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Erinnerungen an den Herzog von Edinburgh

Prinz residierte in Zimmer 216

Warendorf

1979 residierte für einige Tage Prinz Philip, Gemahl der britischen Königin Elizabeth II., im Hotel Im Engel. Gerd Leve, der das Hotel heute betreibt, erinnert sich, dass er als Elfjähriger dem Prinzen einen edlen Wein kredenzen durfte.

Joke Brocker

Das Gästebuch des Hotels Im Engel kündigt vom Aufenthalt des Herzogs von Edinburgh 1979 im Hotel Im Engel. Foto: Joke Brocker

Als Gerd Leve am Freitagmittag in den Nachrichten hörte, dass Prinz Philip, Gemahl der britischen Königin Elizabeth II., 99-jährig auf Schloss Windsor verstorben ist, griff er zum Gästebuch, in dem sich vor 42 Jahren genau jener Prinz Philip verewigt hatte.

Gerd Leve

In seiner Funktion als Präsident der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) weilte der Herzog von Edinburgh vom 8. bis 10. Dezember 1979 in Warendorf. Anlass war eine Vorstandssitzung der FEI. Der Prinz residierte im Hotel Im Engel, das er komplett gemietet hatte, und bewohnte dort Zimmer 216, das größte und schönste Zimmer des Hauses, das bis heute „Philip Suite“ heißt. „Einmal durfte ich ihm den Tee bringen“, berichtet Gerd Leve. Da habe er gesehen, dass der Prinz eine richtige Ahnengalerie um sich herum aufgebaut hatte, die er wohl im Reisegepäck mit sich führte.

Während ihn die Familie in Form von Fotografien umgab, hatten Butler und Sekretärin, mit denen die Leves sich beim Essen intensiv austauschten, den Prinzen nach Warendorf begleitet. „Ein ganzer Hofstaat war immer um ihn herum“, erinnert sich Gerd Leve, der damals elf Jahre alt war und zu diesem besonderen Anlass noch einmal seinen Kommunionanzug samt Fliege trug.

Ihm oblag denn auch die Aufgabe, dem Prinzen zur Begrüßung einen Hoc-Wein, eine 1971er Hochheimer Domdechaney Trockenbeerenauslese vom Hochheimer Königin Victoriaberg, benannt nach der Ururgroßmutter der Queen und des Prinzgemahls, zu kredenzen. Der Prinz sei nicht nur ein hochgeschätztes Mitglied der Pferdewelt gewesen, sondern auch ein ausgewiesener Weinkenner. Als solcher geriet er mit Hotelier Werner Leve nach dem Studium der umfangreichen Weinkarte des Hauses sogleich ins Fachsimpeln.

Gerd Leve

Als er zwei Weine seines Neffen, Max Markgraf von Baden, aus Durbach vom Schloss Staufenberg auf der Weinkarte entdeckte, war Prinz Philip hocherfreut. Beide Weine – ein 1977er Durbacher Schloss Staufenberg Klingenberger Riesling Spätlese und Schloss Ebersteiner Spätburgunder Eberblut Spätlese trocken – seien ihm am nächsten Tag zum Menü gereicht worden, erzählt der Hotelier.

Organisiert hatten den Aufenthalt des Prinzen in Warendorf Bernd von dem Knesebeck und Michael Reitmann. „Das war alles minuziös geplant“, blickt Leve zurück. Sein Vater habe die Vorgabe bekommen, dem Prinzen Spezialitäten der westfälischen Küche zu servieren. Münsterländer Pfefferpotthast und, ganz klassisch, Rindfleisch in Zwiebelsoße, hätten Prinz Philip und den mit ihm speisenden Vertretern der FN offenbar sehr gemundet.

Seine Eltern seien damals sehr angespannt gewesen, blickt Leve zurück. Kein Wunder. Schon Tage vor dem Besuch hatte die Polizei das komplette Hotel durchsucht. Mit Spiegeln sei unter sämtliche Autos geschaut worden, hätten hier doch theoretisch Sprengsätze versteckt sein können. Im Hof hätten die Karossen des blaublütigen Gastes geparkt, den Leve als „sehr nahbar, warmherzig und offen“ in Erinnerung hat. Nach seinem Aufenthalt habe er sich bei Werner Leve bedankt. Mit einem Brief und einer handsignierten Fotografie.

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