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"Inklusion findet nicht mehr statt"

Schwerstbehinderter fühlt sich vom Impfplan benachteiligt und startet Petition

Warendorf

Der Warendorfer Christian Homburg sieht sich benachteiligt. Im Impfplan stehe er mit seiner schweren Behinderung zu weit hinten, und auch das Thema Inklusion finde in Corona-Zeiten so gut wie gar nicht statt, beklagt der 24-Jährige.

Jonas Wiening

Christian Homburg fühlt sich durch den Impfplan der Bundesregierung benachteiligt. Nun hat er eine Petition verfasst, mit der er Entscheidungsträger auffordern will, schwer behinderte Menschen außerhalb von Pflegeeinrichtungen nicht zu vergessen. Foto: privat

Christian Homburg leidet an Muskeldystrophie Duchenne, einer schweren Form von Muskelschwund. Der 24-jährige Warendorfer ist seit seiner Kindheit auf einen Rollstuhl angewiesen. Anders als viele Schwerbehinderte, wohnt Homburg in keinem Heim, sondern zuhause. In einem 24-Stunden-Assistenz-Modell kümmern sich Pflegekräfte um ihn. „Insgesamt sind neun Leute in meinem Team“, erzählt Homburg im Gespräch mit unserer Zeitung. Neun Leute, mit denen er in engem Kontakt ist. In Corona-Zeiten eine schwierige Situation.

Nur noch geringeres Lungenvolumen

„Der Muskelschwund wirkt sich auf die Atmungsmuskulatur aus, wodurch ich nur noch 20 Prozent meines Lungenvolumens besitze“, erklärt der Warendorfer. Er ist also ein Höchstrisikofall. Eine Infektion mit dem Coronavirus wäre für ihn lebensgefährlich. Deswegen hofft der 24-Jährige, dass er so schnell wie möglich geimpft wird. „Doch die Bundesregierung scheint mich im Impfplan einfach vergessen zu haben“, beklagt er. Schwerstbehinderte in den Heimen stehen im Impfplan weit vorne, dadurch, dass er aber zuhause wohnt, fällt er nicht unter diese Gruppe. „Ich bin mindestens genauso gefährdet, wie die Menschen in den Heimen, soll aber wahrscheinlich erst ein halbes Jahr später geimpft werden“, ärgert sich Christian Homburg. Er will niemandem etwas Böses unterstellen, sieht sich und andere Schwerstbehinderte in der ambulanten Pflege aber komplett vergessen.

„In erster Linie geht es natürlich darum, dass ich mein Infektionsrisiko senken möchte“, sagt Homburg. Aber ebenfalls sehr wichtig seien ihm soziale Teilhabe am öffentlichen Leben und die Kontakte. Der 24-Jährige, der als technischer Produktdesigner bei ThyssenKrupp in Beckum arbeitet, ist seit März 2020 im Home-Office. Und auch sonst habe er alle persönlichen Kontakte eingestellt oder so gut es geht minimiert.

„Durch die Corona-Krise findet Inklusion nicht mehr statt“, sagt Homburg gegenüber unserer Zeitung. Davon betroffen seien alle schwerstbehinderten Risikofälle. Eine Impfung sei die größte Hoffnung auf Besserung. „Wahrscheinlich die einzige Möglichkeit der dauerhaften Selbst-Quarantäne, Isolation und Angst zu entkommen“, glaubt Homburg, der deshalb nicht versteht, warum er so weit hinten im Impfplan eingruppiert ist. Jeder Tag, jede Woche könne entscheidend sein.

Petition an Regierung gerichtet

Christian Homburg kann nicht verstehen, dass Lehrer, Polizisten oder Streitkräfte gleichzeitig oder sogar eher als er geimpft würden. „Das kann nicht sein“, sagt Homburg, der aber betont, dass er niemandem die Dringlichkeit einer Impfung absprechen möchte. Auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums ist die festgelegte Priorisierung einsehbar. Warum Menschen wie Christian Homburg nicht unter „hohe“ oder „höchste Priorität“ eingestuft sind, wollte unsere Zeitung vom Gesundheitsministerium wissen. Bis zum Redaktionsschluss gab es allerdings keine Antwort. „Ich bin aber niemand, der den Kopf in den Sand steckt. Damit fange ich auch jetzt nicht an“, stellt der 24-Jährige klar.

Deshalb hat er jetzt eine Petition verfasst. Dort fordert er die Entscheidungsträger in der Corona-Krise, die Regierung und Institutionen, dazu auf, schwer behinderte Menschen außerhalb von Pflegeeinrichtungen nicht beim Impfschutz zu vergessen und in Impfgruppe eins oder zwei aufzuführen.

Bereits am Dienstag haben schon fast 1000 Menschen die Petition von Christian Homburg unterschrieben. Er hofft jetzt auf noch mehr Unterstützer und den Erfolg seiner Petition.

Christian Homburg genießt im Rollstuhl den Blick über den Warendorfer Emssee. Foto: privat
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