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Deutschland ist Spitzenreiter beim Papierverbrauch

Rückkehr zur Schiefertafel erwägen

Warendorf

Deutschland ist Spitzenreiter in Sachen Papierverbrauch. Dabei wäre es sehr einfach, Papier zu sparen und die Umwelt zu schonen. Inge Seelige geht mit ihrem Eine-Weltladen mit gutem Beispiel voran.

Joke Brocker

Bäume sind Lebensgrundlage für unzählige Organismen. Auch die Menschen könnten ohne die sauerstoffproduzierenden Kohlenstoffspeicher nicht leben. Foto: Inge Seelige

Bäume sind nicht nur die höchsten und größten Lebewesen der Welt, sie sind auch wesentliche Lebensgrundlage für unzählige Organismen. Als sauerstoffproduzierende Kohlenstoffspeicher sind sie auch für die Menschen unverzichtbar. Das kann man sich nach Ansicht Inge Seeliges, Mitglied der Fairtrade-Steuerungsgruppe Warendorf, gar nicht oft genug vor Augen führen, wenn man mal wieder ein Papiertaschentuch benutzt, mit einem Küchentuch aus Papier Verschüttetes aufsaugt oder Geschenke verpackt. Fast jeder zweite gefällte Baum wird laut World Wide Fund For Nature (WWF) zu Papier verarbeitet, das vor allem die Industriestaaten konsumieren.

Inge Seelige

Spitzenreiter in Sachen Papierverbrauch ist Deutschland. „Jeder von uns verbraucht im Jahr so viel Papier, wie die Bevölkerung von Afrika und Südamerika zusammen“, sagt Seelige. Allein im ersten Lebensjahr verbrauche ein deutsches Kind so viel Papier wie ein Afrikaner in seinem ganzen Leben. Würde man das in Deutschland verbrauchte Papier aufeinanderstapeln, würde es 320 000 Kilometer weit reichen, also fast von der Erde bis zum Mond.

Papier-Recycling ist nach Ansicht vieler Fachleute allenfalls ein Ansatz zum nachhaltigen Umgang mit dem Rohstoff Holz, aber keine Lösung. Sinnvoller sei es, den Papierverbrauch drastisch zu reduzieren und, wo immer möglich, Papier zu vermeiden.

Der Eine-Weltladen geht mit gutem Beispiel voran, und das nicht nur, weil er (Zettel-) Blöcke und Briefpapier aus Elefantendung im Sortiment hat. Alte Kartons, die nicht wiederverwendet werden können, werden in die Altpapiersammlung der Kolpingsfamilie gegeben. Kartons, die noch in Ordnung sind, werden beim nächsten Einkauf wieder mit zur Gepa-Fair-Trade-Company nach Münster genommen, um die Einkäufe darin zu verstauen.

Die Schüler überlassen dem Weltladen-Team die Tüten kostenlos

Immer vor Weihnachten bietet der Laden seinen Kunden Papiertüten an, die Schüler der Bischöflichen Realschule im Kunstunterricht gestalten. Die Schüler überlassen dem Weltladen-Team die Tüten kostenlos, die Kunden zahlen einen Obolus für die Tüte und der Erlös kommt dann wiederum der Bischöflichen Realschule zugute, die mit dem Geld Schulprojekte unterstützt. Wer so kreativ ist wie Weltladen-Mitarbeiterin Mechthild Kulke, wirft Kalenderblätter in Zukunft nicht mehr weg, sondern verarbeitet sie zu hübschen Geschenktüten, die obendrein mehrfach verwendbar sind.

Ginge es nach Inge Seelige, könnte noch vielmehr Papier gespart werden. Abschmink-Tücher ließen sich prima durch selbst gestrickte Baumwoll-Läppchen, Tempo- durch Stofftaschentücher oder Kleenex-Tücher und Feuchttücher durch Waschlappen ersetzen. Alte Zeitungen eigneten sich hervorragend als Verpackungsmaterial, und anstelle der vielen Werbeprospekte sähe die Warendorferin viel lieber wieder die gute alte Litfass-Säule im Stadtbild. Papier gespart werden könnte ihrer Ansicht nach vor allem im Schul- und Bildungsbereich, findet die Mutter zweier erwachsener Töchter. „Als Mutter habe ich mich immer darüber aufgeregt, dass alle Arbeitsblätter, die meine Töchter aus der Schule mit nach Hause brachten, nur einseitig bedruckt waren“, ärgert sie sich und findet, dass man in Grundschulen einmal darüber nachdenken sollte, für die ersten Schreibübungen wieder zur Schiefertafel zurückzukehren. Die sei nicht nur nachhaltig, sondern ermögliche es den Kindern auch jederzeit, Korrekturen vorzunehmen.

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