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VHS-Lesung mit Journalist und Autor Hajo Seppelt

Unterwelt des Spitzensports

Warendorf

Um Russland, so scheint es, kommt man beim Thema Doping nicht herum. „Auf kleiner Flamme“ habe er erlebt, was es heiße, in Russland als Journalist tätig zu sein oder von russischen Medien an den Pranger gestellt zu werden. Das berichtete Journalist und Autor Hajo Seppelt seiner Zuhörerschaft im Sophiensaal im Rahmen einer Lesung.

Von Andreas Engbert

Der Journalist und Autor Hajo Seppelt gilt als ausgewiesener Experte zum Thema „Doping“. Er nahm sein Publikum mit in die „Unterwelt des Spitzensports“. Foto: Andreas Engbert

Einen Ausflug in die Schattenwelten und Hintergründe des Profisports unternahmen die Besucher der VHS-Lesung am Dienstag im Sophiensaal. Der Journalist und Autor Hajo Seppelt gilt als ausgewiesener Experte in der Dopingwelt des Spitzensports auf vielen Ebenen. Er las aus seinem 2019 erschienenen Buch „Feinde des Sports – Undercover in der Unterwelt des Spitzensports“, gab Hintergründe zu den beschriebenen Ereignissen und ordnete sie ein – auch vor der aktuellen Invasion Russlands in die Ukraine.

Denn um Russland, so scheint es, kommt man beim Thema Doping nicht herum. „Auf kleiner Flamme“ habe er erlebt, was es heiße, in Russland als Journalist tätig zu sein oder von russischen Medien an den Pranger gestellt zu werden. Er sei dabei jedoch nicht das Hauptziel gewesen, würdigte er den Mut der „Whistleblower“, als der Insider des Russischen Dopingsumpfes, die ihn bei seinen Recherchen mit Informationen versorgt haben. Im Buch beschrieb er ein Treffen mit einem russischen Wissenschaftler, von dem er 2014 mittels Theaterbart und erfundenen Geschichten eine Probe des damals neuartigen Dopingmittels „Full Size MGF“, ein stark wirkendes Muskelwachstumsmittel, erhielt. Daraus ergaben sich, so beschreibt er im Buch, dann weitere Rechercheaufgaben auch im Auftrag der internationalen Anti-Dopingagentur. Diese mündeten letztlich darin, dass er dem Ehepaar Julia und Vitaliy Stephanov, die ihn mit Beweisen versorgt hatte, die Ausreise in die USA ermöglichen musste, bevor er seine Erkenntnisse veröffentlichen konnte.

Einblicke in einen Mikrokosmos des russischen Sports

Der Einblick in diesen „Mikrokosmos“ des russischen Sports sei ein „Beispiel dafür, mit welcher Aggression, mit welcher unglaublichen Raffinesse, mit welcher Unverfrorenheit manche Menschen in diesem Land leider glauben, über dem Recht zu stehen“, schlug er erneut die Brücke zum Ukrainekrieg.

Eine Brücke, die er auch auf die Nachfrage aus dem Publikum schlug, in wie weit den Sportlern das Doping bewusst sei. Es existiere eine „Kultur der Manipulation“, die sich nur über Generationen ändern lasse. Doping sei dort eine Systemschuld, keine Individualschuld der Athleten, auch wenn diese immer auch eine gewisse Verantwortung trügen.

Anhand des Kapitels, das sich den Untersuchungen den Dopingverd

Hajo Seppelt nahm die Zuhörerschaft mit in die Welt des Sports und ihrer Schattenseiten. Foto: Foto: Andreas Engbert

acht der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein widmet, erläuterte Seppelt, wie komplex das Themengebiet Doping sei. Er erklärte verschiedene Methoden des Blutdopings und erläutert anhand des Falls Pechstein, wie verschiedene Verbände zu unterschiedlichen Zeitpunkten verschiedenste Einschätzungen und Regelungen abgegeben hätten. Auch BKA-Ermittlungen inklusive Telefonabhörmaßnahmen beschreibt Seppelt im Buch. Die Sportlerin selbst habe aufgrund seiner Berichterstattung von 2011 noch bei den Winterspielen 2022 ein Interview verweigert. „Am Ende ist sie freigesprochen worden“, resümiert er und sagt zur Rolle der Reporter: „Wir sind nur Beobachter.“ Doping finde immer dort statt, wo er unbeobachtet sei. Der Sport an sich habe kein Interesse an der Aufklärung von Doping: „Wird Doping nicht erkannt, profitieren alle“, verweist er auf Erfolge von Sportlern und Trainern, Sportverbänden und Fernsehsendern, die sich über großes Interesse freuen und Zuschauern, die spannende Sportereignisse mit großen Leistungen sehen wollten. „Anti-Doping muss unabhängig von Sportverbänden sein“, forderte er abschließend.

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