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Ausstellung „Leinen-Los!“

Textile Kunstwerke im Kreuzgang

Warendorf

Nur einen Bruchteil ihrer kunstvoll gearbeiteten Quilts kann die Warendorfer Textilkünstlerin Brigitte Kumpf ab heute im Kreuzgang des Westpreußischen Landesmuseums ausstellen. In mehr als 30 Jahren schuf die 71-jährige mehr als 200 dieser ganz besonderen „Steppdecken“.

Von Joke Brocker

An eine Reise nach Neuseeland erinnert dieser mit Farnen bedruckte Quilt. Mit der Nähmaschine hat die ohne Vorlagen arbeitende Textilkünstlerin Brigitte Kumpf Stamm-Querschnitte nebst Jahresringen nachempfunden (oben). Foto: Joke Brocker

Als Brigitte Kumpf vor mehr als 30 Jahren im Kurs-Programm des Hauses der Familie erstmals das Wort „Quilten“ las, wunderte sie sich über das merkwürdige Wort; und meldete sich an. Gleich am ersten Abend hatte sie das Quilt-Fieber gepackt – und bis heute nicht mehr losgelassen.

Zum einen ist sie der Geschichte der aus unterschiedlichen Stoffen zusammengesetzten, meist dreilagigen Decken, intensiv auf den Grund gegangen. Zum anderen hat sie in drei Jahrzehnten mehr als 200 Quilts gefertigt, Werke, die längst die traditionellen Wege des Quilts verlassen haben. Einige dieser textilen Kunstwerke sind von heute bis zum 16. Januar im Kreuzgang des Westpreußischen Landesmuseums ausgestellt.

Ursprung im Orient

Im Mittelalter, erzählt die pensionierte Lehrerin, die Musik und evangelische Theologie studiert hat, hätten Quilts, die ihren Ursprung im Orient haben, den Kreuzrittern als wärmende Schutzwesten gedient. Im 20. Jahrhundert habe sich aus dem sogenannten Quilten eine eigene Kunstform entwickelt, die in Pennsylvania vor allem die aus dem Elsass stammenden Amischen zur Blüte gebracht hätten. Die Amish People in Kanada fertigen noch heute von Hand aufwendige Patchwork-Quilts. 13 dieser Decken, die, je nach Muster, unterschiedliche Namen, etwa „Maple Leaf (Ahornblatt), hatten und als Bettdecken genutzt wurden, habe man Bräuten zur Hochzeit geschenkt, weiß Brigitte Kumpf um eine amerikanische Tradition.

Sie selbst hat sich der Kunst des Quiltens mit der Nähmaschine verschrieben. Schon als Kind hatte es der heute 71-Jährigen die Nähmaschine der Großmutter angetan. Als Erwachsene nähte sie auf dieser Maschine zunächst Kleidungsstücke, später ihre kunstvollen Quilts, die schon in zahlreichen Ausstellungen, vor allem im Ausland, aber auch bei internationalen Wettbewerben zu sehen waren.

Leinen, Jeans, Baumwolle, Dekostoffe, zarte Seide oder hauchzarter Organza, den Kumpf auch schon einmal mit Tee einfärbt – das sind die Stoffe, aus denen die Schauseite, die Zwischenlage und die Unterseite der Quilts bestehen. Dekorativ verbunden werden die drei Lagen mit Hilfe der Nähmaschine, die deutlich sichtbare Steppnähte, die Quiltlinien, hinterlässt.

Quilts werden zur Leinwand

Zuweilen werden die Quilts zur Leinwand. So hat Brigitte Kumpf ihre Arbeit „Aotearoa“ (so nannten die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, die Inseln im Südpazifik), eines der Werke, die ab heute im Westpreußischen Landesmuseum zu sehen sind, mit überdimensionalen Farnen bedruckt. Neben den riesigen Farngewächsen hätten sie auch die mächtigen Baumstämme beeindruckt, erzählt Kumpf im Pressegespräch von den nachhaltigen Eindrücken einer Reise nach Neuseeland. Mit der Nähmaschine hat die ohne Vorlagen arbeitende Künstlerin Stamm-Querschnitte nebst Jahresringen nachempfunden.

Zu sehen sind in der aktuellen Ausstellung „Leinen-Los!“ ausschließlich Quilts, in denen Leinen verarbeitet worden ist. Ein Material, das seit Jahrhunderten in unterschiedlichsten Formen verarbeitet wird – auch bei der Fertigung von Quilts.

Aus handbedruckten, teilweise selbst gefärbten Leinenstücken der niederländischen Firma Paapje hat Brigitte Kumpf dreilagige, mit den charakteristischen Quiltlinien versehene, farbenfrohe Quilts geschaffen.

Außerdem verarbeitete sie handgewebtes Bauernleinen, das sie auf dem Leinenmarkt in Tecklenburg erworben hat und das aus einem Kloster im Tecklenburger Land stammen soll.

„Ich wollte die Arbeit der Frauen würdigen, die das Leinen gewebt haben“, begründet die 71-Jährige, warum sie ganz bewusst vom traditionellen Quilten abgewichen ist, indem sie auf die Zwischenlage verzichtete.

Anrührend ist ein Fundstück, das erste Näh-Versuche – möglicherweise eines Kindes – auf einem Leinentuch zeigt. Die Textilkünstlerin hat es auf einen Untergrund aus Leinen genäht und nicht weiter bearbeitet.

Weil sie in der Ausstellung natürlich nur einen winzigen Bruchteil ihres Schaffens zeigen kann, hält die Künstlerin am Eingang eine Mappe bereit, die dem Betrachter ihr Talent und ihre Vielseitigkeit eindrucksvoll vor Augen führt.

Dornröschen-Dasein im Rollenschrank

Wer mehr über die textilen Kunstwerke erfahren möchte, die aus Platzgründen meist ein Dornröschen-Dasein in einem Rollenschrank fristen, ist zu Künstlergesprächen im Rahmen der Ausstellung eingeladen. Diese finden am Freitag (22. Oktober), 16 Uhr, Sonntag (21. November), 15 Uhr, Donnerstag (9. Dezember), 17 Uhr, sowie Sonntag (16. Januar), 15 Uhr, statt. Um Voranmeldung unter   0 25 81 / 9 27 77 10 bis zum Vortag wird gebeten.

Der Eintritt beträgt 2,50 Euro. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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