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Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer zeigt Adventskalender

24 Türchen bergen bunte Geheimnisse

Kevelaer

Die Ausstellung „24 Tage / 24 Törchen“ des Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer widmet sich dem Phänomen des Adventskalenders. Da kann man einiges lernen.

Von Peter Noçon

Die Sonderausstellung in Kevelaer lädt zum Eintauchen in die Bilderwelt der Adventskalender ein. Auch verschiedene Münster-Motive sind zu sehen. Foto:

Im Advent haben Adventskalender einen festen Platz in den Haushalten. Doch was ist ihre Geschichte und woher kommt ihre Gestaltung? Die Ausstellung „24 Tage / 24 Törchen“ des Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer ist diesem Brauchtum nachgegangen und zeigt verschiedene Exemplare dieses durchaus besonderen Kalendertypus.

Die bunte Bilderwelt der auf Papier gedruckten Adventskalender empfängt die Besucher und führt ihn in eine sichtlich um Entschleunigung bemühte Atmosphäre. Wie in einem Wimmelbild sind frohe Menschen auf Weihnachtsmärkten in mittelalterlich anmutenden Stadtkulissen, in einer friedlichen Winterlandschaft, in der Familie, um Tannenbäume versammelt – mit Tieren, mit Engeln hauptsächlich in Märchenszenen und nicht als Himmelsboten. Die Heilige Familie kommt noch seltener vor. Der Bildcharakter entstammt der frühen Phase der Adventskalender, als Kinderbuchillustratoren und Plakatmaler in den 1920er Jahren mit der Bebilderung beauftragt wurden. Ihr Stil ist seitdem fortgesetzt worden.

Den ersten gedruckten Adventskalender veröffentlichte der Verleger Gerhard Lang (1881-1974) mit seinem „Weihnachtskalender“ genannten Ausschneidebogen „Im Lande des Christkinds“ 1903 im Lithographischen Kunstverlag München. Schon hier bestimmten weltliche Motive die meisten der 24 Bilder. Den Adventskalender in der heute bekannten und beliebten Form haben zwei Frauen geprägt. Vor 101 Jahren brachte die Künstlerin Dora Baum mit „Christkindleins Haus“ den ersten gedruckten Türchenkalender heraus, der am Nikolaustag begann und daher nur 19 Fenster hatte. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Basteln von Adventskalendern belegt, und so machte es auch Langs Mutter 1885 für ihren vierjährigen Sohn, als sie auf 24 von ihr nummerierte Felder eines Pappdeckels Gebäckstücke nähte. „Dieses Kindheitserlebnis“, berichtet die Ausstellung, „hat Lang zu seiner Erfindung gebracht.“ Das Produkt hatte wirtschaftlichen Erfolg und eine weite Verbreitung. Je Tag ein Stücken Schokolade steckte schon in den 1920er Jahren darin.

Seit den 1950er Jahren begann der Adventskalender, ein Massenartikel zu werden. Das Museum in Kevelaer zeigt Drucke bis in die 1990er Jahre mit dem Schwerpunkt auf der Zeit ab 1960. Die Sonderausstellung verwendet im wesentlichen die Museumsbestände seiner Spielzeugsammlung von Juliane Metzger (1906-1979). Sie war die Ehefrau von Wolfgang Metzger, des in Münster an der Universität lehrenden Professors für Psychologie und Pädagogik.

Die Sonderausstellung „24 Tage / 24 Törchen“ zeigt das Niederrheinische Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer (Hauptstraße 18) bis zum 16. Januar 2022, (geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, geschlossen an Heiligabend, am Ersten Weihnachtstag und Silvester). Wegen der Coronapandemie bitte die aktuellen Hinweise auf der Internetseite beachten.

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