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Gustave Batiebo und Martial Tarama zurück in ihrer Heimat

Rückreise mit vielen Hindernissen

Freckenhorst

Elf Tage waren Gustave Batiebo und Martial Tarama aus Burkina Faso in ihrer Freckenhorster Partnergemeinde St. Bonifatius zu Gast. Inzwischen sind sie in ihre Heimat zurückgekehrt – allerdings begleitet von jeder Menge Hindernissen.  

Von Dieter Mervert

Beim Umstieg im Kölner Hauptbahnhof blieb Zeit für ein Abschiedsfoto von Gustave Batiebo und Martial Tarama, doch die Hindernisse waren zu der Zeit noch nicht vorbei. Foto: privat

„Bon voyage“ („Gute Reise“) wünschte man Gustave Batiebo, Pfarrer in Bérégadougou in Burkina Faso, und seinem Vorgänger im Amt, Martial Tarama, samt ihren sechs Gepäckstücken für ihre Heimreise nach elf ereignisreichen Tagen in ihrer Freckenhorster Partnergemeinde St. Bonifatius. Dass diese Heimreise noch zu einem glücklichen Ende kam, ist zwei Mitgliedern im Arbeitskreis, Barbara Comtois und Heinz-Peter Zwicker, zu verdanken, die beide auch Französisch sprechen.

Erstes Problem schon bei Abfahrt in Münster

Das erste Problem gab es bei der Abfahrt in Münster. Gebucht war die Strecke Münster – Brüssel mit Umstieg in Köln. Der geplante IC Hamburg-Stuttgart fiel ersatzlos aus. Mithilfe der Bahnhofsinformation fand Barbara Comtois eine Alternativlösung: eine Fahrt mit der Regionalbahn nach Köln mit Umstieg in Duisburg. Ein letzter Wink, die beiden afrikanischen Gäste mit ihrem bis auf das letzte Kilogramm Gesamtgewicht ausgereizten Gepäck und den darin enthaltenen Spenden saßen im Zug.

In Duisburg hieß es umsteigen. Doch mitten in der Aktion schlossen sich die Türen, und der Zug fuhr ab. Gustave Batiebo und Martial Tarama und der größte Teil des Gepäcks waren im Zug, aber zwei Koffer blieben herrenlos auf dem Bahnsteig. In ihrer Not riefen die beiden Barbara Comtois an, die sich inzwischen auf der Heimfahrt zu ihrem Wohnort im Emsland befand und die sie eindringlich aufforderte, umgehend an der nächsten Station ( Flughafen Düsseldorf) auszusteigen. Einer sollte beim Gepäck bleiben und der andere mit dem ersten Zug zurück nach Duisburg fahren.

Bahnpolizei bewacht herrenlose Koffer

Comtois setzte sich sogleich mit der Bahnpolizei Duisburg in Verbindung und schilderte die Situation. Die Beamten hatten die Koffer schon entdeckt und wollten sie bewachen. So konnte eine mögliche Sperrung des Bahnhofs und eine Sprengung der herrenlosen Koffer verhindert werden.

Anschließend suchte Barbara Comtois eine  Zugverbindung vom Flughafen Düsseldorf zum Hauptbahnhof Köln heraus und schickte den beiden Rückreisenden eine Whatsapp. Dann informierte sie ihren Mitstreiter Heinz-Peter Zwicker, der zeitgleich in Köln seiner Tochter beim Umzug half, über die neue Situation. Zwicker ließ alles stehen und liegen und fuhr zum Kölner Hauptbahnhof, wo er noch rechtzeitig seine beiden afrikanischen Freunde in Empfang nehmen konnte. Mit seiner Hilfe wurden sie dann in einen Intercity nach Brüssel gesetzt, mit großen Schwierigkeiten bei ihrem Gepäck, denn der Zug war bereits überfüllt. Und das alles ohne gültigen Fahrausweis, denn ihre gebuchten Züge waren andere. Aber zum Glück gab es keine Kontrollen.

Zwischenzeitlich war Barbara Comtois nicht untätig gewesen. Sie besaß alle Informationen über den Flug von Brüssel nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, über Casablanca (Marokko). Sie setzte sich mit der zuständigen Fluggesellschaft in Verbindung und konnte erfolgreich die Plätze für die beiden Heimreisenden reservieren – eine Maßnahme, die noch von großer Wichtigkeit wurde.

Die Letzten am Check-in-Schalter

Gustave Batiebo und Martial Tarama kamen mit inzwischen mehrstündiger Verspätung im Bahnhof Brüssel an und erreichten nach einigen Minuten von da mit der Straßenbahn den Flugplatz. Weniger als fünfzig Minuten vor Abflug kamen sie an ihrem Check-in-Schalter an –  zu einer Zeit, in der ein Einchecken nicht mehr möglich war. Aber am Schalter wartete man schon auf sie, nur zwei Personen fehlten noch, aber die waren durch die Reservierung von Barbara Comtois bekannt.

Der Umstieg in Casablanca in eine Maschine nach Burkina Faso klappte reibungslos. Aber dann warteten die Passagiere im Flugzeug über eine Stunde auf ihren Abflug, bis schließlich die Aufforderung zum Wechsel in ein anderes Flugzeug erfolgte, da die vorgesehene Maschine einen technischen Defekt hatte. Während des Umstiegs verstarb auch noch eine ältere Frau. Die Passagiere und das Personal waren betroffen. Dadurch verzögerte sich der Abflug ein weiteres Mal.

Ein Koffer ging verloren

Aufatmen bei Gustave Batiebo und Martial Tarama bei der Ankunft in ihrer Hauptstadt Ouagadougu mit einem Happy End ? Nein, denn ein Koffer fehlte. Alle Rückfragen blieben erfolglos. Erst im Hotel am Flughafen konnten die beiden feststellen, was in dem fehlenden Koffer enthalten war. Das waren vor allem wichtige Medikamente und Lebensmittel.

Am anderen Morgen machten sich die beiden Reisenden mit dem Auto, das sie am Flugplatz geparkt hatten, auf den Heimweg ins 600 Kilometer entfernte Bérégadougou, nicht über Autobahnen und gut ausgebaute Straßen, sondern über schwer befahrbare Pisten.

Nach ihrer Ankunft schickten sie aus einem kleinen Dorf ihrer Heimatgemeinde ein Foto zusammen mit Pfarrer Silvestre. Martial Kamara und Gustavo Batiebo und ließen sich eine große Portion Pommes frites mit gebratenem Hähnchen schmecken.

Martial Kamara (l.) und Gustavo Batiebo ließen sich mit Pfarrer Silvestre (r.) nach ihrer Heimkehr eine große Portion Pommes frites mit gebratenem Hähnchen schmecken. Foto: privat

Inzwischen wurde ihnen von Barbara Comtois geraten, dringend eine Verlustanzeige mit Angabe des Inhalts und Werts für die Versicherung auszustellen. Nur so würde eine geringe Chance bestehen, den verlorenen Koffer noch wiederzubekommen.

Letztlich kann man fragen, wie es den beiden Reisenden in einem fremden Land ohne Sprachkenntnisse bei den Zwischenfällen wohl ergangen wäre, wenn sie nicht ihre beiden Freckenhorster „Organisationstalente“ hinter sich gehabt hätten?

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