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Evangelische Kirche sagt alle Gottesdienste ab – Katholische Kirche hält dran fest

Weihnachten zum Mitnehmen

Warendorf

Für viele Menschen gehört ein Gang in die Kirche an Heiligabend zur Tradition. Aber Weihnachts-Gottesdienst und Corona? Die Evangelische Kirche in Warendorf wird wohl alle (Präsenz)-Gottesdienste – auch Heiligabend – absagen.

Joachim Edler und Joke Brocker

Weihnachts-Gottesdienste 2020: Kreativität ist gefragt. Pfarrer Cornelius Bury (Evangelische Kirchengemeinde) versichert: „Auf jeden Fall werden wir andere Wege suchen, um gemeinsam die Weihnachtsbotschaft zu teilen.“ Foto: Ulrike von Brevern

„Die Durchführung der (Präsenz)-Gottesdienste ist nach heutigem Stand sehr unwahrscheinlich“, informiert die evangelische Kirchengemeinde Warendorf aktuell die Gemeindeglieder auf ihrer Homepage. Die evangelische Kirche in Warendorf wird wohl alle (Präsenz)-Gottesdienste ab dem 4. Advent bis auf Weiteres absagen. „Wir folgen damit einer Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen, die sich angesichts der dramatischen Corona-Situation dafür ausspricht, ab sofort und auch an Weihnachten auf Gottesdienste zu verzichten“, sagt Pfarrer Cornelius Bury am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung.

Diese Entscheidung werde das Presbyterium der Kirchengemeinde Warendorf, das am Donnerstagabend zu einer Videokonferenz zusammenkommt, wohl treffen, ist sich Bury sicher, bei dem am Mittwoch das Telefon kaum stillstand. Morgens Video-Konferenz mit dem Amtskollegen der Katholischen Kirchengemeinde vor Ort, mittags ein Telefonat mit Superintendent Holger Erdmann zur Lage. Geplant hatte die Kirchengemeinde neben den Weihnachts-Gottesdiensten in der Christuskirche (nur per Anmeldung) auch zwei Ökumenische Familien-Gottesdienste (14.30, 15.45 Uhr) und eine Christvesper um 17 Uhr unter freiem Himmel auf dem Lohwall.

Bury versichert: „Auf jeden Fall werden wir andere Wege suchen, um gemeinsam die Weihnachtsbotschaft zu teilen. Schon zu Ostern hatten wir Wege gefunden. Vor allem die Livestream-Übertragungen und Formen für ,Weihnachten zum Mitnehmen‘ sind möglich.“ Hauptsächlich werde Weihnachten also dieses Jahr an der eigenen Krippe stattfinden. Bury zitiert Paul Gerhardts Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“. „Letztlich kann unser eigenes Herz zu einer solchen Krippe werden.“

Für viele Menschen gehört ein Gang in die Kirche an Heiligabend zur Tradition. Aber Weihnachts-Gottesdienst und Corona? In den katholischen Kirchengemeinden der Kernstadt und den Ortsteilen soll, Stand heute, an den Gottesdiensten zu Weihnachten offenbar festgehalten werden. Das Bistum Münster bezieht dazu wie folgt Stellung: „Wir respektieren die Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Andere evangelische Landeskirchen halten dagegen an der Feier von Präsenzgottesdiensten fest. Wir würden im Bistum Münster keine Entscheidung treffen, die – nach aller Wahrscheinlichkeit und Plausibilität – dazu führen könnte, das Infektionsgeschehen zu erhöhen.“

Zwar habe sich das Infektionsgeschehen weiter zugespitzt. Aber die Gottesdienste – gerade an Weihnachten – heißt es in der Pressemitteilung des Bistums weiter, finden auch unter noch einmal deutlich verschärften Bedingungen statt. So sei der Gemeindegesang grundsätzlich untersagt. Zudem hätten die die Verantwortlichen vor Ort, sehr verantwortungsvolle Konzepte entwickelt: klar begrenzte Teilnehmerzahlen, Anmeldesysteme, Gottesdienste im Freien und für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, den Gottesdienst nicht vor Ort mitfeiern können oder möchten, gibt es Gottesdienstübertragungen im Internet.

Niemand handele hier fahrlässig. Doch Gottesdienste seien gerade in dieser Zeit für die Menschen ein wichtiges Zeichen der Solidarität, des Trostes, der Hilfe und auch der Geborgenheit sind. Gottesdienste können Menschen Halt und Kraft geben.

Nach Rücksprache mit dem Generalvikariat werde es auch in St. Bonifatius & St. Lambertus dabei bleiben, dass Gottesdienste, die dem Ordnungsamt gemeldet werden müssen, tatsächlich gefeiert werden, sagt Pfarrdechant Manfred Krampe.

Einen Wermutstropfen werde es aber geben: „Wir werden auf Gemeindegesang verzichten müssen“, bedauert Krampe. Weihnachtslieder wird in der Heiligen Nacht also wohl nur die Orgel anstimmen.

Die Gottesdienstbesucher könnten die Melodie in Gedanken mitsingen, tröstet Krampe, der damit rechnet, dass die Gottesdienste in Freckenhorst und Hoetmar relativ gut besucht sein werden.

Weil sich immer wieder Gläubige, durch Berichte über stetig steigende Inzidenzwerte verunsichert, wieder abmelden, sind verlässliche Aussagen über tatsächliche Anmeldezahlen wohl erst am Ende dieser Woche möglich. „Wir werden strikt darauf achten, dass alle Regeln eingehalten werden“, versichert Krampe, in dessen Augen die Gottesdienste zum Weihnachtsfest eine Möglichkeit sind, Hoffnung zu vermitteln und „der Seele etwas Frieden zu geben“.

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