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Wechselbad der Gefühle bei der Parteibasis

Zwischen Zittern und Partylaune

Warendorf

Herbe Verluste von gut zwölf Prozent für die CDU, sattes Zehn-Prozent-Plus für die Grünen – das sind die Kernerkenntnisse der Bundestagswahlen in Warendorf.

Von Jörg Pastoor

CDU-Ratsfraktionsvorsitzender Frederik Büscher, Stadtverbandsvorsitzende Marija Ruzhitskaja und Johannes Austermann (v.l.), einer ihrer StellvertreterJe länger der Wahlabend, desto besser die Laune im Alten Gasthaus Wiese: SPD-Stadtverbandsvorsitzender Andreas Hornung (M.) mit Fraktionschefin Andrea Kleene-Erke und Parteifreunden.  Foto: Jörg Pastoor

Knappe 37 Prozent für die CDU (minus 12 Prozent), 16 Prozent für die Bündnisgrünen (plus zehn) und 28 für die SPD (rund zwei Prozent mehr) und erneut um die sieben Prozent für die FDP. Das war um 21.40 Uhr der letzte Stand vor Redaktionsschluss der WN, als nur noch ein Stimmbezirk fehlte – in Hoetmar.

Auch wenn die Bundes-CDU ein unerwartet schlechtes Ergebnis eingefahren hatte, war Marija Ruzhitskaya immerhin das Resultat auf lokaler und Kreisebene ein kleiner Trost: „Wir sind froh, dass in Warendorf und im Kreis das Ergebnis stimmt. Jetzt wird es spannend, wie sich FDP und Grüne in Koalitionsverhandlungen positionieren.“

Marija Ruzhitskaya

Die Ursachensuche war aus Sicht der Parteibasis teils unkompliziert. „Bis etwa zwei Wochen vorher waren die Bürger schon unzufrieden mit unserem Kanzlerkandidaten, das will ich nicht verhehlen,“ sagt Ruzhitskaja. Doch dann sei es an den Ständen stärker um Inhalte und Themen gegangen. „Wir haben etwas Neues ausprobiert. Früher war Wahlkampf eine Materialschlacht, man hat Tausende Kugelschreiber besorgt. Diesmal hatten wir Ratsmitglieder da, an die sich die Menschen direkt wenden konnte.“ Weil sich das bewährt habe, bleibe man auch dabei.

Andreas Hornung machte es gegen 20.45 Uhr knapp: „Wir freuen uns!“ Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende war nach anfänglicher Zitterstimmung mit seinen Genossen im Alten Gasthaus Wiese deutlich besser dabei. „Ich würde mich jetzt festlegen: Wir kriegen eine Ampel. Und darüber würde ich mich total freuen – eine atmende Ampel, in der jeder seine Inhalte wahren kann.“

Andreas Hornung

Auch Jessica Wessels war guter Laune, als die WN sie auf dem Weg aus dem Kreishaus zum grünen Parteibüro in der Oststraße trafen, wo die Mitstreiter ebenfalls gut aufgelegt grillten. Sie sah mit dem deutlichen Zulegen der Bündnisgrünen im Vergleich zu 2017 die Erfahrungen aus dem Straßenwahlkampf bestätigt: „Die Reaktionen in unsere Richtung waren insgesamt sehr offen – das kennen wir als Grüne durchaus anders.“

Nach dem Knacken der 10 000er-„Schallmauer“ bei der letzten Wahl gab es bei der Bundestagsentscheidung einen neuen Rekord in Warendorf: Von den rund 28 800 Wahlberechtigten haben sich 11 321 für die Anforderung von Briefwahlunterlagen entschieden. Bei der letzten Wahl waren es rund 10 000.

Neuer Rekord: Über 11000 Briefwähler

Für Teamleiter Jens Schembecker setzt sich der Trend fort, mit dem er gerechnet hatte: Die Bürger könnten so flexibler ihren Sonntag planen. „Das ist sicher auch eine Frage der Bequemlichkeit“, so Schembecker, der aufgrund der Rückmeldungen vom Kreis schon am späten Nachmittag von 80 Prozent Wahlbeteiligung ausgegangen war.

Rund ein Drittel der „anderen“ Wähler, die sich also für den klassischen Urnengang entschieden hatten, waren bis etwa 17 Uhr schon in den Lokalen gewesen – plus die rund 40 Prozent Briefwähler also bereits 75 Prozent der Stimmberechtigten – vorausgesetzt, alle Briefwähler würden ihr Votum nutzen (ausführlicher Bericht folgt).

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