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Rede von Pfarrer Herwig Behring

„Überfall hat die Welt verändert“

Warendorf

Mehrere Hundert Menschen lauschten auf der Friedenskundgebung am Montagabend der Rede von Pfarrer Herwig Behring.

Von und

900 Menschen hatten sich am Montagabend in Warendorf versammelt, um ihrem Protest gegen den Krieg in der Ukraine Ausdruck zu verleihen. Zunächst war von weniger Teilnehmern ausgegangen worden. Foto: Joachim Edler

Aus Anlass der Friedenskundgebung am Montagabend auf dem Marktplatz sprach auch Pfarrer Herwig Behring zu den 900 Teilnehmern. Seine Rede veröffentlichen die Westfälischen Nachrichten an dieser Stelle im Wortlaut:

„Lassen Sie mich persönlich beginnen: Vor 40 Jahren habe ich den Kriegsdienst aus voller Überzeugung verweigert und anschließend 16 Monate lang Zivildienst in einer Einrichtung für psychisch erkrankte Menschen geleistet.

Der verbrecherische Überfall auf die Ukraine hat die Welt verändert – und auch mich. Es gibt gute Gründe gegen Waffenlieferungen, aber die Ukraine jetzt im Kampf gegen eine militärische Übermacht nicht zu unterstützen, wäre in meinen Augen unterlassene Hilfeleistung. Jedem muss die Absurdität dieses Krieges aus reinem Machtkalkül deutlich sein.

„Es geht uns alle an.“

Auch wenn die Geschichte sich nicht wiederholt, fallen Parallelen zum Überfall von Nazi-Deutschland auf Polen am 1. September 1939 auf. Das muss uns umso wachsamer machen. Es geht uns alle an, weil wir nicht tatenlos zusehen dürfen, wie ein Despot ein Land mit Gewalt überzieht und unermessliches Leid, Not und Tod verursacht.

Dieser Krieg hätte nie begonnen werden dürfen. Die Folgen sind unabsehbar, genauso wie 1939. Rückblickend auf den Zweiten Weltkrieg hat die Evangelische Kirche in Deutschland am 18./19. Oktober 1945 die Stuttgarter Schulderklärung verfasst. Darin klagt die Evangelische Kirche sich an, gegen das NS-Gewaltregime ,nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und brennender geliebt‘ zu haben.

„Wir müssen zusammenstehen.“

Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen. Wir müssen zusammenstehen, alle miteinander, um ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine und ein deutliches Zeichen des Widerspruchs gegen diesen Krieg zu setzen.

Lasst uns zusammenstehen, um der Gewalt und der Menschenverachtung entgegenzutreten und um die Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung zu unterstützen. Putin darf nicht siegen, und Putin wird nicht siegen.

Auch hier leben viele Menschen mit Kontakten nach Russland. Ruft Eure Bekannten in Russland an, sprecht mit ihnen, schreibt ihnen und berichtet ihnen, was in der Ukraine geschieht. Damit die Propaganda entlarvt wird und die Menschen in Russland die Wahrheit über den Krieg erfahren.

„Putin ist nicht Russland.“

Putin ist nicht Russland, und Russland ist nicht Putin. Auch wenn sich jetzt nur wenige in Russland trauen, gegen den Krieg aufzustehen, kann sich das schon bald ändern. Wir brauchen den Widerspruch zum Krieg, von außen und genauso in Russland auch. Geben wir die Hoffnung auf einen Wandel in Russland nicht auf.

Lasst uns mutiger bekennen, treuer beten, fröhlicher glauben und brennender lieben, als Präsident Putin und seine Berater es jemals für möglich gehalten hätten. Wir sind nicht ohnmächtig, wir können helfen, solidarisch sein, Flüchtlinge aufnehmen, Hilfsgüter schicken und eigene Einschränkungen in Kauf nehmen. Vieles wird für uns teurer werden, aber die Menschen in der Ukraine zahlen einen unendlich höheren Preis. Wir können ihren Mut und ihre Bereitschaft, sich der militärischen Übermacht entgegenzustellen, nur bewundern. Lasst uns sie nach Kräften unterstützen und ihre Widerstandskraft stärken, damit weder Panzer noch Raketen sie brechen kann.

Gestern in Berlin und heute in Köln ist deutlich geworden, wie viele wir sind. Das ist beeindruckend und macht Mut, noch weiter zusammenzustehen für die Menschen in der Ukraine und gegen diesen menschenverbrecherischen Krieg. Dieser Krieg darf nicht das letzte Wort behalten.“

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