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Beckumer Hof macht bei Bundes-Modellprojekt mit

Weite Reihe im Getreide sorgt vor

Beckum

Auf den Flächen von 60 landwirtschaftlichen Betrieben wird in einem bundesweiten Projekt der Getreideanbau in weiter Reihe mit blühender Untersaat erprobt. Der einzige Betrieb, der im Kreis Warendorf mitmacht, ist der Hof von Benedikt Sprenker in Beckum-Roland. Zeit für einen Feld-Besuch inmitten der Ernte.

Von Peter Sauer

Kurz vor der Ernte: Benedikt Sprenker und seiner Frau Elisabeth veranschaulichen den Getreideanbau des Projektes „Weite Reihe“. Foto: Peter Sauer

Das gold-gelbe Getreide strahlt in geraden Reihen mit der Sonne um die Wette. Aber irgendwas ist anders als sonst. Bevor vergangenen Mittwoch der Mähdrescher kommt, erläutert das Landwirtspaar Elisabeth und Benedikt Sprenker den dreijährigen Modellversuch auf ihrem 7500 Quadratmeter großen Versuchsfeld in Beckum-Roland.

Pflanzen bilden Stickstoff

Es geht um nachhaltige Landwirtschaft. Das Ziel: Um den Hof zukunftssicherer zu machen, soll die Biodiversität im Ackerbau erhöht, die Bodenfruchtbarkeit verbessert und gleichzeitig den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden.

Und so funktioniert das Projekt „Weite Reihe“: die Getreidesaat, aktuell Fall Winterweizen, wird in größeren Abständen ausgebracht als üblich, was man beim Besuch des Feldes direkt sieht.

Der Vorteil: Zwischen den Getreidepflanzen bleibt so Raum für eine Untersaat. Das ist eine Mixtur aus 15 niedrig wachsenden Arten, vorwiegend sogenannte Leguminosen. Die blühen zu unterschiedlichen Zeiten. Sie bieten so bestäubenden Insekten über die gesamten Vegetationszeit Nahrung.

Blütenvielfalt in der „Weiten Reihe“. Das Foto stammt aus dem Frühjahr. Foto: WLV

Die Leguminosen hemmen auch den Wuchs unerwünschter Beikräuter auf dem Feld. Sie können zudem vor allem Stickstoff binden – guter natürlicher Dünger für das Getreide nebenan.

Auf ihrem Versuchsfeld haben Elisabeth und Benedikt Sprenker zum direkten optischen Vergleich Getreide in der üblichen Form sowie in weiter Reihe mit und ohne Untersaat ausgesät. Auf Herbizide und Insektizide wird komplett verzichtet.

Einbuße als Investition in die Zukunft

Landwirt Bernd Sprenker erläutert, das die Erntemengen getrennt genau erfasst und die Getreidequalität analysiert wird. Etwa 20 bis 30 Prozent des Ernteertrags, so schätzt er, dürfte die Einbuße bei der Aussaat in der „Weiten Reihe“ betragen. Aber man müsse auch mehr in Ökologie investieren um zukunftsfit zu sein.

Die Untersaat hat nicht nur positive ökologische Effekte, wie die Bereitstellung von Winterhabitaten etwa für die Feldlerche nach der Ernte, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. Der Düngemitteleinsatz kann um 50 bis 70 Prozent reduziert werden. Außerdem führt unmittelbar nach der Ernte der Aufwuchs der Untersaat unmittelbar zur Verbesserung und Erholung der Ackerböden.

Elisabeth und Benedikt Sprenker vor dem Versuchsfeld Richtung Beckum-Roland. Foto: Peter Sauer

Wie sich Mengeneinbußen und Nutzeffekte zueinander verhalten, ist unter anderem Gegenstand des dreijährigen Modellversuchs, für die bundesweit jeweils 30 Betriebe Sommergerste und Winterweizen anbauen. Aus dem Kreis Warendorf macht nur der Hof Sprenker mit. Sommergerste und Winterweizen wird dazu angebaut.

Erste Ergebnisse

Bevor die Wissenschaftler zum Projektende 2023 bei den insgesamt 30 teilnehmenden Höfen bilanzieren können, berichtet Benedikt Sprenker schon jetzt, dass sich der Insektenbestand auf seinem Hof in Beckum deutlich vergrößert hat. Zudem ist das Aufkommen von Pilzbefall an den Nutzpflanzen zurück ist, weil das Feld jetzt besser belüftet ist und schneller abtrocknet.

Der Mähdrescher nimmt sich nach dem Interview auch das Versuchsfeld „vor“. Foto: Peter Sauer

Die Entwicklung auf den Versuchsflächen wird schon jetzt begleitend untersucht. Einmal im Monat prüft eine Expertin wie sich Getreide, Untersaat und Wildkräuter sowie das Insektenaufkommen entwickelt haben.

Als Aufwandsentschädigung bekommt der Hof Sprenker nur 400 Euro. Aber das Geld treibt ihn nicht an, sondern die Botschaft. Benedikt Sprenker hatte sich aktiv um die Aufnahme in das Projekt beworben, weil es ihm wichtig ist, einen Ackerbau der Zukunft zu betreiben, der die Bodenfruchtbarkeit verbessert und die Artenvielfalt fördert. „Ich will etwas Nachhaltiges für die Umwelt tun. Das ist mir lieber als später Flächen stilllegen zu müssen. Man muß was Neues ausprobieren.“

Die „Weite Reihe“

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