Alltagsbegleiter für junge Demenzbetroffene

Zeit zum Durchatmen

Warendorf

„Es ist mehr als nur beeindruckend, dass sich diese Menschen Anfang des Jahres ganz spontan bereit erklärt haben, sich mit dem Erscheinungsbild der Demenz bei jüngeren Menschen und deren Folgen für die Familien zu befassen, sich zehn Abende jeweils vier Stunden umfassend schulen zu lassen, um gegebenenfalls Hilfe in die betroffenen Familien hineinzubringen“, so die Vorsitzende des Vereins „liebenswert-lebenswert“, Marie-Theres Kastner.

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Zwölf Frauen und Männer wurden zertifiziert: Sie sind jetzt Alltagsbegleiter für junge Demenzbetroffene. Foto:

Mit großer Freude konnten kürzlich die Lehrgangsleiterin für die Betreuungskurse der Kolpingakademie, Michaela Kohls, und die Vorsitzende des Warendorfer Vereins „liebenswert-lebenswert“, Marie-Theres Kastner, den Abschluss des ersten Seminars in Sachen Alltagsbegleiter nach § 43b SGB 11 für junge Demenzbetroffene feiern.

Der noch junge Verein hatte sich bei der Gründung im November vergangenen Jahres vorgenommen, die alltägliche Lebenssituation der Familien mit einem von Demenz betroffenen Mitglied zu erleichtern. Dazu hat er als erstes – dank der Unterstützung einer engagierten Bürgerin mit großem Erfolg – einmal im Monat eine samstägliche Betreuung eingerichtet. Einige Familien haben dieses Angebot angenommen.

Gleichzeitig ist mit der Schulung von Betreuungskräften für die aufsuchende Arbeit begonnen worden. Das ging mit Hilfe einer Kooperation mit der Kolpingakademie in Person von Michaela Kohls. Geschult wurde in den Räumen des Pfarrheims St. Josef. Die Pfarrgemeinde stellte diese kostenlos zur Verfügung.

Natürlich gab es Rückschritte wegen der Corona-Pandemie. Die Betreuungsgruppe musste ebenso pausieren wie die Schulung. Da die Schulung mit der Lockerung des Lockdowns wieder aufgenommen wurde, konnte sie zu Ende geführt werden, und die zwölf Männer und Frauen bekamen jetzt ihr Zertifikat.

„Es ist mehr als nur beeindruckend, dass sich diese Menschen Anfang des Jahres ganz spontan bereit erklärt haben, sich mit dem Erscheinungsbild der Demenz bei jüngeren Menschen und deren Folgen für die Familien zu befassen, sich zehn Abende jeweils vier Stunden umfassend schulen zu lassen, um gegebenenfalls Hilfe in die betroffenen Familien hineinzubringen“, so die Vorsitzende des Vereins „liebenswert-lebenswert“, Marie-Theres Kastner. „Ich habe großen Respekt vor diesen Männern und Frauen. Wenn wir nicht auf solche Menschen gestoßen wären, hätten wir die ersten Schritte zur Umsetzung unserer Ziele nicht gehen können.“

So kann der nächste Schritt nun beginnen. Diese geschulten Männer und Frauen können jetzt durch den Verein in die Familien vermittelt werden und den Angehörigen den Freiraum ermöglichen, den diese dringend brauchen, um notwendige Aufgaben zu erledigen oder auch einfach mal ein paar Stunden Abstand von der Pflege zu gewinnen. Kastner: „Nur so können sie wieder Kraft schöpfen, damit es für die Demenzbetroffenen in der eigenen Häuslichkeit weitergehen kann.“

„Gern würden wir die samstägliche Betreuung erweitern,“ so die dem Vorstand angehörende Diplompflegewirtin Sonja Schoppmann. „Dafür suchen wir weitere Pflegefachkräfte, die auf Grund ihrer qualifizierten Ausbildung hier mitarbeiten können. Diese Betreuungsgruppe ist eine anerkannte Einrichtung und daher an die üblichen Vorschriften von Personal gebunden. Sollte sich jemand berufen fühlen, so soll er sich gern unter info@ liebenswert-lebenswert.com melden.“

Darüber hinaus wird auch schon an einen weiteren Zertifizierungskurs gedacht. Auch dafür kann man sich über die Mail-Adresse melden. Gedacht ist dabei an den Herbst dieses Jahres oder, je nach Meldungen, an das Frühjahr 2021. In Planung ist zudem eine Wohngruppe für jüngere Demenzbetroffene.

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