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Ausstellung im Westpreußischen Landesmuseum

„Reise(n) einst und jetzt“

Warendorf

Im Westpreußischen Landesmuseum ist am 1. Juli eine Ausstellung mit dem Titel „Die schönsten Wochen des Jahres. Reise(n) einst und jetzt“ eröffnet worden. Die Ausstellung folgt den Spuren der Reisenden, präsentiert aber vor allem Impressionen der heutigen Reiseziele.

Von Klaus Münstermann

Die stellvertretende Museumsleiterin Jutta Fethke und Ausstellungskurator Dr. Martin Steinkühler neben dem Ölgemälde „Ostseeküste bei Kahlberg“ von Paul Emil Gabel.Das Gold der Ostsee: An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert wurde Danzig zu einem Zentrum der Bernsteinverarbeitung und gilt noch heute als Welthauptstadt des Bernsteins.Waffen galten als unentbehrlich auf unsicheren Reisewegen. Solche Steinschloss- oder Perkussionspistolen wurden zur Selbstverteidigung genutzt und um auf sich aufmerksam zu machen. Fotos von mittelalterlichen Altstädten, Unesco-Welterbestätten und beeindruckenden Landschaften wie in der Kaschubischen Schweiz wecken die Reiselust. Foto: nKlaus Münstermann

Passend zum Start der Sommerferien ist im Westpreußischen Landesmuseum am 1. Juli eine Ausstellung mit dem Titel „Die schönsten Wochen des Jahres. Reise(n) einst und jetzt“ eröffnet worden. Ausstellungskurator Dr. Martin Steinkühler hat aktuelle Fotos, historische Post- und Radfahrerkarten sowie Prospekte von Reisezielen in Danzig, dem Seebad Zoppot und der Kaschubischen Schweiz ebenso zusammen getragen wie einzigartige Exponate. Darunter sind eine geschnitzte Figur des Heiligen Jakobus, Steinschloss- oder Perkussionspistolen und Bernstein-Schmuck.

„Die Figur ist auf halber Höhe durchbohrt, wodurch sie als Pilgerzeichen an der Kleidung angebracht werden konnte, um so vor Übergriffen zu schützen. Sie stammt aus Santiago de Compostela und wurde bei Grabungen im Außenwall der Stadt Danzig gefunden“, erklärt Steinkühler. „Waffen galten auf unsicheren Reisewegen früher als unentbehrlich, um sich im Falle eines Überfalls verteidigen zu können. Daneben diente das Abfeuern auch der Absicht, sich gegenüber anderen bemerkbar zu machen.“

Dr. Martin Steinkühler

Reisen gilt als der Deutschen liebstes Hobby. Jahrzehntelang war der Tourismus zudem ein stetig wachsender Wirtschaftszweig. Allein im Jahr 2019 unternahmen die Deutschen insgesamt 70,1 Millionen Urlaubsreisen. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend 2020 und 2021 gestoppt. „Wir wollen neue Lust aufs Reisen machen und präsentieren dabei mit Nordpolen eine Region, die sonst nicht so im Fokus steht“, sagt Steinkühler.

Aber das Reisen an sich war auch in früheren Jahrhunderten durchaus schon ein Massenphänomen – wenn auch oft aus anderen Gründen als heute. Dazu klären Schautafeln in der Ausstellung auf.

Wer sich in früheren Jahrhunderten auf eine Reise in weiter entfernte Regionen begab, tat dies aus klar definierten oder von außen vorgegebenen Gründen: Pilger des Mittelalters suchten ihr Seelenheil durch Vergebung ihrer Sünden und Hansekaufleute reisten in Erwartung eines lohnenden Geschäfts. Adelige hingegen begaben sich für Nutzen und Ansehen auf Kreuzzüge in den östlichen Teil Europas, auch Litauerreisen genannt. Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen suchten das Neue, das bisher Unentdeckte oder Unpublizierte.

Erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts begann eine Entwicklung, die das Reisen auch für den normalen Bürger interessant machte – sofern er die nötigen finanziellen Mittel dafür aufbrachte. Mit dem „Reisen um des Reisens willen“ war der Grundstein für den heutigen Massentourismus gelegt.

So kam auch die frühere preußische Provinz Westpreußen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts mehr und mehr als Reiseziel in Betracht – Bädertouristen suchten die Seebäder an der Ostseeküste wie etwa in Zoppot auf. Kunst- und Kulturinteressierte zog es in die alten Hansestädte Danzig und Thorn oder zu den mittelalterlichen Baudenkmälern des Deutschen Ordens. Landschaftsliebhaber suchten die wald- und seenreiche Kaschubei auf.

Die Ausstellung im Westpreußischen Landesmuseum folgt den Spuren der Reisenden, präsentiert aber vor allem Impressionen der heutigen Reiseziele, die von mittelalterlichen Altstädten und Unesco-Welterbestätten über beeindruckende Landschaften bis zu den Stränden der Frischen Nehrung und des Fischen Haffs reichen.

Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst Vorträge zu „Ostpreußen als Reiseland“ und „Das Ziel ist der Weg – Auf den Spuren mittelalterlicher Jakobspilger/-innen durch Westfalen“.

Die Termine stehen noch nicht fest, werden aber rechtzeitig bekannt gegeben. Das Museum in der Klosterstraße 21 ist von dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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