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Stadtmuseum Beckum 

Wollfaden wird zum Kunstträger - Künstlerduo zeigt Außergewöhnliches

Beckum

Stilprägend: Seit mehr als einem Vierteljahrhundert arbeitet das Düsseldorfer Künstlerduo Barbara Esser und Wolfgang Horn konsequent mit textilen Materialien. Mit ihren Geweben, Skulpturen und Grafiken finden sie außergewöhnliche Ausdrucksweisen. Die Installationen, Objekte, Fotografien, Animationen und Webstoffe fordern bis zum 16. Oktober im Stadtmuseum Beckum zum Entdecken auf, öffnen neue Sichtweisen und strukturieren Räume.

Von Dierk Hartleb

So gar nichts Technoides haftet dem PC mehr an, den Barbara Esser und Wolfgang Horn 2008 mit farbigen Wollfäden drapierten Monitor und zum Kunstobjekt umfunktionierten Foto: Dierk Hartleb

Etiketten, Preisschilder oder Buntstiftspäne – kein Material ist zu ausgefallen, um nicht von Wolfgang Horn gesammelt und anschließend für ein Kunstobjekt Verwendung zu finden – mit einer oft spielerischen Anmutung. Die Textilobjekte von Barbera Esser wirken dagegen geradezu klassisch und verströmen einen Hauch von Bauhaus.

Beide Künstler verbindet eine langjährige Partnerschaft, die ihren sichtbaren Ausdruck in dem 1993 gemeinsam bezogenen Atelier in Düsseldorf findet. Aktuell ist das Künstlerpaar mit einem kleinen Querschnitt aus dem gemeinsamen Schaffen in einer Ausstellung im Stadtmuseum Beckum zu sehen, allerdings nur noch bis zum 16. Oktober. Museumsleiter Dr. Martin Gesing verfolgt den beruflichen Lebensweg, seit dem sie 2007 den Staatspreis des Landes NRW erhalten haben. Zuvor hatten Esser/Horn durch zum Teil spektakuläre Kunstaktionen im Außenraum auf sich aufmerksam gemacht.

Klare Signatur

Barbara Esser schloss ihr 1988 begonnenes Studium des Textildesigns an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld mit Diplom ab. Sie arbeitet seitdem freiberuflich als Weberin. Ihre Wand- oder Bodenobjekte zeichnen sich durch eine klare Handschrift aus, die in ihrer Reduzierung und Komposition an die Bauhaustradition erinnert, wo sich die Textilkunst, oft als minderwertige Handwerkstechnik belächelt, gegenüber den klassischen Kunstrichtungen emanzipieren und behaupten konnte.

Variantenreiche Textilkunst

In einem Katalogbeitrag für die Ausstellung „Grenzgänger“ im Deutschen Textilmuseum Krefeld schrieb Prof. Dr. Brigitte Tietzel 2002 über Esser: „Ihre Textilen spielen in unendlichen Variationen mit den Möglichkeiten des Schaftwebstuhls. Dabei können sie durch sich wiederholende Rapporte bestimmt sein, müssen es aber nicht. Kühne Farbkontraste jonglieren mit optische Effekten, die Anregungen aus einer teilweise erfahrenen Wirklichkeit umsetzen“. In manchen Exponaten seien Anmutungen von Landschaft oder der Umwelt noch erkennbar. Diese Beschreibung trifft auch heute noch auf die Werke der Künstlerin voll umfänglich zu.

Auch diese ungewöhnliche Anzug entstand in der gemeinsamen Werkstatt der beiden Künstler. Foto: Dierk Hartleb

Wolfgang Horn beendete sein Architekturstudium an der FH Düsseldorf als Diplom-Ingenieur. Ihm wird ein Interesse an utopischen Raumideen konzediert. Das offenbart sich in der Ausstellung im Stadtmuseum Beckum mit visuellen Effekten, wie beim Solarfeld 1 mit Spiegelplättchen oder bei einer Reihe C-Prints von Grafiken und Fotografien, die ein Bündel von Linien oder antennenähnliche Objekten zeigen. Andere Prints visualisieren Rotation oder beschäftigen sich mit Flächensystemen, dabei geht es um Bewegung und die daraus resultierende Unschärfe.

Auch die Nachbarmuseen setzen auf Glas und Papier

Einen besonderen, sogar haptischen Reiz haben Exponate wie ein mit Farbfäden dekorierter Monitor eines Computers, oder die Rasenflächen aus Tausenden grüner Fäden.

Barbara Esser und Wolfgang Horn zeigen, wie anspruchsvoll Textilkunst sein kann. Aus Sicht Gesings ist es bemerkenswert, dass zeitgleich die Nachbarmuseen in Ahlen und Hamm Ausstellungen mit Glas und mit Papier zeigen.

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