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Netzwerktreffen der Tschernobyl-Initiativen

Sorge um die Lage in Belarus

Warendorf

Um auf die derzeitige Lage in Belarus aufmerksam zu machen und über aktuelle Entwicklungen zu informieren, fand ein gemeinsam von der Amnesty-International-Gruppe-Warendorf und der Informationsstelle Tschernobyl e.V. Münster veranstalteter Vortrag mit anschließender Diskussion im Hotel „Im Engel“ in Warendorf statt.

-emil-

Peter Bloemen und Konrad Schoppmann von Amnesty-International-Warendorf, Darja Dergatschewa und Dr. Dmitry Chigrin vom Verein RAZAM sowie der Vorstand der Informationsstelle Tschernobyl e.V. Münster, Hannelore Schulz, Claire Mesch und Reinhard Jansing (v.l.). Foto: Emil Schoppmann

Noch immer ist die politische Situation in Belarus seit der Wahl vom 9. August 2020 brisant. Erst kürzlich wurde die bekannte Regierungskritikerin Maria Kolesnikowa zu elf und ihr Anwalt Maxim Snak zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Unter den Zuhörern befanden sich Verantwortliche der Tschernobyl-Initiativen aus Freckenhorst, Milte, Beckum, Bergneustadt, Buldern, Coesfeld, Detmold, Ibbenbüren und Lohmar, Freckenhorst und Milte. Eingeladen waren Darja Dergatschewa und Dr. Dmitry Chigrin, die sich im Verein RAZAM für die belarussische Demokratiebewegung engagieren. Die beiden Referenten informierten zunächst allgemein über das in der Mitte Europas liegende Land Belarus, um dann detailliert auf die derzeitige politische Lage einzugehen. Seit nunmehr 27 Jahren ist Alexander Lukaschenko an der Macht, der als „letzter Diktator Europas“ gilt und sein Land mit autoritärer Hand führt. Weil sie Wahlfälschung vermuteten, gingen vergangenes Jahr Hunderttausende Menschen gegen das System Lukaschenko auf die Straße. Bis heute reagiert das Regime auf die friedliche Protestbewegung mit Gewalt und Massenverhaftungen. Mit Stand vom 14. September habe es in Belarus über 35 000 Festnahmen und 675 politische Gefangene gegeben, und die Zahlen würden täglich steigen.

Zwar sei offener Protest in Belarus so gut wie nicht mehr möglich, dennoch formierten sich neue Formen des Widerstandes. Im Verein Belarussische Gemeinschaft RAZAM („gemeinsam“) e.V. haben sich belarussische Aktivisten in Deutschland zusammengetan. Sie geben der bedrängten Opposition in ihrer Heimat eine Stimme. Mit Spenden und Kunstaktionen setzt sich der Verein für belarussische Geflüchtete und politische Gefangene ein. „Der Westen muss ein klares Statement setzen“, forderten auch Dergatschewa und Chigrin in ihrem Vortrag mehr Solidarität von der deutschen und europäischen Öffentlichkeit.

Bei der anschließenden Diskussion wurden die konkreten Folgen für die Tschernobyl-Initiativen im Münsterland deutlich. Seit zwei Jahren konnten die Erholungsfreizeiten für Kinder aus Strahlungsgebieten nun bereits nicht mehr durchgeführt werden. Corona, dessen Gefahr von der belarussischen Regierung verharmlost wird, hat die Situation zusätzlich verschärft. Viele der Beteiligten hätten Angst, durch offene Kritik das Verhältnis zu ihren belarussischen Partnern in Gefahr zu bringen. Dabei hätten die letzten Jahre gezeigt, wie wertvoll der länderübergreifende Austausch für alle Beteiligten sei: Begegnungen der belarussischen Kinder mit den deutschen Gastfamilien hätten zum Teil lang anhaltende Freundschaften hervorgebracht und seien Zeichen einer gelebten Völkerverständigung.

„Wir brauchen Sie als Politiker, um unsere Arbeit fortsetzen zu können.“, appellierte Claire Mesch, 1. Vorsitzende der Informationsstelle Tschernobyl und Sprecherin der Tschernobyl-Initiative in Milte deshalb an die anwesenden Bundestagskandidaten Bernhard Daldrup (SPD) und Henning Rehbaum (CDU). Beide Politiker versprachen, sich trotz der schwierigen Lage für die Thematik stark zu machen. Auch wenn zurzeit ungewiss bleibt, wann sich die aktuellen Umständen ändern, hoffen die Verantwortlichen, dass die Erholungsreisen so bald wie möglich wieder stattfinden können.

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