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Berg Fidel Ziel der Vorstadttouristen

Der Berg rief – die Künstler kamen

Münster

Selbst ein Stadtviertel wie Berg Fidel kann ein Hotspot der Kunst sein. 15 Künstler zeigen es . . .

Gerhard H. Kock

In der „Alten Post“ zeigen aktuell 15 Künstler aus dem Projekt #bergfideleinterventionen eine Diashow über ihre Arbeit am Berg Fidel - unter anderem Martina Muck. Foto: Muck

Erdacht vom „Vater der Stadtplaner”, Jochen Kuhn, auf der höchsten Erhebung der Stadt. Die Grünflächen plante kein Geringerer als Landschaftsarchitekt Günther Grzimek, der mit dem Münchner Olympiapark die Grünplanung demokratisierte – keine Freiräume für Privilegierte, sondern eine Grünversorgung für alle Schichten der Bevölkerung: Berg Fidel – Münsters internationaler Hotspot mit seinen 28 Nationalitäten und gefühlten 56 Sprachen ist ein Muss für Touristen. Nun gut, es sind lediglich „Vorstadttouristen“, die im vorigen Sommer scharenweise der Devise „Der Berg ruft“ folgten. Dafür waren die hochkarätig. An die 20 Künstler suchten das urbane Quartier während des Lockdowns auf und setzten sich künstlerisch mit Grün und Grund, Menschen und Mauern, Schönheit und Schmuddel auseinander. Die Ergebnisse sind in einer Ausstellung zu sehen und: Es wird ein Stadtführer erstellt.

Die „Vorstadttouristen“ präsentieren ihre „Bergfidelen Interventionen“ in der „Alten Post“ als Diashow über ihre Arbeit. Die mehr als 100 Motive bilden das Ausgangsmaterial für den Reiseführer, an dem aktuell Martina Muck sowie Ruppe Koselleck arbeiten und der Anfang Mai erscheinen soll. Berg Fidel sei für die Künstler im Lockdown ein Zufluchtsort geworden, erzählt Koselleck, der das Projekt (nach einem Impuls von Carola von Seckendorff) ins Leben rief. „Niemand hat Geld bekommen. Wir haben das einfach so gemacht.“ Aber davon war man auch in Berlin begeistert. Der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Berlin fördert jetzt die Vorstadttouristen, so dass die künstlerischen Eingriffe weitergehen. Derzeit wandelt zum Beispiel Martina Muck mit einer Nachttischlampe durch Dämmerung und Dunkelheit. Und wo immer Koselleck mit seinem Bergfidelen Fuchs auftaucht, kommt es zu einer Ausstellung, die sich an Menschen und an ihren treusten Begleiter richtet – den Hund.

Im vorigen Jahr trafen sich Künstler vom Hawerkamp, der Ateliergemeinschaft Schulstraße, dem Bremsenprüfstand, von den Ateliers in der Fresnostraße und dem Hoppengarten sowie freie Selbstständige am Ort – anstelle geschlossener Museen streiften sie neugierig durch den ein halbes Jahrhundert alten Stadtteil.

Elke Seppmann baute neben dem abgestellten Campingwagen ihre Staffelei auf, adelte die Einfahrt einer Tiefgarage durch ihre Malerei. Klaus Geigle skizzierte große Gebäude auf kleinste Formate, sein Maler-Kollege Thomas Prautsch brachte mit Tuschen Balkone und Kanten verkachelter Betonfassaden auf Papier. Beide dekonstruieren eine Bauweise, die weit in das vorige Jahrhundert zurückweist. Ob Martina Muck, Susanne von Bülow, Ragnar Kopka oder Thomas Gerhards sowie auch Gertrud Neuhaus und Luzia Maria Derks, sie fotografierten ihr untypisches Urlaubsziel bei Tag und bei Nacht. „Touristen“ halt . . .

Anja Kreysing sammelte vor Ort Klänge und zeichnete die Atmung der Abluft großer Gebäudekomplexe auf. Ulrich Haarlammert komponierte in seinen fotografischen „Gegenwarten“ einen Bahn-Stau.

Die digitale Ausstellung läuft auf einem Monitor täglich von 6 bis 24 Uhr im Schaufenster der „Alten Post“, Rincklakeweg 21, – jenen Ausstellungsort neben dem öffentlichen Bücherregal, in dem auch die beteiligten Künstlerinnen und Künstler Materialien zurückließen – zur freien Mitnahme.

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