1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. Wasserverbrauch steigt bedenklich

  8. >

Ordnungsbehördliche Verordnung wäre letztes Mittel

Wasserverbrauch steigt bedenklich

Warendorf

Langanhaltende Trockenheit und Hitzeperioden und obendrein noch Corona: Klimawandel und Pandemie stellen die Stadtwerke Warendorf in diesem Jahr vor besondere Herausforderungen.

Joke Brocker

Ein Feld wird bewässert. Der Frühling war in vielen Regionen regenarm und so sind die Landwirte gezwungen, manche Felder maschinell zu bewässern. Foto: Federico Gambarini/dpa

Langanhaltende Trockenheit und Hitzeperioden als Begleiterscheinungen des Klimawandels, stellen auch die Stadtwerke Warendorf GmbH vor große Herausforderungen. Lag der durchschnittliche Wasserverbrauch an einem Sommertag früher bei etwa 4000 Kubikmetern, seien es 2014 bereits 4900 Kubikmeter pro Tag und im vergangenen Sommer sogar 6657 Kubikmeter täglich gewesen, berichtete Stadtwerke-Geschäftsführer Urs Reitis am Donnerstag im Hauptausschuss: „Das sind 66 Prozent mehr als der normale Tagesbedarf.“ Für die Trinkwasserversorgung sei das eine große Herausforderung, die vor allem aus der Bewässerung der Gärten, gut erkennbar an Spitzen-Entnahmezeiten zwischen 18 und 23.30 Uhr, Pool-Befüllungen und auch aus der Feldbewässerung in der Landwirtschaft resultiere.

In längeren Trocken- und Hitzeperioden könnten die Speicher, die normalerweise abends gefüllt würden, im schlimmsten Fall trocken fallen. Wenn in der Folge Luft in die Leitungen geriete, führe das zu Verkeimungen.

„Das“, warnte Reitis, „darf nicht passieren.“

Neben der Trockenheit machen ihm in diesem Jahr die Covid-Auswirkungen Sorgen, die den Wasserverbrauch ansteigen lassen. Viele Bürger blieben wegen der Pandemie in diesem Sommer vermutlich zuhause, bewässerten ihre Gärten mit Trinkwasser, befüllten Pools, die beim Online-Händler Amazon inzwischen ausverkaufte Alternative zu Freibadbesuchen, die in den nächsten Monaten nur sehr eingeschränkt möglich seien. Bemerkbar machten sich auch die Hygienemaßnahmen. Das regelmäßige Händewaschen führe zu einem höheren Wasserverbrauch.

Um gegenzusteuern, haben die umliegenden Wasserversorger sich auf einen gemeinsamen Maßnahmenplan verständigt. So soll die Bevölkerung zunächst über Pressemitteilungen für das Thema sensibilisiert werden. Weitere Stufen sehen Aufrufe zum sparsamen Umgang mit Wasser vor.

Denkbar sind laut Reitis auch zeitweilige Druckreduzierungen im Netz, die zu einer Abnahmereduzierung führten. Und im Zweifelsfall würden auch keine Standrohre zur Pool-Befüllung mehr ausgegeben. Sollten Appelle, auf das Sprengen von Gärten und das Befüllen von Pools zu verzichten, nicht fruchten, wäre das letzte Mittel, einen Krisenfall abzuwenden, eine ordnungsbehördliche Anordnung.

Einige Städte in Ostwestfalen hatten im vergangenen Sommer mit solchen ordnungsbehördlichen Verordnungen gedroht, die bei Vergeudung von Trinkwasser auch Geldbußen bis zu 1000 Euro vorsahen. Um die Trinkwasserversorgung auch in Zeiten des Klimawandels sicherstellen zu können, hat die Stadt Warendorf einen Prozess zur Erweiterung der Grundwasserförderrechte gestartet. Das, so Reitis, sei aber ein mehrjähriges Verfahren.

Außerdem sollten die Wasseraufbereitungskapazitäten im Wasserwerk erweitert werden. Mit der Anpassung des Versorgungsnetzes auf den Klimawandel werde sich auch der neue Klimaschutzbeauftragte der Stadt befassen, versicherte Bürgermeister Axel Linke.

Startseite