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Jahresbericht der Frauenberatungsstelle

Spaziergang wird zur Beratung

Warendorf

Wer häusliche Gewalt erlebt oder gestalkt wird, braucht schnelle Hilfe und Unterstützung, um aus der unerträglichen Situation rauszukommen. In der Frauenberatungsstelle in Warendorf stehen die Mitarbeiterinnen, trotz Corona-Einschränkungen weiterhin mit Rat und Tat Betroffenen zur Seite.

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Katharina Schildheuer und Anke Wiemann (v.l.) stellen den Jahresbericht 2020 der Frauenberatungsstelle Warendorf vor. Foto: Rebecca Lek

Wer häusliche Gewalt erlebt oder gestalkt wird, braucht schnelle Hilfe und Unterstützung, um aus der unerträglichen Situation rauszukommen. In der Frauenberatungsstelle in Warendorf stehen die Mitarbeiterinnen, trotz Corona-Einschränkungen weiterhin mit Rat und Tat Betroffenen zur Seite.

Die Corona-Pandemie hat Deutschland seit gut einem Jahr im Griff. Da sich Beratungsstellen und Einrichtungen im Lockdown befanden, tauchten weniger Vorfälle von häuslicher Gewalt in der Statistik auf. Dazu Katharina Schildheuer und Anke Wiemann von der Frauenberatungsstelle in Warendorf: „Im ersten halben Jahr hatten wir fast keine Beratungsgespräche.

Viele fragten sich, ob sie in der Situation überhaupt irgendwo Unterstützung erhalten können“, erzählt Katharina Schildheuer bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2020. Nachdem die Politik das Thema jedoch stark aufgriff, gab es immer mehr Anfragen in der Frauenberatungsstelle.

Obwohl das erste Halbjahr schleppend verlief, gab es so viele Betreuungsgespräche wie noch nie. „Im Lockdown fielen alltägliche Wege weg, oft waren die Familien mit Homeschooling und Homeoffice völlig isoliert. Das hat es erschwert, sich Hilfe zu holen“, berichtet Anke Wiemann.

Ein weiteres Problem sei die fehlende Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Instanzen, aufgrund der Schließungen gewesen. „Das System war auf einmal sehr löchrig. Wir bekommen oft Frauen über die Schulsozialarbeit, Kindergärten, Sozialamt oder Hausärzte zugewiesen. Im Lockdown gab es mit den Frauen keine Berührungspunkte“, so Wiemann weiter.

Während das Altersspektrum im Vergleich zu den Vorjahren gleich blieb (Schwerpunkt 26 bis 40 Jahre), gab es auch Ausreißer. Jugendliche im Alter von 14 Jahren standen vor der Tür, ebenso wie eine 80-jährige Dame, die um Hilfe bat. Die Beratungsgründe waren dabei sehr unterschiedlich. 63 Prozent der Frauen suchten die Beratungsstelle auf, nachdem sie Gewalt erfahren hatten. 410 Frauen (Vorjahr 413) wurden in 1245 (Vorjahr 1137) Beratungsgesprächen betreut.

Durch die Pandemie mussten die Beratungstermine vor allem kreativ gestaltet werden, denn zu Beginn waren Treffen untersagt. „Vieles lief virtuell ab. Aber auch das ist schwierig, wenn der Partner oder die Kinder vielleicht nur einen Raum weiter sitzen. Später boten wir auch "Walk and talk" an. Wir sind also spazieren gegangen bei den Beratungsgesprächen“, erklärt Schildheuer. Bei der älteren Generation griff Wiemann auf Briefe und Telefonanrufe zurück. „Ich glaube, ohne Corona wäre ich nie auf diese Idee gekommen“, gesteht die Diplom-Pädagogin.

Insgesamt scheint sich die Lage auch nach dem langen Lockdown noch nicht zu entspannen. „Die Therapeuten sind sehr ausgelastet. Nach stationärer Betreuung fehlt auch der therapeutische Anschluss. Wir haben schon immer die Überbrückung übernommen, aber die Wartezeiten sind sehr lang geworden“, bedauert Wiemann. Kapazitäten in der Beratungsstelle würden bei Anfragen allerdings immer geschaffen. Im Regelfall kann ein Ersttermin binnen vierzehn Tagen vergeben werden. „Wir sind konsequent erreichbar. Sollten wir gerade in einer Beratung sitzen und nicht als Telefon gehen, kann man auch immer eine Email schreiben.“

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