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Salzburg-Bilder aus der Zeit um 1920

Eine Stadt aus Träumen und Visionen

Salzburg

Salzburg 1920. Eine Stadt macht sich auf den Weg, die Kulturwelt neu zu denken. Wie sah die Mozart-Stadt damals aus Sicht der Maler und Fotografen aus? Das ist in einer sehenswerten Ausstellung im Panorama-Museum der Stadt zu sehen.

Von Johannes Loy

Maximilian Schels (1889-1935): Blick auf Salzburg, 1920/30 Foto: Panorama Museum Salzburg

Für Besucher aus Europa und Übersee ist Salzburg eine Traumstadt – ein barockes, italienisch angehauchtes Kultur-Elysium. Nicht von ungefähr also hat das Panorama Museum Salzburg seine neue Schau mit Salzburg-Bildern „Traumstadt“ genannt. Doch geht es nicht um die heutigen Träume der Touristen, sondern um jene Visionen und Träume, die in Salzburg rund um das Jahr der Festspielgründung 1920 in der Luft lagen.

Die von den Kuratoren Eva Jandl-Jörg und Werner Friepesz konzipierte Schau vereint malerische Ansichten, gezeichnete Visionen und historische Fotografien. Sie rankt sich auf zwei Ebenen um das 26 Meter lange historische Panoramagemälde von Johann Michael Sattler, das einen Blick auf Salzburg und die Umgebung der Stadt um 1829 gewährt.

Die Ausstellung „Traumstadt. Blick auf Salzburg um 1920“ liefert zum 100. Geburtstag der Festspiele einen Rückblick in eine Zeit, in der sich in Salzburg viel bewegte. Die Bandbreite reicht von den üblichen „Schokoladenansichten“ der Stadt von den Stadthügeln aus bis hin zu einem an Edgar-Wallace-Filme erinnernden Bild von Franz Pichler, der in den 1920er Jahren den abendlichen „Mirabellplatz bei Nebel“ mysteriös mit Kohle schraffierte.

Der Spaziergang durch das Salzburg der 1920er Jahre beginnt mitten in der Stadt – in der Hofstallgasse und auf dem Max-Reinhardt-Platz – heute sind diese Orte vor allem durch die Festspiele bekannt. Künstler wie Anton Faistauer, Robin C. Andersen und Anton Kolig arbeiteten seit 1926 an Fresken, gemalten Gobelins und Mosaiken im Festspielhaus. Historische Fotografien zeigen den ursprünglichen Festspielbezirk. Wenig verändert hat sich der Residenzplatz. Fotografien und Grafiken zeigen den Residenzbrunnen mit Blick auf Dom oder Glockenspiel fast wie heute. Gesellschaftlich aber veränderte sich in jener Zeit vieles. Im November 1918 wurde in der Neuen Residenz, dem Sitz des kaiserlichen Landespräsidenten, das alte monarchistische System gestürzt.

Beliebtes Motiv der Künstler und Fotografen schon damals: die Staatsbrücke. Auf der Stahlwerk-Konstruktion aus dem Jahr 1877 herrschte Chaos, und die Frequenz an Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken, Radfahrern und Fußgänger nahm stetig zu. Salzburg krankt bis heute an der Verkehrsdichte im engen Stadtgebiet, durch das sich die Salzach mal friedlich und mal tosend ihren Weg bahnt.

Der Mirabellgarten glänzte übrigens in den 1920er Jahren noch mit Kurhaus, Kurgarten, einem Musikpavillon und jenem Gebäude, das speziell für das bereits erwähnte Salzburg-Panorama von Johann Michael Sattler errichtet wurde.

Eine zweite Abteilung der Schau widmet sich den Stadtansichten „von oben“. Der Blick vom Mönchsberg auf die Altstadt mit seinen Türmen und Kuppeln hat sich seit den 1920er Jahren zu einer ikonischen Ansicht von Salzburg herauskristallisiert. Die Festung Hohensalzburg und der Festungsberg konnten übrigens schon in den 1920er Jahren bequem per Bahn erreicht werden. Wer diese Möglichkeit wählte, verpasste, wie die Museumsleute schreiben, dabei jedoch den erfrischenden „Boxenstopp“ im Stieglkeller, der auch damals schon beliebt war.

Franz Pichler "Abendlicher Mirabellplatz bei Nebel", 1920er Jahre Foto: Panorama Museum Salzburg

Schon im 18. Jahrhundert kristallisierte sich übrigens der Gaisberg bei Salzburg zum beliebten Wanderziel heraus, wenngleich der Gipfel auf alten Bildern ohne den Funkturm auf den heutigen Betrachter etwas fremd wirkt. Fotografien zeigen Ausflügler und Rodler bei der „Partie am winterlichen Gaisberg“. Heute ist der Berg, den früher eine Zahnradbahn bediente, bequem per Hochstraße und Bus in einer halben Stunde zu erreichen. Ein beliebtes Ziel für Drachenflieger und Paraglider. Und der Ausblick auf das sich an die Salzach schmiegende Salzburg ist aus gut 1200 Meter Höhe traumhaft schön.

Die Ausstellung im Panorama Museum richtet sich auch an jüngere Besucher. Im Zentrum eines Parcours für Kinder, Jugendliche, Familien und Schulklassen steht die elektrische Straßenbahn, die in den 1920er Jahren ihre Runden durch Salzburg zog. Die Bahn ist längst Geschichte, heute verkehren Oberleitungsbusse in der Stadt, die sich mal ein Herz fassen sollte, endlich die Blechlawinen aus Gassen und Straßen zu verbannen.

„Traumstadt. Blick auf Salzburg um 1920“. Die Ausstellung läuft bis zum 17. April 2022 im Panorama Museum Salzburg. Es erscheint ein Katalog für 12,90 Euro.

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