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Der „Welttag des Tagebuchs“ am 12. Juni geht auf Anne Frank zurück

Ein tiefer Blick ins Private und Persönliche

Berlin/Münster

Tagebücher sind geduldige Begleiter in guten und schlechten Zeiten. Auch Zeitdokumente. Am 12. Juni wird der Welttag des Tagebuchs gefeiert. Er geht zurück auf die weltweit bekannteste Schreiberin eines Tagebuchs: Anne Frank (1929-1945).

Von Sebastian Kramerund Johannes Loy

Eine Kopie von Anne Franks Tagebuch liegt in der Ausstellung „Alles über Anne“ im Anne-Frank-Zentrum in Berlin Foto: Insa Kohler/dpa

Ein Tagebuch ist wie ein geduldiger Freund. Es „hört“ zu, es schluckt

Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Es spendet Trost, weckt Erinnerungen an gute und schwere Tage. Das Tagebuch ist etwas Geheimnisvolles und höchst Privates. Manche möchten, dass Tagebücher nach ihrem Tod verbrannt werden, manche schreiben bewusst für die Nachwelt. Dass es für Tagebücher einen Welttag gibt, ist einem jungen Mädchen zu verdanken – Anne Frank. Viele berühmte Menschen haben Tagebuch geführt. An einige erinnern wir anlässlich des Welttags des Tagebuchs:

Anne Frank (1929-1945): Sie schreibt das wohl bekannteste Tagebuch. Das jüdische Mädchen versteckt sich von 1942 bis 1944 mit seiner Familie in Amsterdam vor den deutschen Nationalsozialisten. Der Welttag des Tagebuchs am 12. Juni geht auf ihren Geburtstag zurück. Es ist zugleich der Tag, an dem sie 1942 von ihrem Vater ein Notizbuch geschenkt bekommt. Am 5. April 1944 schreibt sie: „Werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden? Ich hoffe es, ich hoffe es so sehr! Mit Schreiben kann ich alles ausdrücken, meine Gedanken, meine Ideale und meine Phantasien.“ Anne Frank stirbt im Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Astrid Lindgren (1907-2002): Die schwedische Kinderbuchautorin beweist schon früh ihr Schreibtalent. Mit den Worten „Oh! Heute hat der Krieg begonnen. Niemand wollte es glauben“, beginnt im September 1939 ihr Kriegstagebuch.

Franz Kafka (1883-1924): Der Schriftsteller führt von 1909 bis 1923 Tagebuch. Darin vermischt er autobiografische und literarische Texte. „Ich werde das Tagebuch nicht mehr verlassen. Hier werde ich mich festhalten“, schreibt er am 16. Dezember 1910. Neben diesen Einträgen hält Kafka auch auf Reisen Eindrücke fest.

Kurt Cobain (1967-1994): 2002 werden postum die Aufzeichnungen des Nirvana-Sängers veröffentlicht. In 23 Notizbüchern hinterlässt der Wegbegründer des Grunge rund 800 eng beschriebene Seiten. Unter den Schriftstücken befinden sich auch Briefe an Cobains Geliebte, Zeichnungen, Grafiken, Fotos und Liedtexte.

Erich Kästner (1899-1974): Seine Erlebnisse im zusammenbrechenden NS-Staat beschreibt der Autor in „Notabene 45“. Die Aufzeichnungen beginnen im Februar 1945 kurz vor den Luftangriffen auf seine Heimatstadt Dresden.

Christoph Kolumbus (1451-1506): Eine Art Tagebuch führt auch der italienische Seefahrer und Entdecker. „Um zwei Uhr morgens kam Land in Sicht“, schreibt er am 12. Oktober 1492 in sein privates Logbuch über die Ankunft in Amerika. „Dort entfaltete ich die königliche Flagge. Unseren Blicken bot sich eine Landschaft dar, die mit grün leuchtenden Bäumen bepflanzt und reich an Gewässern und allerhand Früchten war.“ Kolumbus verfasst das Logbuch nicht für sich selbst, sondern für das spanische Königspaar.

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