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Offener Gesprächsabend nach der Bistums-Missbrauchsstudie

Viele suchen Antworten

Warendorf

Etwa eineinhalb Stunden intensiver Austausch – viele waren dankbar für die Möglichkeit.

Von Jörg Pastoor

Die Pastoralreferenten Ulrich Hagemann und Marion Bause moderierten das offene Gespräch, auch Pfarrer Peter Lenfers war als Ansprechpartner in den Saal des Marien-Pfarrheims gekommen. Foto: Jörg Pastoor

Das Angebot, offen über die Missbrauchsstudie im Bistum und die Kommentierung durch Bischof Felix Genn zu sprechen? Mehrere Teilnehmer fanden es ausdrücklich gut, dass die Gemeinde St. Laurentius das machte. Wohl, weil Wegsehen und -hören ein zentrales Moment war in den Jahren 1945 bis 2020. Und, auch das sagten einige am Dienstagabend, das den Unterschied zeige zwischen gemeindlicher Arbeit vor Ort und jener Amtskirche.

Schwierig zu beantworten fand Peter Lenfers die Frage, wie ein praktizierender Katholik Anfeindungen aus dem persönlichen Umfeld begegnen könne. „Wir müssen nicht den Buckel für Dinge hinhalten, die wir nicht zu verantworten haben“, fand er allerdings. Die eine, alle zufriedenstellende Antwort kenne er aber selbst nicht.

Pfarrer Peter Lenfers über Anfeindungen gegen praktizierende Katholiken

Sicher, wo Lenfers weiter, könne man sich fragen: „Was wäre denn, wenn mal einer Mitra und Bischofsstab auf den Tisch legt und einfach sagt: Ich geh‘?“ Die Kirche sei eben weder demokratisch noch eine Monarchie – es gebe für bestimmte, von den Gläubigen vor Ort gewünschte Abläufe oder Verfahren schlicht und einfach keine Regeln.

Für Benedikt Patzelt, den Leiter des Hauses der Familie, war es wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten, der letztlich zum Auftrag für die Missbrauchsstudien geführt habe. „Wir müssen uns mit den Betroffenen solidarisieren und uns an ihre Seite stellen“, fand Patzelt.

Die Beschäftigung mit der eigenen Antwortlosigkeit zog sich durch die rund eineinhalb Stunden ebenso stringent wie die Frage nach wirkungsvollen Mitteln gegen Priester, die zu Tätern werden. Auch der Staat, so die anwesende von Missbrauch Betroffene, habe seine Hausaufgaben noch nicht gemacht. Verjährungsfristen seien nicht angepasst, durch die Folgen von Missbrauch berufsunfähig gewordene Menschen – ob Männer oder Frauen – hätten bei weitem weniger Unterstützung zu erwarten als klerikale Täter. Das mochte Peter Lenfers nicht relativieren. Er wies aber darauf hin, dass natürlich auch für straffällig gewordene Geistliche die Gesetze angewandt würden – wenn es eine Anzeige gebe.

Antwortlosigkeit und Wunsch nach grundlegenden Änderungen

Marion Bause wies auf die umfangreiche Arbeit für die Missbrauchs-Vorbeugung in der Kinder- und Jugendarbeit hin, für die schon vor Jahren Konzepte installiert wurden. Allerdings erlebe sie in ihrem Alltag nicht selten, wie schwer es sei, bei Menschen das Bewusstsein fürs Zuhören zu wecken. „Das ist schon Dicke-Steine-Kloppen“, so Bause.

Peter Lenfers kündigte zum Abschluss des Abends an, dass der nur ein Auftakt sei. „Mit der Studie ist das alles nicht zu Ende. Die Aufarbeitung ist der Teil, der noch vor uns liegt.“

Lenfers bewertete am Tag danach den Dialogabend im WN-Gespräch. „Es war richtig, es zu machen – und es so zu machen.“

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