser gleichsam musikalisch dorthin zu holen. Die einzelnen Tanzsätze wirkten da wie eine mythologische Erzählung, hatten sich gleichsam antike Meergottheiten des Mittelmeeres in die Elbmündung verirrt. Das Kammerorchester wusste die einzelnen Charaktere der Sätze mit Eleganz und Innigkeit zu spielen, genoss man diese wunderbare Musik bei solch kultivierter Spielweise. Dieses Konzert war auf ganz hohem Niveau angesiedelt und gleichzeitig überaus unterhaltsam.

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