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WiGe plant Mehrgenerationen-Projekt

Wohnen geht auch anders

Warendorf

Es ging kreativ zu im Laurentius-Pfarrheim. Unter dem Motto „Wohnen geht auch anders“ hatten sich 25 Mitglieder der Genossenschaft WiGe eG i.G. getroffen, um das erste Mehrgenerationenwohnprojekt im Kreis Warendorf neu zu planen. Entstehen soll es im nächsten Jahr im Baugebiet „In de Brinke“.

wn

Gregor Rösler, Hermann Wöstmann, Sven Hübner, Katharina Hübner, Margot Seiler (Arbeiten an der Kernthemen in Kleingruppen) v.l.

Wie wäre es mit einem Café? Oder einem Bauwagen für die Jugendlichen? Braucht jede Wohneinheit tatsächlich eienn Stellplatz? Und wie lässt sich Regenwasser am besten weiterverwerten?

Bereits zum vierten Mal coachte Supervisor Oliver Wilkes die Gruppe. Seit ihrer Gründung im Mai ist die Genossenschaft weiter gewachsen und zählt momentan 32 Bewohner. In Kleingruppen arbeiteten die zukünftigen Nachbarn an den vier wesentlichen Themen: Innen- und Außengestaltung, Ökologie/Mobilität, Soziales/Miteinander sowie Quartiersgestaltung.

Der Ansatz der WiGe-Mitglieder ist schnell auf den Punkt gebracht: Das typische Einfamilienhaus mit Zaun und Garage ist für sie nicht mehr denkbar. Ziel ist es, statt dessen mehr Möglichkeiten zur Entwicklung von Gemeinschaftsräumen und -flächen sowie zur Nahversorgung zu verwirklichen. „Quartier statt Siedlung“, lautet die Devise von Gregor Rösler, Vorstand der WiGe eG.

Nach der Teilnahme am 17. Wohnprojektetag NRW in Gelsenkirchen hatten Vorstand und Aufsichtsrat entschlossen, eine Neuausrichtung für das Projekt vorzunehmen. Die passenden Ideen dazu brachten die Mitglieder am Sonntagmittag aufs Papier. Architekten sollen dann nach ökologischen, familien- und seniorengerechten Kriterien im Rahmen eines Wettbewerbs einen bezahlbaren Entwurf anfertigen.

Frei nach dem Motto „Wünsche muss man äußern, sonst werden sie nicht wahr“ legten die Gruppen los. Dabei wurden sie nicht nach Sympathie, sondern zufällig zusammengestellt. „Das fördert das Kennenlernen untereinander, denn dafür sind die Coachings ja gedacht“, erklärt der Diplomsozialpädagoge und Kommunikationstrainer Oliver Wilkes.

So wächst die Gruppe schon vor Einzug zusammen, sammelt Ideen, lotet gemeinsame Prinzipien aus und lernt zudem, mit zukünftigen Konfliktsituationen gekonnt umzugehen.

Der Sonntag zeigte, dass die Mitglieder auf einer Wellenlänge sind – das Leitbild bekam schnell Konturen: nachhaltig, sozial und engagiert.

Lisa und Peter zum Beispiel arbeiten zusammen in einer Gruppe zum Thema Außengestaltung. Peter, 69, ist im Vorstand der WiGe aktiv, Lisa, 27, ist Studentin und Mutter von zwei Kindern. „So stelle ich mir das auch vor“, sagt sie und liest vor, was die Vorgängergruppe bereits notiert hat: naturbelassene Spielbereiche, ein Holzhaus, sowie eine Wasserlandschaft für die Kinder. Sportgeräte, ein Kräutergarten, ein Hochbeet und eine Laube als Gemeinschaftsort. Gibt es noch etwas zu ergänzen? Maria wünscht sich einen Bauwagen für Jugendliche, Gabi einen Grillplatz für gemeinsame Sommerabende.

Immer mehr rückt der Fokus auf junge Familien. Kein Wunder, denn es haben sich zuletzt wieder zwei Familien mit insgesamt sechs Kindern auf die Interessentenliste setzen lassen. „Wir wollen kein Seniorenwohnprojekt“, betont Gregor mit einem Augenzwinkern.

Die Gruppe, die am Thema Ökologie und Mobilität arbeitet, überlegt unterdessen, wie Regenwasser wiederverwertet und ob Grauwasser zur Gartenbewässerung genutzt werden kann.

Braucht jede Wohneinheit einen Autostellplatz? Eine Abfrage dazu hat bereits die Arbeitsgruppe Mobilität erstellt. „Fahrräder, Lastenräder und E-Bikes sollten geschützt stehen“, betont Katharina.

In der Gruppe Planen und Bauen festigt sich der Wunsch nach einem flexiblen Multifunktionsraum. Hier könnten die regelmäßigen Coachings stattfinden. Aber auch Kurse oder Feste. „Wie wäre es mit einem Café?“, wirft Silvia in die Runde. Der Vorschlag stößt auf Zustimmung. Denn das Quartier soll offen sein und ein Anlauf- und Treffpunkt für die Warendorfer Bürger werden.

Die Gemeinschaftsräume sollen nicht alleine als Begegnungsstätten dienen. Dank der gemeinsam genutzten Flächen kann der eigene Wohnraum kleiner gehalten werden. Das spart Platz und Inventar. Ein gutes Beispiel dafür ist ein gemeinschaftlicher Waschraum, der Waschmaschine und Trockner in der Wohnung überflüssig macht. Ein großes Coworking-Büro ersetzt das eigene separate Arbeitszimmer, und im Werkraum können allen Mitgliedern diverse Gerätschaften zur Verfügung gestellt werden.

Bei der neuen Terminfindung ist schnell klar: Nicht nur die Erwachsenen wollen Entscheidungen treffen, auch die Kinder der Mitglieder wollen und sollen mit einbezogen werden. Diese sind aktuell zwischen einem und 15 Jahren alt. Kurzerhand beschließen die Eltern, sie beim nächsten Treffen mitzubringen. „Immerhin ist es auch ihr Projekt“, ist sich die Gruppe einig.

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