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Warendorf

Synagoge: Alle an einem Tisch

Christoph Lowinski

Warendorf - Tagelang beherrschte der Streit um die Zukunft der ehemaligen Warendorfer Synagoge an der Freckenhorster Straße die Leserbriefspalten dieser Zeitung. Ein Streit der einerseits geprägt war vom Wunsch, einen zentralen Punkt der Gedenkens an das jüdische Leben in Warendorf auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Auf der anderen Seite das nachvollziehbare Interesse, eine lange ungenutzte private Immobilie nun auch privat zu nutzen.

Die unterschiedlichen Meinungen und Interessen sind bei einem klärenden Gespräch, zu dem Bürgermeister Jochen Walter die Kritiker des Warendorfer Verwaltungshandelns eingeladen hatte, noch einmal auf den Tisch gekommen. Das Ergebnis war positiv. Nicht nur, weil die Atmosphäre gut war, sondern weil man sich auch darauf verständigen konnte, wie in Zukunft die „Erinnerungskultur gegen das Vergessen“ in Warendorf gepflegt werden kann.

Bürgermeister Walter würdigte die Diskussionsbeiträge der vergangenen Wochen und Monate. „Ich danke Ihnen, dass Sie sich für diese Stadt einsetzen und auch, dass Sie sich kritisch eingesetzt haben“, erklärte er. Gleichzeitig bat er darum, den Blick nun nach vorne zu richten. Er schlug vor, Konzepte, Strategien und Partnerschaften zu begründen, um die gescheiterte museale Nutzung des Betraums in der ehemaligen Synagoge zu kompensieren.

Beidem Treffen wurden unterschiedliche Vorschläge offen und konstruktiv diskutiert, so der Bürgermeister. Man einigte sich darauf, dass Forschungen von Laurenz Sandmann und Matthias M. Ester genutzt werden sollen, um die lokale, regionale, soziale und kulturelle Bedeutung der ehemaligen Synagoge zu dokumentieren. Sharon Fehr (Jüdische Gemeinde Münster) warnte allerdings davor, die historisch bedeutsame Synagoge als authentischen Ort des Gedenkens aufzugeben. „Die Botschaft des Gebäudes darf im Gedächtnis der Bevölkerung nicht verloren gehen, sie muss mit neuen Anstrengungen dargestellt und vermittelt werden“, resümierte Matthias M. Ester für den Arbeitskreis Jüdisches Leben in Warendorf.

Es wurde vereinbart, dass eine Tafel Passanten und Touristen künftig über die Bedeutung des Hauses informieren soll. Die Stadtverwaltung will den öffentlichen Zugang zur Synagoge, die von allen Beteiligten als wesentliches Element betrachtet wird, rechtlich absichern. Die Synagoge soll in den historischen Stadtrundgang einbezogen und in den laufenden Stadtführungen thematisiert werden. Zudem wurde angeregt, Veranstaltungen, beispielsweise aus dem Programm der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, in Zukunft auch in Warendorf anzubieten. Dies könne dem Gedenken an das Schicksal der jüdischen Bürger Warendorfs und ihres religiösen Lebens in der Synagoge dienen, so Pfarrer Jürgen Hülsmann.

Bürgermeister Jochen Walter würdigte nach dem Treffen den ausgeprägten Willen aller Beteiligten, ein überzeugendes Konzept auf die Beine zu stellen. Dazu will die Verwaltung ihren Beitrag leisten: „Wir wollen uns künftig mit Veranstaltungen und Initiativen vor allem an die jüngere Generation wenden, um an das Leben der Juden in Warendorf zu erinnern, ihres Schicksals zu gedenken sowie Mahnung und Verantwortung wach zu halten. Die Stadt Warendorf, die Paul Spiegel die Ehrenbürgerwürde verliehen hat, fühlt sich diesem Ziel verpflichtet.“

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