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Pflegeeltern gesucht

Schwarzes Loch in der Biografie

Warendorf

Jürgen Beumker ist 43 Jahre alt und in Warendorf auf die Welt gekommen. Das ist sicher. Nicht so sicher ist, wo er die ersten Jahre seines Lebens verbracht hat. Er hat keine Erinnerung, aber er weiß, dass er seine ersten Lebensjahre nicht bei seinen leiblichen Eltern, sondern in einer Pflegefamilie verbracht hat. Direkt nach der Geburt, am 13. Oktober 1970 im Josephshospital, ist er offenbar an diese Pflegefamilie vermittelt worden. Rund zwei Jahre war er in Obhut, so ganz genau weiß er es nicht, bevor sein Vater ihn aus dieser Familie geholt hat und mit ihm nach Nordhessen gezogen ist. Dort lebt Jürgen Beumker auch heute noch – und sucht jetzt die Familie, bei der er in seinen ersten beiden Jahren gelebt hat.

Engelbert Hagemeyer

Jürgen Beumker ist am 13. Oktober 1970 im Josephshospital auf die Welt gekommen. Er wurde direkt in eine Pflegefamilie gegeben – die er jetzt sucht. Foto: t

„Ich gehe davon aus, dass diese Leute nun auch Senioren sind“, sagt Beumker, „und ich möchte, bevor sie sterben, unbedingt Kontakt mit ihnen aufnehmen, sie kennenlernen. Und mich vor allem bei ihnen zu bedanken. Sie scheinen mir einiges an Liebe und Geborgenheit vermittelt zu haben.“ Bei seiner leiblichen Familie war das anders. Beumker weiß, dass seine Eltern bei seiner Geburt Probleme mit Drogen hatten. Ob das der Grund war, warum er in eine Pflegefamilie kam, hat er nie erfahren. Seine vier Geschwister, sagt er, hätten ähnliche Biografien. Pflegefamilie, Heimaufenthalte, aber zwischendurch auch wieder Zeit bei den leiblichen Eltern. Inzwischen sind die Eltern geschieden, der Vater ist alkoholkrank, die Mutter in der Psychiatrie. Sie schweigen. Oder weichen aus.

Beumker hat nicht aufgegeben und etliche Anläufe genommen, um herauszufinden, bei wem er großgeworden ist. Natürlich erstmal bei den anderen Familienmitgliedern, doch auch sie schweigen über diesen, seinen Lebensabschnitt. „Über alles, was mit der Kindheit zu tun hat, liegt in unserer Familie sozusagen ein großes Tuch. Das einzige, was mein Vater mir sagen wollte, ist, dass es eine recht junge Familie aus Warendorf war, die mich aufgenommen hat“, sagt Jürgen Beumker.

Nachdem er in der Verwandtschaft nicht weitergekommen ist und auch die Geschwister nichts wissen oder nichts sagen wollen, hat er die Ämter abgeklappert. Doch weder Jugendamt, noch Einwohnermeldeamt oder das Krankenhaus, in dem er auf die Welt gekommen ist, können ihm weiterhelfen. Es liegen keine Unterlagen mehr vor.

Deshalb hat er sich jetzt entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Er hofft, dass seine Pflegeeltern erfahren, dass er sie sucht. Oder dass Nachbarn oder Freunde der Pflegefamilie sich an den kleinen Jürgen erinnern, der immerhin rund zwei Jahre in dieser Familie gelebt hat. „Ich möchte Danke sagen, denn ohne meine Pflegeeltern wäre ich heute sicher nicht der, der ich bin“, sagt Beumker. Natürlich interessiert ihn auch, was genau damals vorgefallen ist. Wer die Entscheidung gefällt hat, dass er nach der Geburt nicht zu seinen Eltern kommt, sondern unmittelbar in der Pflegefamilie untergebracht wird. Dabei weiß er nicht einmal, ob das, was sein Vater ihm erzählt hat, überhaupt stimmt. „Alles, was mit meiner Kindheit zu tun hat, bis zu meinem sechsten Lebensjahr, ist ein großes, schwarzes Loch“, sagt Beumker. Die Hoffnung will er dennoch nicht aufgeben.

Wer Angaben machen kann, in welcher Familie Jürgen Beumker aufgewachsen ist, wird gebeten sich bei uns in der Redaktion zu melden: ✆ 0 25 81/93 48 60 oder redaktion.war@wn.de.

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