Bezirksausschuss diskutiert über Dorfplatz in Müssingen

Variantenvergleich statt Wäldchen

Einen-Müssingen

„Der Dorfplatz ist gewünscht“, gab der Milteraner Dr. Hermann Mesch den Eindruck, den er bei der Begehung im Zuge der Aktion „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen hatte, am Mittwochabend während einer hitzigen Debatte um eben diesen geplanten Platz am Heideweg wieder. Darüber, wie so ein Platz auszusehen hat, gehen die Meinungen allerdings weit auseinander.

Joke Brocker

Während die SPD sich für den Erhalt des Wäldchens am Heideweg stark macht, was im Sinne des Inhabers der Gaststätte „Zum Fensterberg“ wäre, möchte die CDU sich bei der Überplanung des städtischen Geländes nicht einschränken lassen. Foto: Joke Brocker

Die örtliche SPD-Fraktion hatte beantragt, das mittlerweile städtische Wäldchen vis-à-vis der Gaststätte „Zum Fensterberg“ zu erhalten, eine Wohnbebauung dort unbedingt zu verhindern und eine private Maßnahme des Gastronomen-Ehepaars Thönissen-Beermann zur Aufwertung des Wäldchens durch Sitzecke, Infotafeln und E-Bike-Tankstelle zu unterstützen. Auch, um den Wirtsleuten Existenzängste zu nehmen und eine gewisse Planungssicherheit zu geben.

Ortsunionsvorsitzender Stephan Schulze Westhoff

Die Ortsunion, froh über den Erwerb der Flächen durch die Stadt, lehnte sämtliche Anträge ab. Gleichwohl beteuerte Mitglied Mechtildis Wissmann, daran erinnernd, dass Politiker „Dienstleister für den Bürger“ seien, dass die Planung „völlig offen sei.“ Man wolle sich aber durch den Wunsch der SPD, das Wäldchen zu erhalten, nicht von vornherein einschränken lassen. „Wir wollen uns keine Denkverbote auferlegen lassen“, bekräftigte Ortsunionsvorsitzender Stephan Schulze Westhoff, der den Sozialdemokraten hinsichtlich ihres Ansinnens, das Wäldchen zu erhalten, ein „populistisches Hinterherlaufen“ unterstellte.

CDU will Variantenvergleich

Die CDU wünsche sich in enger Abstimmung mit den Bedarfen der örtlichen Vereine und der Dorfgemeinschaft einen Variantenvergleich mehrerer Möglichkeiten einer Dorfplatzgestaltung, stellte Mechtildis Wissmann klar. Sie erinnerte daran, dass das Interesse der Dorfbewohner an dem Thema in einem Moderationsverfahren der Dorfwerkstatt vor sechs Jahren eher verhalten war.

Die Einenerin betonte, dass für einen Dorfplatz auch die örtliche Gastronomie von besonderer Bedeutung sei und zitierte aus dem CDU-Antrag, dass im Rahmen der Gesamtkonzeptentwicklung zusätzliche Möglichkeiten zur Stärkung der ansässigen Gastronomie aufgezeigt werden sollten. „Dabei sollen vor allem die Sicherung und Erweiterung der Außengastronomie angedacht und über einen Bebauungsplan für die Zukunft abgesichert werden“, heißt es wörtlich in dem Antrag, der schließlich auch von der SPD-Fraktion mitgetragen wurde.

Kommentar: Was will der Bürger?

Bei der Diskussion um den Dorfplatz und das Wäldchen haben sich in den vergangenen Wochen fast alle Beteiligten geäußert. Die CDU, der das Wäldchen offenbar herzlich egal ist. Die SPD, die ein Plattmachen der kleinen Lichtung am Heideweg unbedingt verhindern möchte. Der Gastwirt, der die Existenz seines Betriebes durch Neubauten statt Natur vor seiner Tür gefährdet sieht. Aber was ist eigentlich mit den Bürgern, den Bewohnern Müssingens, was mit den Mitgliedern der Vereine? Sie sind seltsam still und lassen die Politiker einfach mal machen. Vielleicht sollten die „Dienstleister des Bürgers“ diesen erst einmal nach seinen Wünschen fragen, ehe konkrete Pläne für die Gestaltung eines Dorfplatzes geschmiedet werden? (von Joke Brocker)

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