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Galeriekonzert mit dem „arirang-Quintett“

Publikum im Bad der Gefühle

Warendorf

Genau den richtigen Ton traf das „arirang-Quintett“ beim Galeriekonzert im Sophiensaal. Mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Nielsen begeisterte es das Publikum, zu dem auch Geflüchtete gehörten.

Von Christoph Schulte im Walde

Erschufen mit ihrer Musik beim Publikum ein veritables „Kopfkino“ (v.l.): Sebastian Schindler, Jacob Karwath, Frederike Timmermann, Hanna Mangold und Steffen Dillner. Foto: Christoph Schulte im Walde

Wer in Zeiten wie diesen, da mitten in Europa Krieg geführt wird, sich eine angenehme Stunde mit hochkarätig gespielter Musik gönnen möchte, sollte dies auch tun dürfen. Aber man tut gut daran, sich klar zu machen, dass dies gar nicht so selbstverständlich ist und dass in der Ukraine sinnlos gelitten und gestorben wird. Deshalb war es am Sonntag beim Galeriekonzert im Sophiensaal richtig, das erste Werk des Abends dem Gedenken an die Opfer und der Anteilnahme mit den in den umkämpften Gebieten Lebenden zu widmen. Mit im Publikum saßen auch einige der im Kreis Warendorf betreuten Geflüchteten.

Wolfgang Amadeus Mozarts Satzpaar „Adagio und Allegro“ in der herben Tonart f-Moll schlug da ganz den richtigen Ton an. Und mit ihm das „arirang-Quintett“, eine klassische Bläserformation fabelhafter Solistinnen und Solisten, die führende Positionen in wichtigen Orchestern Deutschlands und der Schweiz bekleiden.

Mozarts Gedanken in f-Moll sind anfangs trüb, traurig, schmerzvoll, bis sie sich in ein fröhlich sprudelndes F-Dur verwandeln. Doch die Freude schlägt zum Schluss wieder um. Ein Bad der Gefühle! Ganz ähnlich wie Mozarts viersätzige Serenade c-Moll. Flötistin Hanna Mangold hatte in ihrer kurzen Moderation ganz Recht, den Komponisten als jemanden zu charakterisieren, der die menschliche Seele und ihr Innenleben unglaublich intensiv ergründen konnte. Ein Blick auf Mozarts Opern reicht. Wenn dann in dieser Serenade das Fagott in angetriebenem Tempo seine pochenden, beständig repetierten Töne entfaltet, spürt man Ungeduld, erlebt man Aufgeregtheit. So wie Cherubino in Mozarts „Hochzeit des Figaro“. Noch viel mehr Assoziationen steigen einem beim Zuhören in den Kopf. Und wenn dann noch so exquisit musiziert wird wie vom „arirang-Quintett“, beginnt ein veritables „Kopfkino“. Mit unendlich schönen Melodien, rhythmisch temperamentvollen Passagen, elegantem Tanz wie im „Menuetto“.

Seltene Nielsen-Darbietung

Gut 130 Jahre später als Mozart war es der Däne Carl Nielsen, der eine ganze Galerie imaginärer Bilder an den Ohren seines Publikums vorüberziehen lässt. Sein Bläserquintett op. 43 ist zwar auf Tonträgern gut dokumentiert. Doch im Konzert ist es kaum einmal zu erleben, was generell für Nielsens Schaffen gilt. Dabei ist es so lohnend, gerade dieses Quintett: eine Offenbarung, die das „arirang-Quintett“ seinem Warendorfer Publikum geschenkt hat. Es sprudelt nur so vor Einfällen. Kaum sind die ersten Takte vorüber, und schon ist man unterwegs auf einem Spaziergang im Frühling. Vögel zwitschern, der Wind weht, Wolken ziehen herauf, auch ein bisschen Regen. Unterwegs ein netter Plausch zu zweit, zum Schluss womöglich der Blick in eine kleine Dorfkirche, wo gerade ein frommer Choral gesungen und von Carl Nielsen anschließend einfallsreich variiert wird. Tolle Musik, die man einfach kennen sollte.

Mozarts „Türkischen Marsch“ kennt dagegen (fast) jeder. Aber noch nicht in der rasanten Version von Terence Greaves. Hier groovt es, hier seufzen die „blue notes“, hier wird Feuer entfacht. Und die fünf perfekt aufeinander abgestimmten Solistinnen und Solisten lassen sich mitreißen von diesem Schwung. Genauso wie das Publikum, das spontan mit lauten „Bravo“-Rufen reagiert.

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