Prozession zu Fronleichnam

Zwei alte Monstranzen in der Stiftskammer

Freckenhorst

Zwei alte Monstranzen werden in der Stiftskammer Freckenhorst aufbewahrt. Eine gotische Turmmonstranz, in Köln um 1500 gefertigt, und eine barocke „Kronenmonstranz“ von 1681, ebenfalls in Köln geschaffen.

Prozession im Jahr 1929 in Freckenhorst. Hier wird der Segen am Schloss gespendet, Foto: privat

Fronleichnam ist das in der volksfrommen katholischen Tradition beliebteste frühsommerliche Fest. Es fällt nun schon zum zweiten Mal wegen der Coronapandemie aus. Stille in den Straßen statt Glockengeläut, Singen, Blumenschmuck, Fahnen und Prozession zu den liebevoll aufgestellten Altären.

Einmal im Jahr sollte die Freude über das nach katholischem Glauben in den Messfeiern zum Leib Christi gewandelte Brot nach draußen getragen werden. Das fasste man in dem Festbezeichnung „Fronleichnam“ zusammen. Darin stecken zwei mittelalterliche deutsche Worte: „fron“ für Herr, wie wir es noch im Begriff Frondienst kennen, und „lichnam“, was ursprünglich nur Leib bedeutete. Fronleichnam also als Fest zur Verehrung des Herrenleibes, des Leibes Christi.

Wenn man den Leib Christi durch die Städte und Dörfer trug, sollten nicht nur die Straßen wie beim Einzug eines Königs geschmückt sein. Man entwickelte für die allen Menschen zu zeigende Hostie, den Leib des Herrn, auch ein eigenes Behältnis. Das dafür benutzte lateinische Wort Monstranz bedeutet Zeigegerät. Eine solche Monstranz wurde aus edlem Material, Gold oder Silber, gefertigt und kunstsinnig ausgeschmückt.

Zwei alte Monstranzen werden in der Stiftskammer Freckenhorst aufbewahrt. Eine gotische Turmmonstranz, in Köln um 1500 gefertigt, und eine barocke „Kronenmonstranz“ von 1681, ebenfalls in Köln geschaffen. Ihren Namen hat sie wegen einer Krone, die den oberen Abschluss des kunstvollen Gesamtwerks bildet.

Die Freckenhorster Monstranz wurde 1681 von Anna von Wrede, der Seniorin des Stiftes, bei dem Kölner Goldschmiedemeister Dederich Otto in Auftrag gegeben. Über einem hohen Ständer mit ziseliertem Knorpelwerk erhebt sich ein zweigeschossiger Säulenprospekt, der an einen barocken Altaraufbau erinnert. In die Säulennischen sind vier Figuren gesetzt, unten der Hl. Bonifatius und die Hl. Thiatildis, darüber Maria und Johannes. Ihre betende Haltung richtet sich auf die Mitte des Werkes. Dort sehen wir in einem Glaszylinder einen mit Perlen und Brillanten besetzten mondförmigen Ring zur Aufnahme einer geweihten Hostie. Darüber befindet sich noch ein von acht Säulchen getragener Baldachin mit der Gottesmutter im Strahlenkranz.

Wenn diese Monstranz zu Fronleichnam vom Priester durch die Stadt getragen wurde, waren die in sie hineingesetzten Heiligenfiguren Vorbilder für die Verehrung des Altarssakramentes. Und diese Verehrung spiegelte sich im Schmuck der Straßen und in der betenden Begleitung der Gemeinde. Dem „höchsten Gut“, wie der Leib Christi in Gestalt des Brotes gern genannt wurde, dienten als angemessener Aufbewahrungsort solche aus edlem Metall und mit größter Kunstfertigkeit geschaffenen „Zeigegeräte“.

Klaus Gruhn

Startseite