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Tempo 30 auf Reichenbacher Straße

Schutzziele der Feuerwehr gefährdet

Warendorf

Der Umwelt- und Mobilitätsausschuss hat sich mit knapper Mehrheit entschieden, die Reichenbacher Straße durchgängig als Tempo-30-Zone auszuweisen. Die Feuerwehr hat erhebliche Bedenken, dass dadurch ihre Schutzziele nicht mehr erreicht werden können.

Von Ulrich Lieber

Bislang gilt Tempo 30 auf der Reichenbacher Straße nur auf der Höhe des Awo-Kindergartens. Der Umwelt- und Mobilitätsausschuss stimmte dafür, die gesamte Straße als Tempo-30-Zone auszuweisen. Foto: Ulrich Lieber

Eine kontroverse Diskussion gab es im Umwelt- und Mobilitätsausschuss um die Einführung einer Tempo-30-Zone auf der Westkirchener Straße. Obwohl sowohl die Verwaltung als auch die Feuerwehr Argumente gegen die Geschwindigkeitsreduzierung vorbrachten, entschied sich der Ausschuss mit knapper Mehrheit sowohl für Tempo 30 als auch für ein Lkw-Durchfahrverbot.

Andreas Hornung (SPD)

Dr. Martin Thormann, Erster Beigeordneter der Stadt, erklärte, dass es aufgrund der Lärmproblematik möglich sei, Tempo 30 durchgehend einzurichten. „Aber ist das auch sinnvoll?“ Das gleiche gelte für das Thema „Lkw-Verbot“, denn das führe zu einer Verkehrsverlagerung und zu einem Problem am Knotenpunkt Freckenhorster Straße/B 64. „Darum sollten wir das besser nicht machen“, empfahl Thormann. „Unter dem Blickpunkt der Einsatzzeiten der Feuerwehr würden wir ein nicht unerhebliches Risiko gehen, wenn wir da Tempo 30 machen. Es geht um die Anrückwege zum Feuerwehrgerätehaus, die verlangsamt werden und eventuell die Schutzziele nicht eingehalten werden können.“

„Wir wägen anders ab. Wir finden beide Maßnahmen an der Stelle sinnvoll. Für uns ist die Argumentation nicht völlig schlüssig“, sagte Andreas Hornung (SPD). Es werde ja ohnehin kein Tempo 50 dort gefahren, sondern nur 35 bis 40, und das müsste ins Verhältnis gesetzt werden. Zudem könnte die Feuerwehr mit Alarmanlage vorbeipreschen. Die Reichenbacher Straße sei eine reine Wohnstraße, werde aber als Umgehung genutzt, so dass die Anwohner erheblich belastet würden.

Benedikt Wuttke, Stadt Warendorf

Heike Anni Löbke schloss sich den Argumenten der SPD an und sah es gerade im Zusammenhang mit dem Radwegkonzept nur als konsequent an. Dirk Schellenhammer (CDU) wies darauf hin, dass es um die Zeiten gehe, die die Feuerwehrleute für die Anfahrt benötigen. „Wir finden es gut, dass die Verwaltung den Überblick behält. Dem können wir folgen“, erklärte Stefan Hölzle (CDU). „Ohne Lkw gibt es eine Entlastung auf der Straße, und gerade in Tempo-30-Zonen läuft der Verkehr flüssiger. Deshalb sehe ich da keine Bedenken“, sagte Arthur Wand (Grüne).

„Die Einsatzkräfte müssen innerhalb von acht oder neun Minuten an der Brandstelle sein sollen“, erklärte Thormann. Da Warendorf über keine Feuerwache verfüge, die sofort ausrücken kann, sondern eine freiwillige Feuerwehr habe, müssten die Einsatzkräfte erst zum Gerätehaus fahren. „Tempo 30 ergibt eine rechnerische Verzögerung von einer Minute.“ Da die Feuerwehr in der Schutzzielerreichung nicht auf Rosen gebettet sei, könne es zu Problemen kommen. Das könnte dazu führen, dass andere und teure Maßnahmen nötig würden, um das zu kompensieren. Manfred Lensing-Holtkamp (Grüne) ist passionierter Radfahrer und verwies auf das Radverkehrskonzept. „Auf Straßen mit Piktogrammspuren oder Schutzstreifen wird empfohlen, eine 30er-Zone einzurichten.“

„Sie haben alle grundsätzlich teilweise recht“, brachte es Benedikt Wuttke auf den Punkt. „Wir verfolgen ja alle das Ziel, dass wir den Verkehr vereinfachen wollen, besser machen wollen, sicherer machen wollen.“ Das der Verbot der Lkw-Durchfahrt sei aber rechtlich nicht zulässig. „Das Thema Feuerwehr ist ein sehr wichtiger Faktor.“ Darum ergriff Christof Amsbeck, Leiter der Feuerwehr und Anwohner der Reichenbacher Straße, das Wort. „Wir sind noch im grünen Bereich, was die Schutzzielerreichung betrifft, aber das ist sehr fragil“, sagte Amsbeck.

Die Schutzziele müssen aber bei den 50 bis 60 Einsätzen pro Jahr erreicht werden, und 47 Einsatzkräfte würden über die Reichenbacher Straße anrücken. „Ich sehe Tempo 30 kritisch, dann kriegen wir Probleme.“ Als Folge könnte es sein, dass die Stadt eine hauptamtliche Feuerwehr benötigen würde und das wären Summen von 600.000 bis 700.000 Euro pro Jahr für die Stadtkasse.

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