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Junge Künstler bereiten eine ungewöhnliche Ausstellung auf Burg Hülshoff vor

Droste durchgehend digital durchleuchtet

Havixbeck

Junge Künstlerinnen und Künstler sind zur Zeit eifrig auf Burg Hülshoff an der Arbeit. Der Droste wird neues Leben eingehaucht. In der Wasserburg, in der Annette von Droste-Hülshoff 29 Jahre ihres Lebens verbrachte, soll vom 16. September an der literarische Meersburger Nachlass in der Ausstellung „Droste digital“ zu erleben sein.

Von Ulla Wolanewitz

Emese Bodolay vom „Kollektiv Anna Kpok“ kniet hier am Rande vergrößerter Faksimiles von Droste-Handschriften. Sie hat diese Installation zusammen mit Almut Pape entwickelt. Foto: Wolanewitz

Der Droste wird neues Leben eingehaucht. In der Wasserburg, in der Annette von Droste-Hülshoff 29 Jahre ihres Lebens verbrachte, herrscht derzeit aktives künstlerisches Treiben. Vom 16. September an ist dort der literarische Meersburger Nachlass der Dichterin in der Burg Hülshoff in der Ausstellung „Droste digital“ zu erleben. Möglich ist das dreijährige Projekt durch die finanzielle Ausstattung mit 270 000 Euro durch die Kulturstiftung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe und 250 000 Euro durch das NRW-Ministerium für Kultur und Medien.

Eine zünftige Ahnengalerie dunkler Ölschinken von Herren mit urigen Bärten in Räumen mit historischen Tapeten und fünf Meter langen Eichendielen war das, was der Gast hier bislang als Erstes zusehen bekam. Demnächst dürfen auch die oberen Gemächer in Augenschein genommen werden, die über eine breite, ausgetretene Holztreppe mit Rechtsdrall zu erreichen sind.

Auch wenn es auf den ersten Blick so anmutet, „schrieb Annette nicht in Sütterlin“, erklärt Projekt­assistentin Sonja Lesniak mit Blick auf die Kurrent-Handschrift der Droste. „Das LWL-Archivamt hat ihre Handschriften aufwendig digitalisiert“, führt Projektleiter Oliver Pawlak aus. Die Ausstellung basiert auf diesen digitalen Auszügen, die „es ermöglichen, den Code, der Droste zu entschlüsseln“.

„Droste Digital“ verknüpft das 19. Jahrhundert geschickt mit den technischen Möglichkeiten der Gegenwart und macht somit die Handschriften, die Lebensräume der Droste und moderne Installationen erfahrbar. Viel Wissenswertes wird der Gast hier im spannenden Wechselspiel zwischen Text, Videos und digitaler Technik entdecken können. Die Künstlerinnen Dorothee Elmiger, Nora Gomringer und die Künstlerkollektive Anna Kpok und Hyphen-Labs haben sich intensiv mit Annette auseinandergesetzt und beleben die altehrwürdigen Räume mit ihren Installationen aufs Neue.

Der moosgrüne Velour im Flur, der über die Jahre leichte Wellen geschlagen hat, beheimatet einen sechs Meter breiten Wandschrank, auf dem zur Deko Spinnräder in unterschiedlichen Varianten thronen. Wer genau hinschaut, entdeckt die integrierte Zimmertür, die den Zugang zum Raum dahinter gewährt. Dorothee Elmiger schafft hier eine Installation, die den Bogen spannt vom schriftstellerischen Arbeiten im 19. Jahrhundert zur Gegenwart.

Das Trauerspiel „Berta und die Alpen“ inspirierte Nora Gomringer zu ihrer Installation, die sie für Annettes Jugendzimmer entstehen lässt. „Annette brach sehr stark aus dem vorherrschenden Rollenverständnis und stieß damit auf viel Widerspruch. Das Thema ist heute immer noch aktuell,“ so die Künstlerin. Für ihre Auseinandersetzung ließ sie Teppiche anfertigen, auf dessen geografischer Darstellung der Alpen ein Faksimile der Annette- Handschrift hinterlegt ist.

Klänge aus dem Orient werden im Dachgeschoss zu hören sein. Hier können die Gäste auf 70 Quadratmetern Faksimiles wandeln und dabei eine Vertonung von Drostes „Indischem Brautkleid“ lauschen. „Annette war auch als Gestalterin und Komponistin tätig“, macht die Kunstproduzentin Emese Bodolay vom Kollektiv Anna Kpok deutlich, die diese Installation zusammen mit Almut Pape entwickelt.

Auch widmete sich die Droste in einem Zyklus den Naturelementen. Dies greift das Kollektiv Hyphen-Labs auf und lässt es im Badezimmer im Stil der 1960er Jahre wieder lebendig werden.

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