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Westfälischer Kunstverein präsentiert Sara Sadik

Ein Kerl in einer Prüfung

Münster

Die Ästhetik von Filmen und Videospielen, die Sprache der Rapper, ein Ausstellungsraum als Arena: Schauwerte und Hintergründe von Sara Sadiks Werk im Westfälischen Kunstverein sind beträchtlich.

Von Harald Suerland

Im weißen Raum des Westfälischen Kunstvereins zeigt eine große Videowand Sara Sadiks „Ultimate Vatos“ – mit dem martialischen Logo oben rechts. Foto: Thorsten Arendt

Ein Abenteuerfilm, eine Forscher-Dokumentation von unentdeckten Inseln? Den Eindruck könnte gewinnen, wer auf die riesige, von beiden Seiten anschaubare Videowand im Westfälischen Kunstverein blickt. Doch immer wieder wechseln die Bilder eines Mannes, der über felsiges Gelände Richtung Meer eilt, sich mit anderen Szenen ab, die offenbar denselben Kerl in einem isolierten Raum zeigen: mal mit Muskeln vor der Kamera posierend, mal im Off-Kommentar von sanfter Erlösung und Todessehnsucht sprechend.

Der Begriff „Kerl“ ist in der Kunst Sara Sadiks Programm: Ihr Werk „Ultimate Vatos“ benennt diese Form von Männlichkeit und ergänzt sie um „Force & Honneur“, also Macht und Ehre. Sadik, die 1994 in Bordeaux geboren wurde und marokkanisch-algerische Wurzeln hat, nutzt Sprachmuster der Jugendkultur und thematisiert die „postmigrantische Gesellschaft“ mit ihren Problemen gerade in Frankreich, die Gastkuratorin Oriane Durand für erheblich größer hält als in Deutschland.

Und so bietet Sara Sadiks erste institutionelle Einzelausstellung hierzulande ein faszinierendes Spiel mit popkulturellen Formen. Eine Art Prolog-Video im Kabinettraum zeigt die Künstlerin in der gleichen Kluft wie ihren Protagonisten, sie erzählt von einer Organisation, in die man als Kerl nur durch Prüfungen Aufnahme findet. Die militärisch anmutende Bezeichnung und das martialische Logo ergänzen den Eindruck. Auf dem großen, fast halbstündigen Video muss der Kandidat auf einer Insel, deren einziges Gebäude die Grundform des Logos hat, eine Fahne finden. Oder eben die Isolation in seiner Zelle ertragen. Der junge Mann mit Migrationshintergrund kämpft – ob sein Erfolg zu Selbsterkenntnis oder Selbstkritik oder zur Aufnahme in eine zweifelhafte Gesellschaft führen, ist eine der Fragen, die das Kunstwerk provoziert.

Seine Bildsprache und sein Schauwert sind beträchtlich, zur Anlehnung an popkulturelle Modelle zitiert Kuratorin Oriane Durand auch die Hunger-Games-Filmreihe („Die Tribute von Panem“). Um diese Vorbilder zu zitieren und es den Betrachtern zugleich bequemer zu machen, wurden auch Sitzbänke in Auftrag gegeben, die dem Raum eine Arena-Anmutung geben sollen.

Sara Sadik: Ultimate Vatos: Force & Honneur. Vom 26. März bis zum 6. Juni im Westfälischen Kunstverein. Zeitgleich zeigen Kunstverein und LWL-Museum für Kunst und Kultur in der Reihe Radar „Sofas“ von Philipp Krabbe.

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