1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. „Wir haben diese Krise bewältigt“

  8. >

MGW-Abiturientia: Neben Freude über Zeugnisse gab es auch kritische Töne

„Wir haben diese Krise bewältigt“

Warendorf

Eine bemerkenswerte Rede hielt MGW-Schülersprecher und Abiturient Paul Lietmann: „Unser Leben funktioniert nur mit Kompromissen.“ Auf der Entlassfeier am Samstag kritisierte er, dass Gruppen und Einzelpersonen zunehmend die richtige Meinung für sich beanspruchen würden und gerade in den sozialen Medien ein wertschätzender Umgang miteinander verloren gehe. Dann wehrte er sich gegen öffentliche Kritik, dass die Abiturienten ein verlorenes Jahr erlebt hätten – das genaue Gegenteil sei der Fall. „Wir haben gelernt, das stinknormale Leben zu schätzen.“

Von Stephan Ohlmeierund

Das Mariengymnasium verabschiedete am Samstag die erste Abiturientia, die ein vollständiges Schuljahr unter Corona-Bedingungen gemeistert hat. Foto: Stephan Ohlmeier

„Wir haben es geschafft. Wir haben diese Krise bewältigt“, treffender hätten Patricia Aßmann und Keanu Nagel die Gefühle ihrer Mitschüler am Samstag nicht zusammenfassen können. In einer Feierstunde entließ das Mariengymnasium die erste Abiturientia, die ein vollständiges Jahr unter Corona-Bedingungen zu bewältigen hatte. Stellvertretend für den Umstieg auf Homeschooling und Distanzunterricht steht das Abi-Motto „Marysoft Teams – wir hatten die meisten Abstürze“.

„Aus den beliebten Kurzferien im März 2020 wurde eine Herausforderung, für die wir anfangs nicht gewappnet waren“, gab Patricia Aßmann zu. Gemeinsam habe man diese Herausforderung aber angenommen, ein Schuljahr erlebt, das einer Achterbahnfahrt geglichen habe und voller Unsicherheit mit Blick auf die Art und Weise der Abiturprüfungen gewesen sei – und letztendlich sein Ziel erreicht. Keanu Nagel ließ es sich nicht nehmen, an Anekdoten aus der Schulzeit zu erinnern und dem Lehrerkollegium wie den Eltern zu danken: „Danke, dass ihr immer hinter uns standet.“

Eine bemerkenswerte Rede hielt Schülersprecher und Abiturient Paul Lietmann: „Unser Leben funktioniert nur mit Kompromissen.“ Erst kritisierte er, dass Gruppen und Einzelpersonen zunehmend die richtige Meinung für sich beanspruchen würden und gerade in den sozialen Medien ein wertschätzender Umgang miteinander verloren gehe. Dann wehrte er sich gegen öffentliche Kritik, dass die Abiturienten ein verlorenes Jahr erlebt hätten – das genaue Gegenteil sei der Fall. „Wir haben gelernt, das stinknormale Leben zu schätzen“, sagte Paul Lietmann. Dazu gehöre unter anderem auch, dass man die Bedeutung von Freundschaften und persönlichen Begegnungen mehr denn je erkannt und Verantwortung für die eigene Zukunft übernommen habe.

„Es kommt im Leben nicht darauf an, was einem passiert, sondern wie man damit umgeht“, betonte Schulleiterin Uta Schmitz-Molkewehrum. Die Abiturientia 2021 habe sich trotz des Entfalls des Präsenzunterrichtes, Studien- und Exkursionsfahrten oder der Mottowoche nicht von ihrem Weg abbringen lassen und diese besondere Zeit großartig gemeistert. Verlässlichkeit gebe es zurzeit immer noch nicht. Sie sei jedoch davon überzeugt, dass den jungen Menschen mit dem höchsten Schulabschluss der Bundesrepublik Deutschland alle Türen offen stehen würden.

Großen Respekt zollte auch Dr. Stephan Klumpe: „Schneller als gedacht sind Sie in den Status eines Studierenden gewechselt, der sich vieles selbst erarbeiten muss.“ Scharfe Kritik übte der Arzt und Elternsprecher an „einer nach wie vor ideen- und konzeptlosen Corona-Politik“. Das Lehrerkollegium habe nach Lösungen gesucht und gefunden: „Das vieles nicht wie gewünscht funktioniert hat, ist nicht Ihr Verschulden.“ Die Abiturienten rief Klumpe dazu auf, die Zukunft menschlich, gemeinschaftlich und weltoffen zu gestalten, sich eigene Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser war überzeugt, dass die jungen Menschen zu Persönlichkeiten herangereift sind und stolz auf ihre Leistung sein dürfen. Worten, denen sich Michael Amsbeck als Vorsitzender des Fördervereins des Mariengymnasiums anschloss: „Unter diesen Bedingungen habt ihr das Ding einfach durchgezogen.“ Max Bach von der Schülervertretung hob die Bedeutung der während der Schulzeit geknüpften Kontakte hervor und wünschte allen, endlich mal wieder richtig feiern gehen zu dürfen.

Insgesamt erhielten am Samstag 87 junge Menschen ihr Abiturzeugnis, drei weitere die Fachhochschulreife. 39 Abiturienten haben eine eins vor dem Komma und die Durchschnittsnote beläuft sich auf 2,24. „Das nenne ich einen Höhenflug und keinen Absturz“, lobte Uta Schmitz-Molkewehrum. Herausragend waren die Leistungen von Johanna Oortmann und Lara Kühl, die ihr Abitur jeweils mit der Traumnote 1,0 erreichten.

Gefeiert wurde natürlich auch. Erst stießen die allesamt negativ getesteten Abiturienten mit ihren Eltern an, ehe man abends mit den Lehrern der Leistungskurse in einem Warendorfer Biergarten zusammenkam.

Startseite