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Prozess wegen sexuellen Missbrauchs

War die Anzeige ein Racheakt der 13-Jährigen?

Warendorf

Mehrfach kam es zum Geschlechtsverkehr zwischen dem heute 21-jährigen Mann und der damals 13-Jährigen, die inzwischen seine Frau ist. In der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht erklärte sein Anwalt, die Jugendliche habe seinen Mandanten dazu gedrängt.

Von Christopher Irmler

Ein 21-jähriger Mann steht vor dem Jugendschöffengericht wegen einer sexuellen Beziehung zu einer 13-Jährigen.

Im Juli 2021 ist es in einer Warendorfer Wohnung zum Geschlechtsverkehr zwischen einem heute 21-jährigen Mann und einer zu diesem Zeitpunkt 13-Jährigen gekommen. Aus diesem Grund musste er sich nun am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Sein Verteidiger betonte, sein Mandant habe das tatsächliche Alter der Jugendlichen nicht gekannt, der Verkehr sei einvernehmlich erfolgt. Auch danach sei es mehrfach dazu gekommen – wobei die 13-Jährige seinen Mandanten klar dazu gedrängt habe. Beide gehören einer türkischen Minderheit in Bulgarien an, ihre Väter seien Cousins zweiten Grades, führte der Anwalt weiter aus.

Nach einem klärenden Gespräch der beiden Väter sei die Situation den kulturellen Gepflogenheiten entsprechend damals noch im selben Monat geregelt worden – durch eine erzwungene Hochzeit in Bulgarien, kurz vor dem 14. Geburtstag der Jugendlichen. Erst in diesem Kontext habe der junge Mann das Alter der Sexualpartnerin erfahren. Da sein Mandant weiteren Ärger befürchtet habe, habe dieser spätere Telefonate mit seiner jungen Braut aufgezeichnet. Darin habe sie ihn aufgefordert, weiterhin mit ihm zu schlafen. Ansonsten sei die Ehe sinnlos.

Der heute 21-Jährige habe zwar dem Zusammenleben zugestimmt, weiteren Sex mit Verweis auf deutsches Recht jedoch strikt abgelehnt. Die erfolgte Anzeige sei als Racheakt zu verstehen.

„Alle reden über uns, wir sind doch Mann und Frau.“

In der Folge zitierte der Verteidiger aus den von seinen Mitarbeitern übersetzten Telefonaten. „Alle reden über uns, wir sind doch Mann und Frau“, soll sie demnach vor der Erstattung der Anzeige moniert haben. „Es ist die Zeugin, die darauf drängt, mit dem Angeklagten zu schlafen“, so der Verteidiger, der im Verlauf der Verhandlung auch die Dolmetscherin maßregelte. „Machen Sie Ihre Arbeit bitte richtig“, monierte er Teile ihrer Übersetzungen.

Die Staatsanwältin irritierten die vom Verteidiger verlesenen Gesprächsprotokolle. Es sei nicht nachvollziehbar, warum derartige Beweismittel erst jetzt präsentiert würden.

Der Vorsitzende Richter erinnerte sich an Aussagen des Verteidigers, der bei der Terminierung des Verfahrens im Frühjahr „Aufnahmen aus Bulgarien“ angekündigt habe, die jedoch noch nicht verfügbar seien. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagte danach die heute 15-Jährige aus. Zweieinhalb Stunden nach dem Verhandlungsauftakt stellte der Vorsitzende die Öffentlichkeit kurz wieder her – allerdings nur, um die Auswertung eines USB-Sticks und einen neuen Termin anzukündigen.

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